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Ein Buch über die 175-jährige Geschichte des Mozarteumorchesters Salzburg

Ein Jahr älter als die Wiener Philharmoniker

Ja, wenn man es so anginge wie die Staatskapelle Dresden, die ihre ellenlange Geschichte direkt auf Heinrich Schütz zurückführt! Da hätte das Salzburger Mozarteumorchester noch viel, viel bessere Karten.

Die Musiker des Mozarteumorchesters (von links) Daniela Beer, Claudia Kugi-Krabatsch, Margit Tomasi und Martin Hinterholzer umrahmten die Buchpräsentation musikalisch. (Foto: wildbild)

Denn seit den Zeiten Pilgrims II., genau seit 1393, gibt es eine Hofkapelle in Salzburg. »Es könnte das älteste Orchester der Welt sein …« heißt ein Zwischentitel in den ausführlichen historischen Betrachtungen von Gottfried Kasparek im neuen Buch über das Mozarteumorchester. Der Konjunktiv ist wohl am Platz. Denn, so Kasparek: »Zum Pech der Salzburger wurde die 1448 gegründete Königliche Kapelle Kopenhagen nie aufgelöst, da den Dänen die Monarchie nicht abhandenkam.« Das ist fürwahr Künstlerpech.

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Man ist also nur »eines der ältesten Orchester der Welt«. Aber wann schreibt man für unser Orchester nun wirklich den Auftakt fest? »Betrachtet man den Namen als wesentlich, so gibt es seit 1908 einen Klangkörper in Salzburg, der sich ‘Mozarteums-Orchester’, ‘Mozarteum Orchester’, oder, wie aktuell, ‘Mozarteumorchester’ nennt«, schreibt Kasparek. »Hält man es für wichtiger, dass ein symphonisches Orchester aus professionellen, angestellten Musikerinnen und Musikern besteht, so wäre das ominöse Jahr 1939 das eigentliche Gründungsjahr.« Die Bezeichnung »Gau-Sinfonieorchester« ist dem Ensemble damals erspart geblieben, wohl, weil der Bestseller Mozart im Namen wichtiger war als die Ideologie.

Wenn heuer das Mozarteumorchester sein 175-Jahre-Jubiläum feiert, steht aber ein ganz anderes Datum dahinter: 1941, Geburtsstunde eines Vereins mit dem gar absonderlichen Namen »Dommusikverein und Mozarteum«. »Vergleiche hinken häufig. So auch der mit den Wiener Philharmonikern, die ein Jahr jünger als das Mozarteumorchester sein sollen«, schreibt Kasparek. Was in Wien 1842 ins Leben gerufen wurde, war eine Konzertvereinigung, die aus hoch professionellen Mitgliedern des Hofopernorchesters bestand. In Salzburg wurde gar kein Orchester gegründet, sondern die bestehende Dommusik mit der neuen Musikschule Mozarteum und der sich abzeichnenden Mozart-Stiftung vereinigt...«

Diesen Unterschied beschreibt aus anderer Perspektive auch der Journalist Karl Harb, der das einleitende Feuilleton für das neue Buch geschrieben hat: Auch er schildert den durchaus spät einsetzenden Emanzipationsprozess eines bis in die 1970er Jahre hinein »dienenden« Orchesters (im Landestheater, bei der Kulturvereinigung). Erst unter Leopold Hager, mit den Produktionen von Mozarts »Jugendopern«, und noch später mit Opernverpflichtungen bei den Festspielen hat man sich in die erste Reihe gespielt: »Das Mozarteumorchester musste also quasi aus sich selbst heraus wachsen, um in einer herausfordernden Gegenwart selbstbewusst anzukommen und so zu bestehen, wie es seinem kontinuierlich erworbenen Rang angemessen ist«, so Karl Harb.

Das sympathisch bebilderte Jubiläumsbuch bietet mit dem Text »Momentaufnahmen eines Orchesters« von Dorothea Biehler Impressionen aus dem Alltag, die auch regelmäßigen Konzertbesuchern vielleicht nicht so gegenwärtig sind. Und Orchesterdirektor Thomas Wolfram, nicht nur für die möglichst reibungslosen inneren Abläufe, sondern auch für die finanzielle Steuerung zuständig, lädt ebenfalls zu einem Blick in das innere Leben des Orchesters ein.

Ein Orchester, das so alt ist, hat vor allem eine »Männergeschichte« vorzuweisen. Wann kam die erste Frau in die Reihen des Orchesters? Da das Mozarteumorchester ja (auch) Musikschulorchester war, gab es natürlich begabte Schülerinnen und dann auch Substitutinnen. Die erste wirklich ständig verpflichtete Frau war Christa Richter (1899 bis 1962), und sie war immerhin Konzertmeisterin (ab 1939). Und die erste Dirigentin? Das dürfte Hortense von Gelmini in einem Kulturvereinigungskonzert gewesen sein, am 14. Dezember 1974. Reinhard Kriechbaum

Das Mozarteumorchester Salzburg – Einer der ältesten Klangkörper der Welt. 128 Seiten. Verlag Müry Salzmann, Salzburg 2016.