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Ein Schlitzohr zum Verlieben

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Oda (Simone Rethel) bezirzte im Traunreuter k1 den Kurschattenmann (Jochen Busse), nachdem sie sein Spiel schnell durchschaut hatte. (Foto: Heel)

Viel zu lachen gab es bei der Aufführung der Komödie »Der Kurschattenmann« im ausverkauften Saal des Traunreuter k1. Schauplatz der turbulenten Handlung war der Salon einer Kurklinik in Bad Aibling. Hier treibt der in die Jahre gekommene Schwerenöter und Hochstapler Ulrich (Jochen Busse) sein Unwesen, indem er wohlhabenden Kurpatientinnen nachsteigt und nach Möglichkeit um den Finger wickelt.


Dabei erfindet er für jedes seiner Opfer eine neue Legende, getreu seiner Devise: »Alles nur eine Frage der Formulierung.« Bei der spröden Sanatoriumsärztin Isabel (Christiane Rücker) gibt er sich als Kapitän aus, bei der depressiven Dauerpatientin Edith (Ingrid Steeger) mimt er den Architekten, und der neurotischen Alice (Christine Schild) spielt er den Banker vor.

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Aber damit nicht genug: Seine Verführungskünste wickelt er so geschickt ab, dass keine der drei Damen ahnt, dass sie nicht die einzige ist, die Ulrichs Charme erlegen ist. Auch wenn er sein Lügengebäude immer wieder damit strapaziert, dass er beim Bezahlen stets nur einen Fünfhunderter in der Brieftasche hat, den natürlich kein Kellner wechseln kann. Das ändert sich erst, als die so attraktive wie geheimnisvolle Oda (Simone Rethel) in der Kurklinik auftaucht. Nicht nur, dass Ulrich keinen Erfolg bei ihr hat, sie flunkert und flirtet ebenso gekonnt wie er und hat sogar den 500-Euro-Schein in petto.

Entsprechend schnell durchschaut Oda das Spiel des flotten Kurschattenmanns, und schließt mit den betrogenen Damen einen Pakt, der nichts Gutes für Ulrich verheißt: Sie lädt Ulrich zum Rendezvous um Mitternacht ein, und sobald Ulrich ihr dabei den Rücken zukehrt, um ihr ein Glas Sekt zu bringen, springt eine andere für sie ein. Der Wechsel erfolgt im Minutentakt, bis Ulrich den Überblick verliert und sich in seinem eigenen Lügengewebe verfängt. Total verwirrt und erschöpft von seinen Bemühungen, allen vier Damen abwechselnd gerecht zu werden, sinkt er schließlich in Ohnmacht.

Ein Happy End gibt es dennoch: Oda, Edith und Alice entschließen sich, die Klinik zu verlassen und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Ärztin Isabel darf den Kurschattenmann behalten, der behauptet, dass er die Intrige von Anfang an durchschaut habe. Und ihr nun hoch und heilig verspricht, sie nie wieder zu belügen. Sein letzter Satz besagt allerdings das Gegenteil: Ulrich ist und bleibt ein Münchhausen.

Perfekt besetzt und von Horst Johanning zügig inszeniert – von einigen Längen im ersten Akt einmal abgesehen – bot »Der Kurschattenmann« (geschrieben von René Heinersdorff) somit beste Unterhaltung. Vor allem für Jochen Busse war der Part des Ulrich eine echte Paraderolle, bewies der 1941 geborene Schauspieler, Kabarettist und Moderator hier doch wieder einmal, was für ein toller (und gelenkiger) Komödiant in ihm steckt.

Einfach brillant, wie elegant und leichtfüßig er sich durch dieses Verwirrspiel schlängelte und dabei immer einen flotten Spruch auf den Lippen hatte. Sehr glaubwürdig und in Bestform zeigte sich auch das Damen-Quartett, allen voran Simone Rethel, die sehr temperamentvoll Ulrichs durchtriebene Gegenspielerin Oda gab. Wolfgang Schweiger