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Ein leidenschaftlicher Kunstsammler

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Gunter Sachs (1935-2011) – Siebdruck von Andy Warhol 1972. (Foto: Hans Gärtner)

Als Andy Warhol in Deutschland keiner beachtete, griff der Franke Gunter Sachs schon auf ihn zu. Das war Anfang der 1970er Jahre. Der exzentrische Warhol porträtierte seinen »geldigen« deutschen Fan genug und gerne – wie er auch dessen spätere Ehefrau Brigitte Bardot auf seine spezifische Art zu Papier brachte. Oder sich selbst, weiß auf schwarz, mit wehendem Haar. Dies Warhol-Selbst- sowie mehrere Sachs- und Bardot-Porträts haben die Kuratoren Roland Wenninger und Michael Buhrs geschickt und spannend in ihr faszinierendes Konzept der Schau »Die Sammlung Gunter Sachs. Von Max Ernst zu Andy Warhol« eingebaut. Auf Schritt und Tritt kann man ihnen begegnen, die vor vierzig, fünfzig Jahren gewiss nicht nur auf den Kunst-, sondern vor allem auf den Klatsch-Seiten der Gazetten im In- und Ausland von sich reden machten.


Gerade einmal ein gutes Jahr ist es her, dass man sich über den Freitod im Mai 2011 des schwerreichen Industriellen-Erben aus Schweinfurt mit dem unwiderstehlichen Hang zu allen Formen gerade auslaufender oder sich eben entwickelnder zeitgenössischer Kunst nur wundern konnte. Man geht, gespannt und (hoffentlich) geduldig, immer wieder erstaunt und erfrischt, durch die herrliche Weite des Museums Villa Stuck, um dem von der Alzheimer-Krankheit gezeichneten einstigen Lebemann, aber auch dem teils anerkannten, teils um Anerkennung ringenden Fotokünstler, Galeristen, Filmer und Kunstsammler Gunter Sachs zu begegnen – in einem bewegend aussagekräftigen Bild, kleinformatig, aber vieles Großformatige und Prätentiöse, Schreiende und Ambitionierte (von Max Ernst bis Spoerri und Fautrier, von Yves Klein über Dali bis Arman) in den Schatten stellend.

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Warhols rosa-ockerfarbener Siebdruck (s. Foto) empfängt den Besucher. Er muss sich, hat er die wunderlichen Spielarten des Pop, berühmte Stücke des Surrealismus, des »Informel« oder des »Nouveau Réalism«, dazu so manche extreme Objektspielerei erregt und begeistert aufgenommen, noch Zeit für zwei Specials nehmen, die ihn am Ende der Ausstellung in Bann schlagen: Gotthard Graubners rekonstruierter »Nebelraum« und die Dokumentation des »Modern Art Museum München e. V.« (MAM), in dessen Präsidentschaft sich 1967 bis 1972 Gunter Sachs mit Konstantin von Bayern teilte. In den Räumen der Villa Stuck, die heute das zeigen darf, was nach der Versteigerung der immensen G.-S.-Sammlung bei Sotheby's in diesem Frühjahr die Familie (Sohn Rolf war zur Eröffnung nach München gekommen) noch in ihrem Besitz hat, fand bereits vor 45 Jahren eine denkwürdige Gunter-Sachs-Ausstellung statt. Der heutigen ist eine weitaus höhere Akzeptanz als damals – nicht nur sicher, sondern auch zu wünschen. (Bis 20. Januar). Hans Gärtner