weather-image

Ein neuer Sound auf der Musikbühne

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Gilbert Bishop (Mitte) überzeugte mit seiner großartigen Stimme, unterstützt wurde er beim Konzert in Staudach von hervorragenden Musikern. (Foto: Kewitsch)

Wer ein Abo auf das reichhaltige Angebot der Staudacher Musikbühne hat, kann getrost als Rock 'n' Roll- oder Boogie Woogie-Hardcore-Fan bezeichnet werden. Auch Zydeco und Varianten des Swing und Blues werden dort nur allzu gern gehört und in schöner Regelmäßigkeit einem äußerst treuen Publikum präsentiert. Sobald irgendwie ein Klavier spielt und ansatzweise der Boogie groovt, ist der Saal ausverkauft.


Treue Fans lassen sich auch dann nicht abschrecken, wenn der Programmpunkt erstmalig »Soul« heißt. Klingt jünger, ist jünger: Der Soul zieht seine Kreise bis in die guten 80er-Disco-Zeiten und war ein Fettverbrennungs-Jungbrunnen. So war die Musikbühne im Gasthof Mühlwinkl – trotz des »abtrünnigen« Musikmottos – einmal mehr ausverkauft, die knappe Tanzfläche sollte später platzen.

Anzeige

»Soulissimo« heißt die (noch recht junge) Band aus München. Der Name ist Programm, denn die Herren haben sich dem Soul mit Leib und Seele verschrieben. Und weil der Soul an sich schwarz ist, haben sie auch einen Frontman mit der dazu passenden Hautfarbe und entsprechend schwarzen Brillengläsern. Gilbert Bishop, der charismatische Mann am Mikrofon, ist stimmgewaltig und (sehr) präsent. Er gönnt sich den Luxus, ein wenig später auf der Bühne zu erscheinen und während der Show einmal abzutauchen. Bishops Stimme ist großartig und der Mann hat Erfahrung. Seit den 60er Jahren steht er auf den Brettern, die die Welt bedeuten, trat schon im Hamburger Star Club auf und war bei Ralf Siegel unter Vertrag.

Zweiter Mann ist Robert Mares (Gesang, Piano) – er moderiert und unterhält und sorgt für den Spaßfaktor. Michael Etzel (gewaltig an der Trompete), Jakob Doumbia (effektiv am Sax), Tobi Schmidt (sehr groovig an der Gitarre), Hermann Odoj (beeindruckend am Bass) sowie Rudi Queisser am Schlagzeug runden die Formation ab, die wie aus einem Guß spielt. Die Setlist ist beeindruckend. Von Ray Charles über Lionel Ritchie bis hin zu Ike & Tina Turner oder auch den berühmten Earth Wind & Fire (die waren jedoch stimmlich eine sehr hohe Latte!) sowie Stevie Wonder ist alles vertreten was zwischen 1960 und 1990 Rang und Namen hatte. James Brown oder Otis Redding werden ebenso perfekt gecovert wie Wilson Pickett.

Episch erklingt »It´s a mans world«, aber auch das stampfende »A real mother for ya« von Johnny Guitar Watson ist richtig gut. »Richtig gut« ist auch mein persönliches Fazit zu diesem Abend. Die Band harmoniert, dieser Sound schmeichelt meinem Ohr mehr als der angestaubte Boogie Woogie, und auch wenn Gilbert Bishop der Band und der Show seinen ganz persönlichen Stempel kompromisslos aufdrückt: Es soult, es groovt, die Hütte tanzt und bebt.

Selten zuvor ist die Stimmung im Mühlwinkl gegen Ende der Show so sehr am Siedepunkt. Tänzer und Tänzerinnen, auch jenseits des Renteneintrittsalters, haben ihre helle Freude und augenscheinlich keinerlei Probleme mit der »völlig neuen« Musikrichtung, die sich »Soulissimo« nennt. Udo Kewitsch

Italian Trulli