Ein ganz normal verrücktes Paar

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Herbert und Schnipsi singen das Schneckenlied als ihre ganz persönliche Hymne zur Entschleunigung. (Foto: Heel)

Spaß muss sein, auch in der Ehe. Darauf bauen Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger, besser bekannt als Herbert & Schnipsi, ihre Programme auf.


Da wird die Beziehungskiste ausgeschüttet und hervorgezerrt, was der Alltag an Tücken und kleinen Widrigkeiten so bereit hält, was uns ausrasten, streiten, jammern und lachen lässt. Verpackt in eine Mischung aus pointierten Sketchen, liebevoll gedichteten Liedern und dem direkten Austausch mit dem Publikum. Dabei sehen die beiden sich selbst weniger als Kabarettisten, schon gar nicht als politische, sondern lieber als Komödianten und Volkssänger in der Tradition von Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

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Jetzt waren Herbert & Schnipsi im voll besetzten Saal des Traunreuter k1 zu Gast, wo sie vor über 600 Zuschauern die besten Nummern aus 35 gemeinsamen Bühnenjahren präsentierten, er wie üblich eher ruhig und auf Ausgleich bedacht, sie immer aufgeregt über alles, was in ihrer Umgebung so passiert. Zum Beispiel gleich beim Einstieg, als die beiden vorführten, welche Folgen ein Angelurlaub in der schwedischen Einöde haben kann. Sie langweilt sich und wird laut, und weil die Fische kein Geschrei mögen, beißen sie auch nicht an. Und schon hängt der Haussegen schief. Bis beiden klar wird, dass sie eigentlich total am falschen Ort sind und in Rimini viel besser aufgehoben wären. Ein Sketch mit autobiografischem Hintergrund, denn wie Meilhamer dazu erklärte, hätten sich die beiden nach ihrem ersten Engagement einen VW-Bus gekauft und damit drei Wochen lang Schweden unsicher gemacht. Daraufhin hätten sie beschlossen, dass sie jetzt auch heiraten könnten, nachdem sie diesen Härtetest überstanden haben.

Apropos Anfänge. Bevor er sich mit Claudia Schlenger zusammentat, stand Hanns Meilhamer zehn Jahre als Solokünstler auf der Bühne, wobei er zeitweise jeden Tag einen Text aus der BILD-Zeitung vertonte und vortrug. Als Beispiel präsentierte er einen am 22. November 1980 veröffentlichten Bericht über Ufos mit dem Titel »Ufos: Grüne Kugeln verfolgten sieben Passagierflugzeuge«. Dazu übergab er einem Zuschauer den Text, damit das Publikum auch sicher sein konnte, dass er dabei nichts veränderte bzw. der Fantasie der BILD-Schreiber auch gerecht wurde.

Weitere Sketche spielten an so unterschiedlichen Orten wie auf einem Friedhof oder im Himmel, wobei die beiden es glänzend verstanden, Absurdes und Alltägliches zu verbinden, garniert mit spitzfindigen Dialogen und umwerfender Mimik. Zwischendurch durften einige Zuschauer (»Weil Sie schon mal da sind ...«) von Schnipsi wahllos ins Publikum geworfene Wäschestücke zusammenlegen und beim großen Finale konnte man miterleben, was so alles passieren kann, wenn ein Ehepaar zu Silvester »mal etwas anderes machen möchte« und deswegen eine Berghütte mietet. Und bald schon eisiger Laune ist, angesichts des tiefgefrorenen Sekts und Nudelsalats, den sie dummerweise in einer Box auf dem Autodachträger transportiert haben.

Dass dabei die Musik nicht zu kurz kam, versteht sich von selbst. Schließlich ist Hanns Meilhamer, versiert an Akkordeon, Gitarre, Ukulele und Trommel, seit vielen Jahren auch mit seiner Band »Herbert & Die Pfuscher« erfolgreich unterwegs. Aber auch Claudia Schlenger war instrumental aktiv und brachte an der Trompete ein paar richtige Töne zustande, auch wenn ihr Können noch im Wachsen sei, wie sie selbst bekannte. Kurzum, ein Abend mit hohem Unterhaltungswert, gekrönt vom Duett »Was wäre ich ohne dich?« Was will man mehr? Wolfgang Schweiger

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