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»Ein guter Groove und eine schöne Melodie, mehr braucht es nicht«

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Unser Bild zeigt die Schüler-Big-Band des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein. Ganz rechts steht Sechstklässler Felix Haussig mit dem Basssaxofon. (Foto: B. Heigl)

Nicht nur das Publikum war begeistert von so viel stupendem Können der Schüler-Big-Band des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein, auch ihr Lehrer Felix Hagenauer teilte die Begeisterung, und meinte gegen Ende des Konzerts: »Ich bin beeindruckt!« Wenn das ein Lehrer zu seinen Schülern sagt, ist das nicht nur schön, sondern auch etwas ganz Besonderes.


Dass der Musik-Unterricht so gute Früchte trägt, liegt sicher auch daran, dass Hagenauer seine Schüler durch seine offene Art und sein respektvolles Auftreten so motivieren kann, dass diese auch fleißig üben. Schulleiter Bernd Amschler meinte in seiner kurzen Ansprache: »Wenn er auf der Bühne steht, dann lebt er doppelt!« Man sah und hörte es den Kindern und Jugendlichen an, dass sie sich mit ihm wohlfühlen auf der Bühne, keiner quälte sich, man blickte nur in zufriedene und freundlich-konzentrierte Gesichter in den Reihen der Schüler-Big-Band.

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Gleich mit dem ersten Stück »In the Mood« holten die jungen Musiker die Zuhörer aus ihrer Sonntagmorgen-Lethargie heraus und die drei Solisten Roxane Lindlacher, Tenorsaxofon, Ramona Thaller, Altsaxofon, und David Nasser an der Trompete zeigten bei ihren Soli, dass sie auch die hohe Kunst der Improvisation schon gut beherrschen. Großen Applaus gab es auch für die Gesangs-Solisten: Kamile Matlasaityte sang mit ihrem sicher geführten Mezzo-Sopran das wunderbare »Don’t know why« von Norah Jones, überzeugend und schön. Das Duo Eva Vogel und Julian Schnell begeisterte mit dem voller Wärme und mit perfekter Intonation gesungenen Liebeslied »Something stupid« – dem das feine Gitarren-Solo von Maria Aicher vorausgegangen war – das sicher gar nicht so einfach zu singen ist, da die Töne der beiden Gesangsstimmen oft sehr nah beieinander liegen. Ein stimmungsvolles Medley aus der »Rocky Horror Picture Show« und das »Fiesta Latina«, bei dem sich die flotten Percussionisten der Band bestens empfahlen, rundeten den ersten Teil des Konzerts ab.

Nach den Jungen folgten die »alten Hasen«. Professor Joe Viera, ein überaus freundlicher Mann in den 80ern, Mitbegründer des Burghausener Jazz-Festivals, war mit seiner Uni-BigBand nun schon zum dritten Mal zur Matinee nach Traunstein gekommen. Der Herr Musikprofessor hat gern ein wenig den Schalk im Nacken und ist sicher beliebt bei den Kindern der Schule, wenn er für sie seine Workshops abhält. Er dirigierte das gemeinsam mit der Schul-Big-Band gespielte, karibische »Gumbo Caliente« mit flottem Schwung, bei dem sich Schlagzeuger und Percussionisten auf beiden Seiten mit Freude am gemeinsamen Spiel konspirativ zulächelten.

Viera ist aber beileibe nicht nur ein freundlicher älterer Dirigent. Messerscharf sind seine Einsätze, mit denen er seine Musiker auffordert, ein spontanes Solo zu spielen. Schaut da einer mal nicht rechtzeitig hin, reagiert der Maestro, indem er mit Zeige- und Mittelfinger schon mal Konzentration fordert. Auch alte Hörgewohnheiten dreht er gerne einmal um. Das Arrangement des Standard-Stücks »It could happen to you«, das nicht wie üblich mit dem musikalischen Thema begann, sondern von den Solisten eröffnet wurde, war ein Beleg dafür. Ein besonderes Schmankerl der Matinee war das »You gotta try« von Count Basie, der, so Viera, für den Jazz so bedeutungsvoll ist wie Mozart in der klassischen Musik-Literatur.

Wie sagte doch erst kürzlich der bekannte Ausnahme-Gitarrist Adam Rafferty aus New York bei seinem Gastspiel im Traunsteiner Rathaussaal: »Ein guter Groove und eine schöne Melodie, mehr braucht es nicht für ein gutes Stück.« Wie wahr. Ja, und es hat ordentlich gegroovt, bei den älteren wie bei den jungen Musikern. Und tolle Melodien waren auch keine Mangelware.

Richtig eingegroovt hat sich auch der junge Musiker Felix Haußig, der erst in die sechste Klasse geht, aber seit letztem Jahr die Aufgabe hat, das große Basssaxofon zu spielen. Ein schon imponierendes Instrument, bei dem einem schon beim bloßen Hingucken die Luft wegbleibt. Mit ruhiger Konzentration bläst er sein Instrument und geht trotz seines jugendlichen Alters sehr gefühlvoll den Stilelementen des Genres auf die Spur.

So ein Konzert macht richtig gute Laune und man freut sich schon auf das nächste Mal. Da darf man dann ein weiteres Mal staunen: Darüber, was an so einer Schule trotz G8 alles möglich ist, und welche Fortschritte die jungen Leute machen. Barbara Heigl