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Ein Lehrstück für Toleranz und Akzeptanz

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Gerhard Ficker als Mr. Green und Andreas Leitmeyr als Ross Gardiner begeisterten im Theaterstück »Besuch bei Mr. Green«. (Foto: Mix)

Das Traunreuter Theaterchen »O« steckt derzeit mit allen verfügbaren Personen in der heißen Vorbereitungsphase für die Steiner Spiele: Mit dem Stück »Saujagd« wird die Schauspieltruppe am Freitag, 20. Juni, auf dem Hochschloss der Steiner Burg Premiere feiern. Dennoch war daneben noch Zeit, in einer verkürzten Spielzeit das Stück »Besuch bei Mr. Green« von Jeff Baron im Studio-Theater des k 1 auf die Bühne zu bringen.


»Besuch bei Mr. Green« war bereits 2009 mit denselben Darstellern gespielt worden, damals noch im alten Domizil des Theaterchens »O« in der Wichernstraße. Aufgrund des großen Erfolges vor fünf Jahren wurde es heuer erneut inszeniert. Es handelt sich dabei um ein Zwei-Personen-Stück mit Gerhard Ficker als Mr. Green und Andreas Leitmeyr als Ross Gardiner. Die beiden stellen Männer dar, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten, sich im Laufe der Geschichte aber immer näher kommen.

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Der junge, erfolgreiche Ross Gardiner hat einen Verkehrsunfall verschuldet, bei dem Mr. Green leicht verletzt wurde, und ist nun laut richterlichem Beschluss dazu verpflichtet, einmal in der Woche den alten Herren zu besuchen und ihm beizustehen. Der Jüngere gibt sich auch wirklich alle erdenkliche Mühe, doch Mr. Green ist zunächst nur abweisend und will »diesen Mörder« auf keinen Fall in seiner Wohnung haben, in der er nach dem Tod seiner Frau allein im Chaos haust. Das koschere Essen, das Ross dem alten Juden jeden Donnerstag mitbringt, nimmt er jedoch an, denn: »Soll man etwa gutes Essen vergeuden?« Und als er auch noch erfährt, dass Ross Jude ist wie er, wird er offener und genießt es, dem jungen Mann einmal in der Woche von seiner geliebten, verstorbenen Frau Jetta erzählen zu können.

Der Besucher hilft ihm als guter Zuhörer nicht nur dabei, seine Trauer zu verarbeiten. Er macht auch bei ihm sauber und sorgt dafür, dass er zumindest an den Besuchstagen eine warme Mahlzeit bekommt. Nach und nach wird deutlich, dass jeder von ihnen im Grunde genommen sehr einsam ist und seine wahren Gefühle im Innersten einschließt. Einen gewaltigen Bruch in der gerade aufkeimenden Freundschaft zwischen den beiden gibt es, als Ross Mr. Green gesteht, dass er schwul ist. Alle erdenklichen Vorurteile gegen Homosexuelle werden aufgezählt, doch Ross lässt nicht locker und zwingt den Alten, ihm zuzuhören. Bis schließlich auch das gut gehütete Geheimnis von Mr. Green ans Licht kommt – und Ross dem Alten hilft, aus seiner aus purer Sturheit selbst verursachten Einsamkeit herauszukommen.

Die beiden Darsteller schaffen es hervorragend, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Sie spielen die unterschiedlichen Charaktere in allen Facetten überaus authentisch und glaubwürdig und nehmen den Zuschauer mit in die von ihnen durchlebten Höhen und Tiefen. Auch wenn nur zwei Personen auf der Bühne stehen, ist das Stück stets unterhaltsam und spannend – mit intelligenten Dialogen über so weitreichende Themen wie die Judenverfolgung, Diskriminierung durch Vorurteile, Homosexualität und Konflikte zwischen den Generationen. »Besuch bei Mr. Green« wurde 1996 in Massachusetts uraufgeführt und erhielt 2001 als »Lehrstück für Toleranz und Akzeptanz in Bezug auf Minderheiten« den Kultur-Preis Europa.

Eindrucksvoll und einfühlsam untermalt wurden die einzelnen Szenen von Mona-Lisa Pertl, die im Hintergrund mit ihrer Klarinette jüdische Musik spielte. Regie bei dem Stück hatte, wie schon 2009, Marc Bouvet, der die Inszenierung mit vielfältigen Gestaltungsideen abrundete. Die Besucher bedachten die Darsteller mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus. mix