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»Ein Freund, ein guter Freund …«

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Die Pianistin Maria Bittel (von links), Elisabeth Trautwein-Heymann und die Sängerin Friederike Duetsch erinnerten im k1 an den Komponisten Werner Richard Heymann. (Foto: Heel)

»Sie kennen mich nicht, aber Sie haben schon viel von mir gehört«. So stellte sich der am 14. Februar 1896 in Königsberg geborene und 1961 in München verstorbene Komponist Werner Richard Heymann in der Nachkriegszeit gerne vor. Genau 120 Jahre nach seinem Geburtstag fand nun auf Initiative von k1-Chef Thomas Kazianka im ausverkauften Studiotheater des Traunreuter k1 ein Chansonabend statt, gestaltet von der Sängerin Friederike Duetsch und der Pianistin Maria Bittel, die beide an der Musikschule der Stadt Traunstein unterrichten.


Eine besondere Note verlieh dem Abend auch die Anwesenheit von Elisabeth Trautwein-Heymann, der 1952 geborenen Tochter des Komponisten, die zusammen mit ihrem Ehemann aus Salzburg angereist war. Ihr war es auch zu verdanken, dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, weil sie Friederike Duetsch und Maria Bittel Notenblätter und andere Unterlagen aus dem Nachlass ihres Vaters zur Verfügung gestellt hatte.

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Anregender Wechsel zwischen Liedern und Texten

In einem anregenden Wechsel zwischen den Liedern und einer Reihe von Textbeiträgen, vorgetragen von Maria Bittel, entfaltete sich das facettenreiche Bild eines hochbegabten Künstlers, der 1912 nach Berlin gekommen war und zunächst ernste Musik komponierte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er für kurze Zeit – bis zur krankheitsbedingten Entlassung – Soldat, anschließend begann er als Komponist mit verschiedenen Berliner Kabaretts zusammenzuarbeiten – auch mit dem Kabarett »Schall und Rauch«, dessen Leiter seinerzeit Max Reinhardt war. 1926 stieg er zum Generalmusikdirektor der UFA auf und schrieb die Musik zu den Stummfilmen »Faust« von F. W. Murnau und »Spione« von Fritz Lang.

1929 war er musikalischer Leiter des ersten UFA-Tonfilms »Melodie des Herzens«, in der Folge begründete er das Genre der Tonfilm-Operette und komponierte bis 1933 die Musik für 15 UFA-Filme wie »Die Drei von der Tankstelle«, »Der Kongress tanzt« oder »Ein blonder Traum«. Mit zahlreichen Hits, deren Texte in der Regel von Robert Gilbert stammten, interpretiert von Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Hans Albers, Paul Hörbiger, den Comedian Harmonists und vielen anderen.

Nach der Machtergreifung der Nazis Anfang 1933 wurde allen jüdischen Angestellten der UFA gekündigt, allein Werner Richard Heymann sollte – offenkundig wegen seiner großen Erfolge – weiterbeschäftigt werden. Er ging dennoch in die Emigration und gelangte nach Umwegen über Paris und London 1936 nach Hollywood, wo er bis 1950 insgesamt 44 Filmmusiken komponierte, wie für die Ernst-Lubitsch-Filme »Ninotschka« (mit Greta Garbo) und »Sein oder Nichtsein«, und viermal für den Oscar nominiert wurde.

1951 kehrt der Komponist nach Deutschland zurück

Nach 18 Jahren im Exil kehrte er 1951 nach Deutschland zurück, wo er in vierter Ehe die Schauspielerin Elisabeth Millberg heiratete. 1952 wurde die Tochter Elisabeth-Charlotte Heymann geboren, und er schrieb weiter Chansons und Filmmusik (»Heidelberger Romanze«), bevor er am 30. Mai 1961 den Folgen eines Schlaganfalls erlag. Sein Grab befindet sich auf dem Münchener Waldfriedhof (Neuer Teil).

Beginnend mit dem Lied »Hoppla, jetzt komm ich« aus dem Hans-Albers-Film »Der Sieger« (1932), entführte Friederike Duetsch ihrerseits in die Welt des Komponisten, stimmlich von höchster Qualität, wandlungsreich und mit suggestiver Ausdruckskraft. Zunächst mit Liedern wie »Die kleine Stadt« oder »Die Dorfschöne«, deren Texte von Walter Mehring und Kurt Tucholsky stammten, im zweiten Set dann mit Hits wie »Ein Freund, ein guter Freund«, »Mir liegen die älteren Jahrgänge« oder »Irgendwo auf der Welt«, sämtliche getextet von Robert Gilbert.

Eine Wiederholung dieses begeistert aufgenommenen Chansonabends findet übrigens am 8. Juli statt, wiederum im k1. Wolfgang Schweiger