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»Ein Kompliment an die Band«

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Die Formation »Wir4« besteht aus (von links) Gary Lux am Keyboard, Harry Stampfer am Schlagzeug, dem Gitarristen, Sänger und Songschreiber Ulli Bäer und Rainhard Fendrichs Bruder Harald am Bass. (Foto: Heel)

Als 2007 mit dem Tod von Georg Danzer das Austria 3-Projekt erlosch, traf dies von den unzähligen Fans und Freunden des Musikers einen besonders hart: den 1953 in Wien geborenen Gitarristen, Sänger und Songschreiber Ulli Bäer.


Er war mit Danzer nicht nur eng befreundet gewesen, sondern fungierte auch neun Jahre lang als »Kapellmeister« von Austria 3. Diese Verbundenheit kam auch bei seinem Auftritt im Saal des Traunreuter k1 zum Ausdruck, wo er als Frontmann der Formation »Wir4« das Liedgut des legendären Trios weiterführte – dabei aber auch neue Wege beschritt, schneller, härter und rockiger als das Original. Begleitet wurde er dabei von Rainhard Fendrichs Bruder Harald am Bass, Gary Lux am Keyboard und Harry Stampfer am Schlagzeug, die ebenfalls zum musikalischen Rückgrat von Austria 3 gehört hatten, vor dessen Sound Wolfgang Ambros, Georg Danzer und Rainhard Fendrich ihre Hits spielten.

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Hits wie »Ollas Leiwand«, mit dem die 2011 gegründete Formation ihr Konzert eröffnete, nachdem Wolfgang Ambros per Videobotschaft übermittelt hatte, dass »Wir4« aus starken Musikern bestehe und nur zu empfehlen sei. Die Auswahl der Songs ließ jedenfalls nichts zu wünschen übrig, auch wenn das Konzert, aus erwähnten Gründen, insgesamt etwas Danzer-lastig geriet und mit den Songs »Weiße Pferde« und »Lass mi amoi no d’Sunn aufgehn segn« nicht nur Danzer-Fans tief berührte. Ungemein komisch dagegen war der uralte Videoclip mit Danzer, wie er zu seiner »Moritat vom Frauenmörder Wurm« als selbiger nächtens herumschleicht. Und wer kennt nicht »Jö schau« (über einen Nackerten im Wiener Café Hawelka), mit dem er 1975 seinen künstlerischen Durchbruch hatte.

Ein Wiedersehen mit dem blutjungen Ambros gab es auch in dem Video zu »Da Hofa«, in dem sich der damals 20-jährige mit einigen Leuten auf die Suche nach dem Mörder vom »Hofa« macht. Beginn einer Karriere, die bis heute anhält, auf den Punkt gebracht mit dem Bob Dylan-Cover »Für immer jung«, das »Wir 4« ebenfalls zum Besten gab. Apropos Ambros: Der hatte, wie Ulli Bäer zwischendurch erzählte, die Angewohnheit, kurz vor jedem Auftritt die Band und Crew zu einem sogenannten »Traditionstrunk« einzuladen, einem doppelten Tequila. Mit dem Restalkohol vom Vorabend eine manchmal folgenschwere Sache, die am Erfolg von Austria 3 aber nicht gerüttelt hat. Was am 10. Dezember 1997 auf Betreiben von Rainhard Fendrich im Theater an der Wien als einmaliges Benefizkonzert für Obdachlose konzipiert war, wurde zum Selbstläufer und Dauerbrenner und half, drei Wohnheime für Obdachlose zu finanzieren.

Mit dem Ambros-Lied »Gezeichnet fürs Leben« neigte sich das Konzert, das mehr Zuschauer verdient hätte, dann dem Ende zu. Als Zugabe erklang mit »I am from Austria« noch Österreichs heimliche Nationalhymne, und als Fazit nehmen wir Rainhard Fendrichs Lob (wenn er gut aufgelegt war, so Ulli Bäer): »Ein Kompliment an die Band«. Wolfgang Schweiger