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»Chiemgau Brass« auf musikalischer Spurensuche in Maria Eck – draußen und drinnen

Ein hochmotiviertes Tentett an einem magischen Ort

Die Formation »Chiemgau Brass« am Altarplatz von Kloster Maria Eck. (Foto: Kaiser)

Bei herrlichem, weil nicht mehr so glutheißem Sommerwetter fanden sich die Konzertbesucher frühzeitig beim Altarplatz von Kloster Maria Eck ein und konnten dem »Vorspiel« eines Duos mit französischen Parforce-Hörnern lauschen.


Eine Dame und ein Herr in vornehmer Tracht von der »Initiative Trompe« provozierten die Hörgewohnheiten der Zuhörer (und auch einer kleinen Pferdeherde auf der Koppel am Hang) durch ungewohnt rauen Sound ihrer Jagdhörner und mit weiten, langsamen Tremoli ihrer Töne. Sie wollten damit die schwierig-anstrengende alte französische Jagdhornspielweise weitergeben – bei ihren weiteren Darbietungen, auch in reizendem Frage-Antwortspiel, erschloss sich der Reiz dieser Spielweise – auch die Pferde schienen zuzuhören.

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Nach dieser »Vorband« widmeten »Chiemgau Brass« ihre Aufmerksamkeit der Katze »Kraken« von Chris Hazell, einem zeitgenössischen Komponisten und Katzennarren aus England. Er charakterisierte sie als Tier mit Vorliebe für Rhythmus. Doch auch zärtlich kann sie sein, und einer musikalischen Fuge ist sie nicht abgeneigt. Festlich, fesch und fröhlich in dem sympathischen Wechsel der Tanzrhythmen und -tempi, bei dem sich alle Instrumentenregister profilieren durften, zur rechten Zeit unterstützt von Trommel und Schellentamburin, erklang eine Suite von Tänzen des Claude Gervaise aus Paris, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebte.

Die Verführungsarie des Don Giovanni aus Mozarts Oper war ein willkommenes Schmusestück für das Flügelhorn von Michael Morgott. Funktioniert Ragtime auch in der Zehner-Bläser-Formation? Und wie! Scott Joplin hätte seine Freude gehabt an der im »easy-right-tempo« gespielten Fassung seines »The Easy Winners«. Auch »Blue Brass« von Bernhard Etzel gefiel in seinem zwingenden Blues-Feeling. Souverän lieferte Josef Neuner auf seiner Trompete den »Mexican Hatdance« ab – kurz und gut! Mit ihm wetteiferte der Posaunist Bernhard Frey mit seiner Interpretation von »A Day in the Life of a Fool« mit überzeugenden Improvisationen. Auch mit J. S. Bach befasste sich Bernhard Etzel; seine »Brassy Bourrée« konnte Bachs Musik auch nicht »umbringen«.

Natürlich betätigte sich auch Bandleader Georg Holzner als Trompetensolist und flocht nach einer bluesigen Einleitung jazzige Improvisations-Elemente in des Spiritual »Battle of Jericho« ein.

Doch dann setzte das Wetter eine Kerbe, Regen setzte ein. Georg Holzner bat: »Wenn jeder von Ihnen ein Stück unserer Ausrüstung mitnimmt, sind wir schnell in der Klosterwirtschaft« – und so geschah es. Und gerade in der neuen Akustik im Saal war die Umsetzung von Astor Piazzollas »Libertango« auf Brass-Ensemble besonders schwierig. »Tumpet Blues & Cantabile« von Harry James betörte die Ohren mit vier Solo-Trompeten; und zum Schluss präsentierte sich »Mr. Jums«, auch eine Katze von Chris Hazell, mit sich höchst zufrieden, wohlgenährt sicher auch, und nicht aus der Ruhe zu bringen.

Zugaben blieben nicht aus. J. S. Bachs »Nun danket alle Gott« war in wahrem Wortsinn »erhebende Musik«, und der »Baumkirchner Jodler« lieferte dazu das lokale Pendant. Engelbert Kaiser