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Ein Salzachstein zum Abschied

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Annemarie Hofstetter-Hack mit den Studierenden 2019-2021. (Foto: Monika Konnert)

Berchtesgadener Land – Einen geschliffenen und polierten Stein aus der Salzach hat die langjährige Leiterin der Hauswirtschaftsschule Laufen, Annemarie Hofstetter-Hack, jedem der aktuell 33 Studierenden zum Abschied geschenkt. Die Hauswirtschaftsdirektorin geht nach 42 Dienstjahren zum 1. Juli in den Ruhestand. 31 Jahre davon war ihre berufliche Tätigkeit mit Laufen verbunden, davon 16 Jahre als Leiterin der Landwirtschaftsschule Laufen. Die Steine für das Geschenk hat sie selbst an der Salzach gesammelt. Sie habe während des Sammelns mit Regencape und Gummistiefel bei »Nordseefeeling« an ihre Schülerinnen gedacht, erzählte sie bei einer kleinen Abschiedsfeier mit den Studierenden und dem Lehrpersonal im Garten der Schule.


Beim Steinesammeln habe ihr der Experte Johann Perschl aus Laufen geholfen, die richtigen Exemplare zu finden. Die Steine habe Perschl dann geschliffen und mit Leinöl poliert, bis sie spiegelglatt waren und rötlich, weiß oder grün schimmernd, gemustert oder einfarbig erscheinen. »Die Steine sind so verschieden, wie auch Sie sind«, wandte sich die passionierte Pädagogin an ihre letzten Schülerinnen, die sie, wie all die Jahrgänge zuvor, jede mit Namen kennt, »sie sind größer und kleiner, eckiger und runder, jeder einzigartig«. Den 33 Studierenden, die alle einheitlich gekleidet, in den von ihnen selbst kreierten schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck »Hauswirtschaftsschule Laufen 2019-2021« gekommen waren, fiel der Abschied sichtlich schwer. Die Semestersprecherinnen Magdalena Göbl und Chris Wiezorrek übergaben ihrer Schulleiterin und Lehrerin im Namen des ganzen Jahrgangs ein Fotoalbum und einen großen Blumenstrauß. »Die Zeit mit Ihnen war immer lustig und lehrreich und leider für uns viel zu kurz«, so Göbl und fügte hinzu: »Wir hoffen, dass sie trotzdem noch mit uns auf die Alm gehen, denn darauf freuen wir uns schon lange.«

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Zwischenstationen

Die geborene Trostbergerin und studierte Diplomökotrophologin, Annemarie Hofstetter-Hack, hat ihre dienstliche Laufbahn 1979 als Lehrkraft am Amt für Landwirtschaft in Weilheim begonnen, wurde aber schon kurz danach an das Amt für Landwirtschaft in Traunstein abgeordnet. Nach mehreren Zwischenstationen in Landsberg, München (Staatsministerium) und Starnberg kam sie im September 1989 an das damalige Amt für Landwirtschaft in Laufen als Sachgebietsleiterin Ernährung und stellvertretende Leiterin der Abteilung Ernährung und Hauswirtschaft. Für sie war das ein entscheidender Termin, denn Laufen blieb für Hofstetter-Hack immer eine Herzensangelegenheit. »Du hast die Hauswirtschaftsschule in Laufen für die Schülerinnen aufgetoppt«, betonte bei der Feier ihre Nachfolgerin, Sonja Bergmeier, und ergänzte: »Es ist dein Verdienst, dass es diese Schule in Laufen noch gibt.«

Denn als im Zuge der Organisationsreformen der landwirtschaftlichen Behörden das Landwirtschaftsamt Laufen ab 1997 zuerst als »Verbundamt« Laufen-Traunstein weitergeführt wurde und dann 2005 komplett aufgelöst werden sollte, setzte sie sich vehement dafür ein, die Schule in Laufen als Außendienststelle von Traunstein weiter zu führen und so für die Studierenden aus der Region zu erhalten. »Hauswirtschaftsschule allein müsste schon gehen, war ich damals überzeugt«, erinnert sie sich rückblickend, »und es ist immer gut gegangen. Seit 1991 hatten wir ununterbrochen immer mehr als 30 Studierende in einem Jahrgang – bis heute«. Und jetzt kommt wieder das Wort »aufgetoppt« ins Spiel, dass Sonja Bergmeier in ihrer kurzen Dankesrede verwendet hatte.

Die Powerfrau Annemarie Hofstetter-Hack, die sich nur schwer beirren lässt, wenn sie von einer Sache überzeugt ist, verwendet es gerne. Sie meint damit, man müsse alles in bestem Zustand erhalten, man müsse schauen, dass »alles herausgeputzt und funktionell ist«. Vielleicht würde man neudeutsch »up to date« sagen. Den großen Umbau zur heute modernen Hauswirtschaftsschule hat sie mitgeplant und mitbegleitet, die Schule eben »aufgetoppt«, sodass dort Unterricht unter besten Voraussetzungen möglich ist, der weit über die Region hinaus ausstrahlt und bestens angenommen wird.

Bei der offiziellen Verabschiedung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein einen Tag später, die Corona-bedingt in kleinem Rahmen stattfand, verwendete Amtsleiter Alfons Leitenbacher in seiner Rede ein Zitat von Dante Alighieri, das sehr gut auf die frischgebackene Pensionärin passe: »Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.« Annemarie Hofstetter-Hack gehört zu den Letzteren, sie hat nie abgewartet, was da kommen mag, sondern gehandelt, um zu gestalten.

Neuer Abschnitt

Für den neuen Lebensabschnitt hat sie jetzt viele Ideen, Langeweile kennt sie nicht. »Und wenn du dich langweilst, dann komm einfach zu uns nach Laufen« sagte ihre Nachfolgerin, bevor alle mit einem von Fachlehrerin Johanna Renoth selbst gemachten Aperitif aus Rosenblütensirup von den Damaszenerrosen aus dem schuleigenen Garten zum Abschied anstießen. Monika Konnert