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Ein halbes Jahrhundert Bluesgeschichte

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John Mayall machte seinem Ruf als »Godfather of Blues« im Salzburger »Republic« alle Ehre. (Foto: Kastner)

Der weiße Blues in Person gastierte am Dienstag im Salzburger »Republic«. John Mayall ist mittlerweile fast 82 Jahre alt und schreibt seit über 50 Jahren Musikgeschichte. 500 Zuhörer erlebten einen lässigen Auftritt der Blueslegende und seiner Band. Ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird, wenngleich die ganz großen »Kracher« bei diesem Konzert ausblieben.


Man glaubt es kaum, als John Mayall vor Konzertbeginn persönlich CDs verkauft und diese gerne signiert. Er ist sich nicht zu schade für ein kurzes Gespräch mit den Fans und sprüht auch auf der Bühne vor guter Laune. Eine stattliche Erscheinung ist der groß gewachsene Brite auch mit fast 82 Jahren noch, er präsentiert sich topfit, scherzt mit dem Publikum und gibt dann den Startschuss für den Schnelldurchgang durch 50 Jahre Bluesgeschichte.

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Die Songs, die John Mayall und seine Band an diesem Abend präsentieren, gehen teilweise zurück in die Zeit der »Bluesbreakers«, bei denen in den 60er und 70er Jahren die besten Musiker der damaligen Zeit spielten. So war John Mayall unter anderem Arbeitgeber von Eric Clapton, Peter Green, Mick Taylor, Ginger Baker, John McVie und Mick Fleetwood.

Ihre Bilder erscheinen in den Köpfen der Zuhörer, als John Mayall im »Republic« das für einen Blues äußerst dynamische »Parchman Farm« ins Publikum schmettert und dabei seine Mundharmonika zum Glühen bringt. Mayall liebt es ja, Songs von anderen Komponisten neu zu interpretieren – und das ist auch bei »Parchman Farm« der Fall. Schließlich stammt der Song aus der Hand von Mose Allison. Der beschrieb damit 1957 die gleichnamige Haftanstalt in Mississippi, wo zahlreiche Bluesmusiker inhaftiert worden sind. Es sollte an diesem Abend der bei den Fans wohl bekannteste Song bleiben, denn die großen »Kracher« gibt es in Salzburg nicht zu hören. John Mayall ignoriert Forderungen aus dem Publikum nach »Room to move«, »There ain't no breakman on this train« oder »Wake up call«. Die Songliste ändere sich von Konzert zu Konzert, erklärt Mayall und kündigt dann ein brandaktuelles Stück an. »I want all my money back«, sing Mayall mit gewohnt druckvoller Stimme und stellt damit einen Song seines neuesten Albums »Find a way to care« vor.

In seiner aktuellen Band hat John Mayall starke Unterstützer auf der Bühne. Gitarrist Rocky Athas wechselt sich mit John Mayall, der zumeist das E-Piano bedient, mit rhythmischer Begleitung und Soloeinlagen ab. Bassist Greg Rzab und Schlagzeuger Jay Davenport sorgen dafür, dass alles in der Spur bleibt und verlassen diese gerne für kurze Sondereinlagen, bei denen das Können der Musiker erst so richtig deutlich wird. Knapp zwei Stunden lang singt John Mayall von Herzschmerz und fließenden Tränen (»Tears come rolling down«), von Umweltzerstörung (»Nature's disappearing«) und Freundschaften (»The Bear«). Noch lange nach dem Konzert klingt die Melodie von »All your love« im Ohr: » All the love I miss loving, all the kiss I miss kissing. All the love I miss loving, all the kiss I miss kissing. Before I met you baby, never knew what I was missing«.

Seit 1. Oktober tourt John Mayall mit seiner Band durch ganz Mitteleuropa, spielt fast täglich in einer anderen Stadt. Man gastiert in Belgien, Frankreich, Italien, der Schweiz und viermal in Österreich. Deutschland hat der »Godfather of Blues« nicht auf seinem Tourkalender. Aber schließlich ist es aus dem Berchtesgadener und Traunsteiner Gebiet ja nicht weit nach Salzburg. Zahlreiche Fans sind über die Grenze gekommen, um John Mayall live zu erleben. Ulli Kastner