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Monsignore Franz Niegel feiert Diamantenes Priesterjubiläum

Ein Mann des Glaubens und der Volksmusik

Marquartstein/Berchtesgaden – Der langjährige Unterwössener »Volksmusikpfarrer«, Monsignore Franz Niegel, konnte am Sonntag im Wohnstift Marquartstein sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern: Am 29. Juni 1954 war Niegel im Freisinger Dom zum Priester geweiht worden, heute vor 60 Jahren feierte er in der Berchtesgadener Stiftskirche seine Primiz. Die Primizpredigt hielt sein damaliger Professor für Dogmatik. Es war kein Geringerer als Dozent Dr. Joseph Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI., mit dem ihn bis heute eine Freundschaft verbindet. Kardinal Ratzinger verbrachte regelmäßig seinen Urlaub bei seinem Studienfreund in Unterwössen.

Freunde und Wegbegleiter waren jetzt zum 60. Priesterjubiläum von Pfarrer Monsignore Franz Niegel (l.) ins Wohnstift Marquartstein gekommen. Gemeinsam mit vielen Freunden feierten sie einen schönen, musikalischen Gottesdienst. Hauspfarrer und Freund Hans Krämmer (r.) fand in seiner Predigt ganz persönliche Worte für den Jubilar. Foto: Flug
Im Jahre 1954 hielt der ehemalige Papst Benedikt XVI. in Berchtesgaden die Primizpredigt für seinen Freund und Studienkollegen Franz Niegel. Gemeinsam mit Pfarrer Otto Schüller (v.l.) begaben sich die jungen Priester damals im Kirchenzug vom Pfarrhaus in die Stiftskirche. Foto: privat

Franz Niegel wurde am 29. März 1926 in Berchtesgaden geboren, sein Vater Heinrich Niegel war Uhrmachermeister und Antiquitätenhändler im Nonntal, seine Mutter Elisabeth war eine Tochter des Bäckermeisters Franz Xaver Ertl. Geprägt wurde der kleine Franz als Ministrant vom damaligen Kaplan Otto Schüller, der ihm zum Vorbild wurde, auch was das Bergsteigen und Skifahren betraf. Seine Berufung war für ihn eine Erleuchtung: »Auf dem Weg zum Göll hat mich der liebe Gott erwischt. Es ist mir siedend heiß bewusst geworden, dass er mich zum Priester haben wollte.«

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Franz Niegel hatte von Jugend an ein Herz für die Volksmusik. Man sagt ihm nach, er habe die Volksmusik für den liturgischen Gebrauch entdeckt. Im Berchtesgadener Heimatkalender 1998 beschreibt er, »wie ich den Kiem Pauli kennengelernt habe«. Es war im Februar 1944 im Münchner Künstlerhaus und es wurde eine lebenslange Freundschaft daraus. Natürlich kam der Kiem Pauli auch zur Primiz nach Berchtesgaden und hielt beim Mittagsmahl im Hotel »Post« die Tischrede. Auch Annette Thoma, Tobi Reiser senior, Wastl Fanderl und viele einheimische Sänger und Musikanten waren bei der Primizfeier dabei.

Nach Kaplanstellen in Reit im Winkl, Waldram, Traunstein, Wasserburg und Oberwössen wurde der Jubilar 1963 Pfarrer in Unterwössen, wo er 34 Jahre bis zu seinem Ruhestand wirkte und dafür sorgte, dass Pfarrkirche und Pfarrheim zu einem Zentrum für alpenländische Volksmusik wurden. 1979 wurde er von der Gemeinde Unterwössen zum Ehrenbürger ernannt. »Unterwössen ist meine zweite Heimat geworden«, sagte der Jubilar einmal, »und Berchtesgaden ist meine Heimat geblieben.«

1980 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1982 wurde er von Kardinal Ratzinger zum Geistlichen Rat ernannt, 1992 zum Monsignore. 1997 zog er zunächst nach Berchtesgaden zurück und lebte in seinem Haus in Maria Gern. Nach dem Tod seiner Haushälterin Anny zog Niegel zunächst für zwei Jahre ins Bürgerheim Berchtesgaden, um dann wieder in das Gebiet zu wechseln, in dem er als Seelsorger tätig war. In einem Seniorenstift in Marquartstein, unweit von Unterwössen, verbringt der 88-Jährige seinen Lebensabend. Vor drei Jahren wurde Monsignore Niegel für seine Verdienste um die bayerische Volksmusik mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt.

Den Jubiläumsgottesdienst feierte der Volksmusikpfarrer im festlich geschmückten Café des Seniorenstifts mit zahlreichen Freunden und Weggefährten. Auch aus Berchtesgaden waren etliche Jugendfreunde gekommen. Natürlich durften die Musikanten nicht fehlen: Die Walchschmied Sänger, der Unterreitfelder Dreigesang und das Vokalquartett St. Martin wechselten sich in den Gesangsstücken ab. Neben dem Jubilar, der im Rollstuhl saß, standen am Altar Hauspfarrer Hans Krämmer und Niegels Kurskollege im Priesterseminar, Pfarrer Hans Durner. In seiner Predigt betonte Krämmer, dass Niegel immer auf die Menschen zugegangen sei und dadurch schnell Zuneigung erfahren habe. Mit dem Andachtsjodler klang der musikalische Dankgottesdienst aus. Andreas Pfnür