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Einheimische geben Flüchtlingen in der »Waldluft« und in der Königsseer Straße Unterricht

Ein Herz für Asylbewerber

Berchtesgaden – Sie haben ein Herz für die Nöte von Asylbewerbern und demonstrieren das durch aktive Unterstützung der Flüchtlinge in Berchtesgaden. Neben vielen anderen Betreuern aus Bayern wurden am Mittwochabend im Maximiliansaal der Regierung von Oberbayern in München von Regierungsvizepräsidentin Maria Els auch neun Einheimische geehrt, die Flüchtlinge in den Unterkünften »Waldluft« und Königsseer Straße unter anderem mit Deutschunterricht unterstützen. Stellvertretend für alle Betreuer sprach der »Berchtesgadener Anzeiger« mit Hedwig Kellner aus Bischofswiesen.

Hedwig Kellner aus Bischofswiesen (r.) war eine von mehreren Bürgerinnen und Bürgern aus dem Berchtesgadener Talkessel, die Regierungsvizepräsidentin Maria Els für ihren ehrenamtlichen Einsatz zum Wohle der Asylbewerber auszeichnete. Foto: Regierung

Die 68-Jährige ist eine von mehreren Damen, die in der »Waldluft« regelmäßig Deutschunterricht geben. Von ihnen waren in München auch Daniela Kilian, Ilse Grimm, Ilse Tichy, Rosl Imhof und Franziska Schubert mit dabei. Den Dank der Regierungsvizepräsidentin nahmen außerdem Georg Mix, der mit den Asylbewerbern Sport macht, und Rolf Heinigen-Hager, der sich um die Fahrräder der Flüchtlinge kümmert, in Empfang. Die vielen Helfer aus der Unterkunft in der Königsseer Straße vertrat in München Gerhard Schuster.

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Hedwig Kellner hatte von Daniela Kilian und aus dem »Berchtesgadener Anzeiger« von den Bedürfnissen der Asylbewerber in der »Waldluft« erfahren, bevor die Caritas dort ihre Arbeit aufnahm. Sie brauchen Kenntnisse in der deutschen Sprache für einen späteren Sprachtest. Weil die 68-Jährige vom früheren Asylbewerberheim in Königssee schon Erfahrung im Umgang mit Asylbewerbern hatte, fühlte sie sich der Aufgabe gewachsen. »Außerdem habe ich schon drei Kinder erfolgreich durch das deutsche Schulsystem gebracht. Deshalb hab ich mir das Ganze schon zugetraut«, sagt die resolute Bischofswieserin.

Seit über zwei Jahren verbringt sie mit den anderen Damen wöchentlich zwei Nachmittage in der »Waldluft«, um die Asylbewerber in der deutschen Sprache zu schulen. Die Klassenstärke ist sehr unterschiedlich, sie schwankt von zwei bis zwölf. »Zwischen uns besteht ein sehr herzliches Verhältnis«, sagt die Bischofswieserin. So geht man mit den Asylbewerbern auch gelegentlich zum Wandern. Ausdrücklich begrüßt Hedwig Kellner das Engagement der Gymnasiastinnen, die sich in Schulprojekten ebenfalls um die Asylbewerber kümmern. Und die Bischofswieserin lobt »Waldluft«-Betreiberin Flora Kurz: »Sie ist eine großartige Seele und hält das Ganze zusammen.«

»Es ist mir ein großes Anliegen und eine ganz besondere Freude, mich persönlich bei rund 250 Ehrenamtlichen aus ganz Oberbayern für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Betreuung von Asylbewerbern, Flüchtlingen und Spätaussiedlern zu bedanken«, betonte Regierungsvizepräsidentin Maria Els auch in ihrer Funktion als Integrationsbeauftragte von Oberbayern im Rahmen der Ehrung in München. Els dankte den Ehrenamtlichen für die vielfältigsten Tätigkeiten von Lesepaten und Sprachförderungen, über Hausaufgabenhilfen, Unterstützung von Schülern beim Wechsel auf weiterführende Schulen oder ins Erwerbsleben, Hilfen bei Behördengängen bis hin zur Betreuung fremdsprachiger Pflegebedürftiger. Die Ehrenamtlichen unterstützten Asylbewerber, Flüchtlinge und Spätaussiedler nicht nur bei der Bewältigung der neuen Lebensumstände, sondern brächten ihnen auch Wertschätzung entgegen.

Els weiter: »Danke für Ihren oft hohen Zeiteinsatz und auch dafür, dass viele von Ihnen oft darüber hinaus mit privaten Geldmitteln helfen. Ihr Einsatz ist ein Vorbild für unsere Gesellschaft und nachahmenswert. Es wäre schön, wenn Sie mit Ihrer Freude am Ehrenamt auch andere anstecken und dadurch vielleicht sogar für ein Ehrenamt gewinnen könnten.« Ulli Kastner