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Ein Dresdener, der am Chiemsee malte

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Auf dem Bild »Kahnfahrt am Chiemsee« malte Alfred Schmidt sich selbst als Bootslenker mit zwei auf eine Ausfahrt mitgenommenen Kindern, vielleicht den eigenen. (Foto: Gärtner)

Alfred Schmidt wirkt auf Fotos eher wie ein hoher, jovialer Beamter. Oder ein begüteter Kommerzienrat. Der Abgelichtete könnte auch Impresario oder Theaterintendant sein. Mit der Farbpalette und im beklecksten Arbeitsmantel ist der wohlsituierte Herr mit Brille, Schnauzbart, Krawatte und Zigarre nicht recht vorstellbar.


Dabei gibt es eine stattliche Anzahl schöner Beweise dafür, dass dieser gütig bis streng dreinblickende »Chiemseemaler« recht fleißig mit dem Malpinsel hantierte: Als Beitrag von »Gailer Fine Art Chiemsee« zum »Kunstsommer 2016« werden erstmals aus Alfred Schmidts Nachlass Bilder im Vikarhaus der Torhalle auf der Fraueninsel präsentiert – bis 16. Oktober täglich von 11.15 Uhr bis 17.15 Uhr.

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Alfred Schmidt war gebürtiger Dresdener mit erklärtem »Bekenntnis zur Freilichtmalerei«. 1918 wurde er Professor an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste. Gern zog er in den Sommermonaten aufs Land, zuerst öfters an den Ammersee, ab 1920 bevorzugt an den Chiemsee. Wohnhaft in einem Bauernhaus in Gollenshausen (zwischen Seebruck und Gstadt), soll Schmidt als einer der ersten im eigenen Boot mit Außenbordmotor übers Bayerische Meer gefahren sein.

Der Frauenchiemseer Galerist ordnet Alfred Schmidt, der vor 60 Jahren in Gräfelfing starb, den Impressionisten zu. Er rückt ihn in die Nähe des nicht unbedeutenden Malers Christian Landenberger, der fünf Jahre älter als Schmidt war, jedoch nur ein Alter von 65 Jahren erreichte. Am Ammersee hätten beide »gemeinsam Leinwand an Leinwand gemalt«.

»Kahnfahrt am Chiemsee« ist ein ebenso besänftigendes wie idyllisch anmutendes Bild betitelt. Es darf angenommen werden, dass es Alfred Schmidt selbst ist, der hier mit zwei Kindern nahe Gollenshausen herumschippert. Das Bild – weder dieses noch irgendeins der hier gezeigten Bilder ist vom Maler datiert worden – kann in mancherlei Hinsicht typisch für Schmidts Malstil stehen, besonders hinsichtlich des Labels, das diesem Künstler aus gutem Grund angedichtet wurde: »Violett-Schmidt«.

Das zarte Lila, das bläuliche Kolorit, das hier am Boot und, gespiegelt im See, in der Landschaft wahrzunehmen ist, kommt immer wieder bei Alfred Schmidt vor, etwa in der Arbeit auf Karton »Boot im Abendlicht«, aber auch in friedvollfröhlichen figürlichen Darstellungen wie der »Alten Bäuerin mit Äpfeln«, einer Reihe Weißwäsche im Fluss waschender junger Landfrauen oder zahlreicher badender junger Damen, die ihre Kleidung bereits am Ufer abgelegt haben, um ihre Körper der Licht und Wärme spendenden Sonne des Chiemgaus auszusetzen.

Karg und ohne viel Brimborium führt Alfred Schmidt seine Sommerwahlheimat bildlich vor Augen: Chiemgau-Bergkette, darüber zartrosa leuchtende Wolken à la Vincent van Gogh, gespiegelt im Wasser, ein breiter brauner Holzsteg, und darauf eine einsame Gestalt in Gelb mit gleichfarbigem Schirm (ist Regen im Anzug?) – das Ölbild auf Leinwand und Karton mit der Überschrift »Chiemsee-Stimmung« wurde als einladendes, den Künstler Alfred Schmidt aus Dresden trefflich kennzeichnendes Motiv für das Ausstellungsplakat gewählt. Hans Gärtner

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