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Ein Märchenballett im wahrsten Sinne des Wortes

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Schlicht und durch Lichteffekte bestimmt war das Bühnenbild bei der »Cinderella«-Aufführung in Traunreut. (Foto: Heel)

Aschenbrödel, Aschenputtel, Cinderella, all diese Namen stehen für ein und denselben Märchenstoff, der in Deutschland vor allem durch die Gebrüder Grimm bekannt wurde.


Als ein abendfüllendes Ballett wurde das Märchen erstmals im November 1945 am Bolschoi-Theater in Moskau aufgeführt, basierend auf einem Libretto des Ethnografen Nikolai Wolkow und mit Musik von Sergej Prokofjew. Seitdem hat es Generationen von Ballett-Fans begeistert, wie auch jetzt das Publikum im ausverkauften Saal des Traunreuter k1, wo das Russische Nationalballett mit »Cinderella« gastierte.

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Eine Aufführung, die zwar dem Geist des Märchens absolut gerecht wurde und zudem viel Sinn für Witz und Ironie bewies, aber auch sehr geradlinig geriet, eher knapp und ohne schmückende Motive. Schlicht und hauptsächlich durch Lichteffekte bestimmt war auch das Bühnenbild, das sich auf zwei Hauptschauplätze beschränkte: Cinderellas Kammer und den Ballsaal des Prinzenpalasts. Ein Blickfang waren hingegen die wunderschönen Kostüme und die ausgereifte Choreographie von Danil Salimbaev, deren Höhepunkt natürlich der Ball war, auf dem sich Cinderella und der Prinz zum ersten Mal begegnen – und sich im Handumdrehen ineinander verlieben.

Für Spannung (und Komik) sorgten dabei zu Beginn Cinderellas garstige Stiefschwestern, die sich ständig zanken und Cinderella piesacken, mit wunderbarer Leichtigkeit aus klassischem Tanz und Slapstick interpretiert. Ähnlich kurzweilig und präzise inszeniert lief es weiter, als die Familie zum Ball des Prinzen eingeladen wird und die Schwestern ungeschickt versuchen, den französischen Gavotte-Tanz zu lernen, während Cinderella abseits steht. Doch kaum ist sie allein (und träumt vom Ball), da erscheint eine gute Fee und erbietet sich, Cinderellas Traum zu erfüllen und sie dementsprechend auszustatten. Ein Zauber, der allerdings nur bis Mitternacht wirkt, dann muss Cinderella wieder zuhause sein. Auf dem Ball angekommen, zieht sie alle Blicke auf sich und der Prinz interessiert sich nur noch für sie. Sie tanzen den ganzen Abend, bis es Mitternacht schlägt und dem Prinzen nur ein Schuh bleibt, den seine Tanzpartnerin auf der Treppe verloren hat. Verzweifelt versucht er, seine Angebetete wiederzufinden, aber welches Mädchen den Schuh auch anprobiert, er passt nicht. Dabei kommt er auch zum Haus von Cinderellas Vater, wo die Stiefschwestern und sogar die Stiefmutter versuchen, in den Schuh zu schlüpfen. Vergebens natürlich, und der Prinz will schon aufbrechen, da fällt aus Cinderellas Schürze ein Schuh. Und wenn sie nicht gestorben sind …

Auch wenn die Bühne des k1 manchmal etwas klein schien für die schnellen Tanzabfolgen und die »Charaktertänze« und die Musik nur vom Band kam, tat dies dem Erfolg der Aufführung keinen Abbruch. Grandios choreografiert und in perfekter Harmonie mit der Musik agierten die Tänzer/innen mit Eleganz und Esprit und bewältigten souverän sämtliche Schritte, Pirouetten, Sprünge und Pas de deux, allen voran so graziös wie kraftvoll Anna Seregina als Cinderella. Aber auch Alexey Riumin als Prinz bewältigte seinen Part in einer glänzenden Mischung aus Dynamik und Verträumtheit, und so war es ein reines Vergnügen, dieser so spannenden wie ergreifenden Liebesgeschichte zu folgen, die einen froh gestimmt nach Hause gehen ließ. Wolfgang Schweiger