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Ein Harfenspieler muss Multitasker sein

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Silke Aichhorn begeisterte beim »Stadellesen« mit ihrem Buch aber auch mit ihrem Harfenspiel. (Foto: Eder)

Es ist so wunderbar erfrischend, wenn sich Vollblutmusiker selbst nicht so ernst nehmen und mit Witz ihr Können moderieren, wie es Silke Aichhorn in Grassau gelang. Eine der gefragtesten Harfenistinnen dieser Zeit begeisterte beim »Stadellesen« mit Frühschoppen der Grassauer Bücherei mit einer Mischung aus Lesung, Konzert und Kabarett.


»Das Bild einer verträumten Harfenistin passt nicht in den Alltag«, erklärte Silke Aichhorn. Eine gebrochene Hand verhinderte zwar das Musizieren, nicht aber die Weiterarbeit an ihrem Buch. In »Lebenslänglich frohlocken« nimmt die Harfenistin den Leser in ihren Alltag mit und beschreibt die kleinen oder auch größeren Begebenheiten, die sie so erlebte. Harfe spiele sie, weil es Spaß mache und weil sie sich eine »Polposition« bei Petrus sichern möchte, aber auch, weil man ja von irgendetwas leben müsse. Die Harfe sei kein »Gartenzaun« und auch kein »Eierschneider«. Sie wiege 40 Kilogramm und verliere täglich an Wert, wie auch die Harfenistin, meinte Aichhorn nicht ohne Ironie.

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Da man mit Händen und Füßen spiele, müsse man Multitasker sein, ein Grund, warum hauptsächlich Frauen Harfe spielen. Sie spiele auch »Mugge« (Musik gegen Gebühr), also bei Hochzeiten, Beerdigungen, Vernissagen und sonstigen Anlässen. Aus diesem Bereich stammten zum größten Teil ihre authentischen, witzigen, teils skurrilen Geschichten, die sie humorvoll wiedergab, wie »Der dritte Mann«. Zu einer besonderen Hochzeit wurde sie zunächst engagiert, dann wieder entladen und kurzfristig erneut gebucht. Als Hochzeitslied sollte sie den etwas unpassend scheinenden »Der dritte Mann« auf der Harfe zum Besten geben. Kurz vor der Trauung fiel der Organisatorin auf, dass dieses Stück wohl doch nicht so passend wäre. Während sie auf ihren Einsatz wartete, konnte sie einige amüsante Begebenheiten auf dem Standesamt beobachten.

Eine weitere, für sie damals jedoch weniger amüsante Episode ihres Musikerdaseins umschrieb sie mit »Harfentransport«. Die Zuhörer konnten sich gut vorstellen, wie Silke Aichhorn dieses doch schwere und vor allem unhandliche Instrument in den Zug hievte, um zu einem Konzert zu gelangen und welche Probleme plötzlich auf die Harfenistin zukamen, als der Zug mitten in der Pampa nicht weiterfahren konnte, der Konzerttermin aber immer näher rückte. Die amüsante Geschichte krönte sie mit dem Stück »Die Moldau« von Bedrich Smetana in einer besonderen Bearbeitung für Harfe.

Dass man mit Silke Aichhorn auch so mancher Beerdigung eine amüsante Seite abgewinnen kann, verdeutlichte sie in einer weiteren Anekdote. Sie sollte diese Feier mit dem Stück »Die lustige Witwe« umrahmen. Auch bei diesem Unterfangen lief nicht alles glatt. Ein besonderes Erlebnis war der Auftritt im Vatikan zu Ehren des emeritierten Papstes Joseph Ratzinger, dem sie aus Traunstein Weißwürste mitbrachte. Alle Geschichten, so versicherte die sympathische Harfenistin, seien so passiert, nur die Namen der Protagonisten wurden natürlich verändert.

Das Publikum war begeistert, sowohl von der wunderbaren Musik, die Aichhorn auf ihrer Konzertharfe bot, wie auch von den Geschichten und dem damit verbundenen Einblick in ihr Leben. Mit Beifall wurde nicht gespart. Tamara Eder

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