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Ein Orchester feiert sich selbst

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Das Chiemgau Jugendsymphonieorchester der Musikschulen im Landkreis Traunstein feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fanden vier Konzerte in Ruhpolding, Salzburg, Traunreut und Traunstein statt. Unser Bericht bezieht sich auf die Aufführung im Traunreuter k1.


Die »Vier Jahreszeiten« von Antonio Vivaldi waren ein würdiger Auftakt zum Festkonzert des Chiemgau Jugendsymphonieorchesters. Mit Frank Stadler, dem Konzertmeister des Mozarteumorchesters Salzburg, hatte man einen Solisten engagiert, der nicht nur den hochvirtuosen Solopart mit seinen Doppelgriffen, brillanten Passagen, aber auch weiten Kantilenen souverän interpretierte, sondern in barocker Manier die Streicher des Klangkörpers leitete. Besonders auffallend, wie die Continuo-Gruppe höchst aufmerksam und flexibel den Intentionen des Solisten folgte.

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So konnte dieses wohl populärste Solokonzert des Barock in seiner ganzen Pracht erstrahlen. Eine winzige Einschränkung ist aber doch notwendig. Nach all den zum Teil stürmischen, aber auch ängstlichen, dann wieder heiteren Episoden gibt es im »Winter« dieses Zyklus einen langsamen Largo-Satz, der ein gemütliches Verweilen am flammendem Kamin schildert. Der Solist »singt« dabei, vom Pizzicato der Streicher begleitet, eine von blühender Melodik getragene Kantilene. Hier wäre, der Stimmung entsprechend, ein ruhigeres Tempo angemessener gewesen. Mit lautstarkem und lang anhaltendem Beifall bedankte sich das Publikum für diese Leistung von Solist und Orchester.

Mit ganz anderen Klängen wurden die Zuhörer dann im zweiten Teil des Programms überrascht. Das um Holz- und Blechbläser, Pauken und Harfe erweiterte Orchester und dazu noch ein gemischter Chor gaben schon rein optisch ein großartiges Bild ab. Mit einer ihr Handwerk perfekt beherrschenden Dirigentin, Ya-Wen Köhler-Yang, konnte das Ensemble zur Höchstform auflaufen. Sie ist daneben eine äußerst sympathische Person. Orchester und Leiterin mögen einander offensichtlich. Bei der Wiedergabe von Charles Ives' »The unanswered question« überraschte die getrennte, aber deshalb umso wirkungsvollere Aufstellung der einzelnen Klangkörper. Den tonalen Teil des Werkes übernahm das Orchester auf der Bühne, die seitlich platzierten Holzbläser, unter der Leitung von Johanna Büchinger-Hartmann, und auf der Empore, die Solotrompete, übernahmen den atonalen Teil. Eine sehr reife Leistung.

Bei dem in Ausschnitten zu Gehör gebrachten »Magnificat« von John Rutter trat dann noch die menschliche Stimme hinzu. Die vereinigten Chöre Giovedi Vocale Traunstein und der Vokalexpress Teisendorf (Einstudierung Stephan Hadulla) verhalfen dem Ganzen noch zu einem weiteren strahlenden Höhepunkt.

An dieser Stelle ist es angebracht, noch über die Hauptakteure dieses Abends, die jugendlichen Mitglieder des Orchesters, zu sprechen. Wer gesehen hat, mit welchem Ernst und Eifer die jungen Musiker und Musikerinnen bei der Sache waren, erkannte, welche wertvolle Arbeit, neben der Dirigentin, von den Dozenten und nicht zuletzt vom Landkreis geleistet wird. Musizieren ist ja nicht nur reines Vergnügen, sondern es kostet viel Engagement, bis sich die jungen Leute der Öffentlichkeit vorstellen können.

Für den begeisterten Schlussbeifall des Publikums bedankten sich die vereinigten Chöre und das Orchester mit einer Wiederholung des »Schluss-Amen« aus John Rutters »Magnificat«. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte sich das Orchester nicht machen können. Hans Schelling