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Ein musikalisches Geburtstagsgeschenk

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Bei herrlicher Akustik musizierte »Pro Musica Salzburg« unter seinem Leiter Wilfried Tachezi in der Kirche St. Georg in Ruhpolding (Foto: Janoschka)

Ein großartiges Konzert mit dem Orchester »Pro Musica Salzburg« unter der Leitung von Wilfried Tachezi bekamen die zahlreichen Zuhörer in der Sankt-Georgs-Kirche in Ruhpolding als dritte Konzertveranstaltung in der Reihe »Ruhpoldinger Opern- und Konzerttage« der Kulturinitiative Ruhpolding e.V. zu hören.


Dieser weitere Höhepunkt im kulturellen Geschehen im Chiemgau beruhte nicht nur auf der Auswahl der Programmpunkte – Symphonie in d-Moll von César Franck (1822-1890), Symphonie Nr. 36 in C-Dur, KV 425, die »Linzer-Symphonie«, von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und »Romeo und Julia« von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) –, sondern auch auf der Tatsache, dass Orchestermitglieder und Dirigent mit dieser herrlichen Musik dessen 80. Geburtstag feierlich begingen.

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Außerdem hatte der musikalische Leiter der Konzertreihe, Simon Nagl, der auch als Cellist im Orchester spielte, gemeinsam mit seinem Bruder Felix eine soziale Aufgabe übernommen und die Asylbewerber aus der Unterkunft in Seehaus bei freiem Eintritt eingeladen, dem Konzert beizuwohnen. Etwa 25 von ihnen äußerten sich danach auf Fragen der Heimatzeitung glücklich und zufrieden mit »I liked the concert, German people are good«, bevor sie sichtlich beschwingt den langen Fußweg zurück nach Seehaus antraten. »Das ist unser Beitrag zur Integration der Flüchtlinge,« sagte Georg Nagl, Vorstand der Kulturinitiative Ruhpolding, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Vor den Treppen des Altarraums in der barocken St.-Georgs-Kirche befanden sich die Streicher, während Bläser und Schlagwerk etwas erhöht in der Apsis platziert waren, was sich klanglich in der ohnehin hervorragenden Akustik sehr gut auswirkte. Mit »lange, aber nicht langweilig« wurde die Symphonie in d-Moll von César Franck mit ihren 40 Minuten Spielzeit angekündigt. Gewaltig, voller unterschiedlicher Klangfarben, elegisch im Lento, rhythmisch prägnant im Allegro, voller wunderbarer Melodien, die Franck variationsreich durch die Instrumentengruppen wandern lässt – mit dem ersten Takt nahmen die Musiker klangvoll den sakralen Raum in Besitz.

Die Harmonien der Symphonie überraschen heutige Musikliebhaber schon lange nicht mehr. Bei der Uraufführung 1889 jedoch waren die Zuhörer noch nicht an Modulationen in andere als die jeweiligen Grundtonarten gewöhnt. Sie erwarteten Bekanntes, und Charles Gounod bescheinigte dem Komponistenkollegen, er habe in seiner Symphonie »das Bekenntnis zur Impotenz bis zum Dogma getrieben.« Doch ist es genau das Neue und Unerwartete in jedem einzelnen Werk – ob Musik oder Literatur –, das den Komponisten oder den Schriftsteller im universellen Gedächtnis weiterleben lässt. Heute hat sich die Symphonie daher schon längst triumphal in den internationalen Konzertsälen etabliert. Das transparente Pizzicato im 2. Satz, die herrlichen Melodien, der schwungvoll mitreißende 3. Satz sorgten für ein besonderes musikalisches Erlebnis, das die Gespräche in der Pause füllte.

Heiter ging es weiter mit der Linzer Symphonie, die Mozart 1783 »über Hals und Kopf«, wie er selbst an seinen Vater schrieb, nämlich in fünf Tagen, komponiert hatte. Keine Frage: Das Orchester »Pro Musica Salzburg«, das 1988 mit den besten Absolventen der Hochschule »Mozarteum« von Wilfried Tachezi gegründet worden war, musizierte dieses Werk mit hoher Klangkultur und Homogenität und beherrschte Mozarts »Sound« perfekt.

Der erste Satz begann mit einer langsamen Adagio-Einleitung – damals ein Novum, da alle vorhergehenden Mozart-Symphonien mit schnellen Satzbezeichnungen überschrieben waren –, bevor die Musiker im »Allegro spirituoso« ihr spritziges Temperament in die melodischen Linien der Phrasierungen legten. Gesanglich und lieblich erklang das Andante, tänzerisch das Menuetto und der vierte Prestosatz strotzte vor virtuoser Leichtigkeit.

Danach beeindruckte die imaginäre Reise in die Romantik mit »Romeo und Julia«, Phantasie-Ouvertüre nach dem gleichnamigen Theaterstück von William Shakespeare. Zu Beginn langsam und feierlich auf der Tonleiterskala aufwärts schreitend, später lyrisch und dann wieder dramatisch, spannungsvoll durch das Tremolo der Pauke, pompös oder einen Choral anstimmend: Das musikalische Material, mit dem nach dessen eigenen Gesetzen das seelische Drama der Titelfiguren auf der musikalischen Ebene dargestellt ist, spiegelte eindrucksvoll die inhaltlichen Motive und kreierte in der Vorstellung der Zuhörer die dazugehörigen Bilder.

Der »Ungarische Tanz Nr. 5« von Johannes Brahms krönte als Zugabe schwungvoll und mit spannenden, lang ausgehaltenen Pausen den vollkommenen Genuss des Abends.

Die nächsten Termine der 11. Ruhpoldinger Opern- und Konzerttage sind am 25. September um 10 Uhr im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ), Speck 4 in Ruhpolding und am 26. September, 15 Uhr, im Kulturhaus Nagl in der Hauptstraße 26 a mit dem Konzert für Kinder mit dem Titel »Peer Gynt«von Edvard Grieg. Brigitte Janoschka