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Vorpremiere mit Regisseur Ben Verbong zu seiner Neuverfilmung der legendären Familienstory

Ein Leben für die Musik

Bad Reichenhall – Der Film »Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik« feierte am Mittwoch Vorpremiere im Park Kino in Bad Reichenhall. Es war nach München und Salzburg die Dritte. Die Neuverfilmung eines der größten Nachkriegserfolge läuft ab 12. November in den deutschen Kinos. Die Dreharbeiten fanden teilweise auch in Bad Reichenhall und Umgebung statt. Einzelne Szenen entstanden im Alten Königlichen Kurhaus, bei denen auch zahlreiche Reichenhaller als Statisten mitgewirkt haben.

Regisseur Ben Verbong, Yvonne Catterfeld und Eliza Bennett (v.l.) bei den Drehaufnahmen. (Foto: Andreas Kolarik)
Diese Filmszene wurde in Bad Reichenhall gedreht. (Foto: Concorde Filmverleih/Jan Betke)

Regisseur Ben Verbong erzählt die Geschichte der Familie auf der Basis der Memoiren der ältesten Trapp-Tochter Agathe, die sie mit 90 Jahren niederschrieb. Im Film befindet sich die alte Agathe in der Bahnhofshalle eines amerikanischen Dorfes. Dort erzählt sie von einer jungen Verwandten, die am Weihnachtsabend vor der Familie Reißaus genommen hat. Agathe schildert, dass sie als junges Mädchen die gleichen Probleme mit ihrer einstigen Patchwork-Familie hatte, wie jetzt die junge Nachfahrin.

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Warmherzig und liebevoll rollt Rosemary Harris als Agathe von Trapp die Stationen der Familiengeschichte auf. Eine Familie, die immer zusammenhält und die ihren Namen mit Stolz trägt. Der Regisseur zeigt die Lebensstationen aus der Perspektive der Frau und der Kinder: den Tod der Mutter, den Einzug von Stiefmutter Maria, die inspirierende Kraft des Singens, die politische Bedrohung des Anschlusses und schließlich die unumgängliche Flucht.

»Ich mag berührende Filme, ich mag Frauengeschichten erzählen«, sagte Ben Verbong in Bad Reichenhall. Und eine berührende Folge von prägnanten Bildern, zum Teil fast poetischer Stimmungen, ist ihm wahrhaft gelungen, anrührend, aber frei von Kitsch und falscher Sentimentalität. Das Wesen der Figuren herauszuschälen, ist ihm wichtig. So profiliert er jede Figur als ein authentisches Porträt mit einer Feinzeichnung an Einfühlungsvermögen.

»Was bedeutet es für Kinder, ihre Mutter zu verlieren, was bedeutet es für einen Mann, seinen Job zu verlieren, seine Frau, seinen Besitz, einfach alles?«, stellte sich Verbong als Grundsatzfragen zur Realisation der filmischen Aufbereitung. Die romantische Filmstory lässt den Zuschauer unmittelbar mitempfinden und teilhaben an der Gefühlswelt der Personen. Die musikalische Seite verzichtet auf Reminiszenzen an »Sound of Music« und Edelweiß, bringt stattdessen die Lieder ein, die von den Trapp-Kindern tatsächlich aufgeführt wurden. Es sei genau jene Melodie gewesen, die Agathe am Sterbelager der Mutter sang, die der Familie später die Türen in die USA geöffnet habe, berichtete Verbong.

Eliza Bennet ist hinreißend als junge Agathe, Yvonne Catterfeld entwickelt das Porträt der Maria in mehreren Etappen aus einer zunächst still beobachtenden Nebenfigur bis zur Mutter und energischen Drahtzieherin der Familie. Matthew Macfayden ist der stolze Offizier Georg von Trapp, der um seine Würde kämpft, aber schließlich doch den Herztönen folgt. Die Opernsängerin Annette Dasch verkörpert ihre einstige Vorgängerin, die große Lotte Lehmann, und die singenden Kinder stammen aus dem Ensemble der Salzburger Festspiele und dem Theater Kinderchor und zeigten sich bereits als darstellerisch erfahren, wie der Regisseur erfreut anmerkte. Salzburgs Jedermann Cornelius Obonya spielt den dem Hakenkreuz-Regime zugeneigten Chauffeur Konrad.

Gedreht wurde in englischer Sprache wegen der internationalen Besetzung. Der Film wird in Amerika, England und Kanada gezeigt. Skandinavien folgt und auf viele weitere Länder setzt man berechtigte Hoffnung. Der Weg ins Kino ist zu empfehlen und die Chance auf einen gut gemachten Film sollten sich Filmliebhaber nicht entgehen lassen. Elisabeth Aumiller