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Extrem zähe Verhandlungen für pragmatisches Ergebnis in der jüngsten Kreistagssitzung

Ein mächtig umstrittener Markenprozess

Berchtesgadener Land – Der Weg zum »mächtigsten Bergerlebnis« und zur »belebendsten Alpenstadt« scheint mächtig steinig zu sein. Im Kreistag berichtete Landrat Georg Grabner am Freitag darüber, dass es mittlerweile einen Entwurf für einen neuen Gesellschaftervertrag gäbe. Dass die Wirtschaft nur über einen Kooperationsvertrag an die »BGLT-Neu« angeschlossen werde, bezeichnet Grabner als »einzig durchsetzbare Lösung«. Aus Verhandlerkreisen ist zu hören, dass die Gespräche in den vergangenen zwölf Monaten extrem zäh gewesen seien und dass auch nicht alle Partner von Anfang an den Markenprozess ernst genommen hätten.

»Die Verhandlungen in den vergangenen zwölf Monaten waren extrem zäh«, findet Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp. (Foto: Archiv/Hudelist)

Es sollte nur eine Information der Kreisräte über den laufenden Markenbildungsprozess sein, also die touristische Neuausrichtung des Landkreises in zwei Bereiche. Die BGLT als zentraler Vermarkter für den Landkreis, der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und das Bayerische Staatsbad Bad Reichenhall sowie der Verein Erlebnisregion Berchtesgadener Land und die Wirtschaftsförderung (WFG) verhandeln seit gut einem Jahr über neue Verträge und neue Aufgaben. Um all diese Partner in die neue Struktur überführen zu können, braucht es neue Gesellschafterverträge, ein Entwurf dazu sei nun fertig, berichtete Grabner, »die Abstimmungsgespräche laufen«.

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»Wir hatten im Grund drei Möglichkeiten«, so der Landrat. Man hätte alles in eine große Gesellschaft packen können oder alles wäre in drei, vier Teile zerfallen. »Das wäre der allerschlechteste Fall gewesen.« Man habe sich daher für die »politisch durchsetzbare Version«, die dritte Möglichkeit, entschieden. »Das heißt, die touristischen Bereiche bleiben zusammen und die Wirtschaft wird über die WFG angeschlossen.« Ende dieses Jahres soll dann der Kreistag den Kooperationsvertrag zwischen der BGLT und der WFG beschließen.

Grünen-Kreisrat Bartl Wimmer fühlt sich bei den Verhandlungen über die neuen Marken an den mühsamen Gründungsprozess der Grünen erinnert. »Daher habe ich eine große Frustrationstoleranz.« Theoretisch wären andere Lösungen besser, aber es sei zumindest ein Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand. »Einzelne haben es anfangs nicht so ganz ernst genommen, darum mussten dann noch mal einige Pirouetten gedreht werden«, so Wimmer.

Hans Metzenleitner von der SPD zeigte sich »not amused« über den Ausgang, »das ursprüngliche Ziel ist nicht erreicht, in der Schulsprache würde ich sagen, die Versetzung ist gefährdet«. Aber der Landrat habe recht, politisch sei nicht mehr durchsetzbar gewesen, »ich würde es als bescheidenen Pragmatismus bezeichnen«.

Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (CSU) sagte: »Es geht beim Markenprozess einfach nicht darum, was wir gerne hätten, sondern wie uns unsere Gäste im Auge haben, also was am touristischen Markt durchsetzbar ist.« Die letzten zwölf Monate seien »extrem zäh« gewesen, aber jetzt sei ein »Zug drinnen«, man treffe sich alle 14 Tage inklusive der WFG. »Wir fallen nicht auseinander, denn die BGLT wird ja deutlich gestärkt durch ein zentrales Management«, so Rasp. So würde zum Beispiel derzeit aus zehn verschiedenen Online-Präsenzen eine einzige. Michael Hudelist