weather-image
19°

Ein Stück brasilianischer Lebenfreude

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Helio Alves (von links), Wolfgang Lackerschmid, Nilson Matta und Duduca de Fonseca brachten mit Brazilian-Jazz pure Lebensfreude und guten Sound ins k1-Studio. (Foto: Benekam)

Nicht nur die Außentemperaturen in der Region bewegen sich langsam in Richtung T-Shirt- und Flip-Flop-Wetter. Im Traunreuter k1-Studio wurde den Jazz-Liebhabern von Wolfgang Lackerschmid und »The Brazilian Trio« ordentlich eingeheizt.


Das aus Brasilien stammende Trio passt zu dem vom Tegernsee stammenden Vibraphonisten wie Salsasauce zu Tortillachips: geschmackvoller, knackiger Sound mit genau dem richtigen Quäntchen Schärfe. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Würze, um das angenehme Hungergefühl, die Lust auf mehr Hörgenuss nie abebben zulassen. Die erste Nummer »Samba Gostoso«, die zugleich auch Titel für die aktuelle CD ist, entstand im gemeinsamen Musizieren mit Lackerschmids jüngstem Sohn Ferdinand und eignete sich, wie sich herrausstellen sollte, hervorragend zum Kennenlernen der einzelnen Musiker: Musizierfreudig legten sie locker-lässig am Vibraphon (Lackerschmid), Schlagzeug (Duduca da Fonseca), Piano (Helio Alves) und am Kontrabass (Nilson Matta) los.

Anzeige

Schon in den ersten Minuten konnte man hören, dass dieses Quartett mit einander im Fluss, als musikalische Einheit zusammengewachsen ist. Mit »A Thousand Dreams«, einer Komposition von Attila Zoller, ging es energiereich weiter. Lackerschmid schien in dieser Nummer des befreundeten Gitarristen voll aufzugehen. In jeder Hand zwei Schlägel, der ganze Körper in Aktion, immer wieder ein kleiner Sprung – so war nicht nur das Gehörte attraktiv und temperamentvoll. Ganz im Sinne des heißen brasilianischen Musikstils, den das Quartett mit jeder Faser musikalisch auslebte. Zum Luftholen folgte dann die etwas ruhigere Bossa Nova-Nummer »Can’t make you stay«, mit der sich eine fast schon sinnlich anmutende Melancholie im Studio breit machte.

Das dem Xylofon ähnliche Vibraphon ist in seinen Klangfarben sehr abwechslungsreich einsetzbar und wunderschön im Zusammenklang mit dem Piano. Einfallsreich und spannend wie die Instrumentierung und der dadurch entstehende Sound, sind auch die Nummern, in denen das Quartett die ganze Bandbreite des Brazilian Jazz auslotete. In der Nummer »A Ra« von Joao Donato geht es, wie Lackerschmid verriet um eine »Fröschin«. Das percussive Spiel auf dem Kontrabass-Corpus sowie der heiße Dialog, in den die Instrumente eintauchten, erinnerte tatsächlich an froh gelaunte springende Frösche.

»Paraty« widmete Nilson Matta dem heißen brasilianischen Sommer und seiner immer noch geliebten Heimat. Mit einem atemberaubenden Solo am Kontrabass, in das nach und nach die übrigen Instrumente einsetzten, ließ der Musiker den Zuhörer erahnen, was für ihn Heimat bedeutet. Auch mit »Daily Rose« oder »Flying Over Rio« brachte das Quartett ein Stück pulsierender brasilianischer Lebensfreude nach Traunreut.

Als Lackerschmid das letzte Stück ankündigte, ging ein Raunen durchs Studio. Der Sommer kommt doch erst, auf den dieser heiße Sound Appetit machte. Nach »Impression« einer Nummer die, wie Lackerschmid anmerkte, aus der sich gegenseitig beflügelnden Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Musikergrößen entstanden war, war der Durst nach dieser Musik noch nicht gestillt. Da geht noch was, spürten die begeisterten Jazz-Fans und forderten zwei weitere Zugaben ein. Traunreut, die Jazz-Hochburg, scherzte Lackerschmid, als im Studio der Applaus nicht enden wollte. Hausherr Kazianka jedenfalls ist mit der Besucherbilanz bei der Jazz-Reihe im k1 zufrieden, was sicherlich mit auf das Konto solch hochkarätiger Konzerte geht. Kirsten Benekam