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Ein spannendes Konzert mit köstlicher Clownerie

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Franz-Josef Fuchs machte den Clown und präsentierte die Musiker. (Foto: Kaiser)

»Con gusto e molto ottone« begann das erste Traunsteiner Sonntagskonzert dieses Jahres im Rathaussaal. Das Chiemgau Brass-Quintett eröffnete es fröhlich und festlich strahlend mit »Musik für hohe Gäste«, mit »Trumpet Volutary« von Henry Purcell, dem »Orpheus Britannicus« des 17. Jahrhunderts.


Etwa hundert Jahre vor ihm wirkte Giovanni Gabrieli in Venedig und begründete dort die Hohe Schule der Bläsermusik. Seine prächtige »Canzona per Sonare« No.4 bot allen Instrumenten des Ensembles wohlklingende und virtuose Entfaltungsmöglichkeiten von der gewaltigen Tuba des Benedikt Wittmann über das flexible Waldhorn des Florian Kosatschek und die bewegliche Posaune des Bernhard Frey bis zu den blitzenden Pikkolotrompeten von Georg Holzner und Josef Neuner.

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W. A. Mozarts Arie der Königin der Nacht aus der Oper »Die Zauberflöte« war für Georg Holzner und seine »Piccolissimo-Koloratur-Trompete« eine Willkommene Herausforderung – da kochte »der Hölle Rache« aber über! Der »Killer-Tango« von Sonny Kompanek war danach ein eher anschmiegsamer, geschmeidiger Tanz, dem aber nie die Spannung ausging.

Der niederländische Dirigent und Komponist Jan Coetzer (1911 bis 2006), der ab 1950 in München tätig war, hat mit seinen Kompositionen die Blechbläser-Kammermusik in Deutschland maßgeblich gefördert, auch durch den internationalen Jan Coetzer-Wettbewerb, der seit 1999 an der Münchener Musikhochschule durchgeführt wird. Zu seinem »Kinderzirkus« lebte Franz-Josef Fuchs eine seiner Lieblingsrollen aus, die des Clowns. Schon vor dem Konzert »Geisterte« er überall herum; bei dem köstlichen Zyklus von Jan Coetzer, der mit einem witzigen »Kleinen Zirkusmarsch« mit großspurigen Elementen begann, tanzte er »graziös« als »Seiltänzerin« auf einer am Boden liegenden Kordel, balancierte als »Jongleur« mit irrwitzigen Körperverrenkungen zu ebensolcher Musik, steppte tollpatschig, aber unverwüstlich akrobatisch als »Tanzbär«, verzauberte als Zauberer mit misslungenen Zaubereien. Ein »Große Finale« mit allem, was zu einem Finale Grande gehört, aber gehörig auf die Schippe genommen und verölt wurde, beschloss den Hörens- und sehenswerten »Kinderzirkus«.

Den »Tuba Tiger Rag« dominierte eine trotz ihrer Größe und Massigkeit sehr flotte Katze in edlem Wettstreit mit Josef Neuners Pikkolo-Kätzchen – der Hornist und die beiden Trompeter falsettierten die Frage »Where is the Tiger« zum Lachen komisch. Nach einer bluesigen Einleitung kam »Amazing Grace« in einem lockern Swing mit enormem Drive. In Gerardo Matos Rodriguez’ »La Cumparsita« (»Der Karnevalsumzug«), dem wohl meistgespielten Tango, überraschten wieder die vielfältigen Gestaltungsweisen der einzelnen Instrumente. Ein abschließender Hochgenuss, generationenübergreifend und völkerverbindend, war die Verschmelzung von Barock- und Gospelmusik bei »The Saint’s Halleluja«. Die Musiker strotzten geradezu vor Musikalität und Spielfreude, ein rassiges Duett von Posaune und Tuba ragte daraus hervor.

Natürlich gab es Zugaben: den »The Dog Gone Blues« (Schorsch Holzner: »As Liad vom totn Hund«) und eine jazzige Fassung von Rossinis »Wilhelm Tell«-Ouvertüre. Engelbert Kaiser