Ein »Touch too much«: Vier Monate Knast

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Der Mann musste sich vor Gericht verantworten. (Foto: privat)

Bad Reichenhall/Laufen – Die Silvesternacht war vorbei. Das Pärchen stand frühmorgens betrunken am Reichenhaller »Stachus«. Dort soll der 40-jährige Hausmeister die Frau zu Boden gestoßen haben. Nur zwei Wochen später hat man den Mann erneut beim Fahren ohne Führerschein ertappt. Das war ein »Touch too much«, wie es Richter Christopher Lang am Laufener Amtsgericht formulierte. Er schickte den Reichenhaller für vier Monate hinter Gitter.


Der Angeklagte mochte sich an diesen ersten Januarmorgen nicht mehr erinnern, das Geschehen aber bestritt er nicht. »Wir hatten einen Mordspegel«, sagte er, falls es so passiert sei, täte ihm das leid. Das Geschehen verfolgt hatte ein 50-jähriger Anwohner. »Es war erkennbar ein Streit und eine Schubserei«, schilderte der Zeuge, »als die Frau zu Boden geschubst wurde, habe ich die Polizei gerufen.«

Die war rasch zur Stelle. »Die Frau saß am Boden. Ihr fehlte eine Zahnbrücke und sie blutete im Gesicht«, berichtete der 38-jährige Beamte über die Lage. Der Angeklagte habe sich dort »theatralisch« gegeben und habe einen Alkoholtest verweigert. Ein anderer Zeuge will gesehen haben, wie der Angeklagte die Frau an den Haaren gezogen habe.

Die 47-jährige Frau mochte ihren Lebensgefährten nicht belasten. »Er wollte mich umarmen und dann haben wir beide ein bisschen geschubst.« Nicht zuletzt ihre hohen Absätze sollen mitverantwortlich für den Sturz gewesen sein. »Ich bin auf den Kopf gefallen und da war die Prothese weg.« – »Stimmt, wir haben beide so rumgefuchtelt«, bestätigte der Angeklagte die Version. Was Staatsanwalt Chris-Dominik Kempel etwas verwunderte: »Ach. Erst sagen Sie, Sie wissen nichts mehr. Und jetzt doch.«

Gut zwei Wochen später hatte ein anderer Beamter der Polizeiinspektion Bad Reichenhall beobachtet, wie der Angeklagte am Steuer eines Autos in Richtung Bayerisch Gmain fuhr. Dabei hatte man dem Hausmeister die Fahrerlaubnis im Mai 2019 wegen des Konsums von Amphetamin entzogen. »Es war eine Kurzschlussreaktion«, sagte der 40-Jährige über diese Fahrt, denn Kunden hätten ihm am Nachmittag dieses Tages Druck gemacht, den Schnee zu räumen. »Mein Fahrer und Helfer hätte ein bis zwei Stunden bis hierher gebraucht, und ich wollte keine Kunden verlieren.«

Erstmals war der Hausmeister im April 2019 wegen Besitzes von Betäubungsmitteln verurteilt worden, ein Jahr später folgten Körperverletzung und Bedrohung. Im August 2020 stand er vor Gericht, weil er in zwölf Fällen Drogen an Minderjährige abgegeben hatte. Das Laufener Amtsgericht hatte auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten entschieden. In der Berufung am Traunsteiner Landgericht war daraus eine Bewährung geworden. Im Dezember 2020 war eine Geldstrafe von 1750 Euro wegen Fahrens ohne Schein hinzugekommen. Der Grund für die Fahrt: Gegen Mitternacht hatte er seinem Sohn noch etwas zu essen holen wollen.

Die »beschönigende« Version der Lebensgefährtin glaube er nicht, ließ der Staatsanwalt mit Verweis auf den Zeugen keinen Zweifel. Was die Fahrt betrifft, so fahre der Angeklagte nur wenige Wochen nach einer Verurteilung erneut. Kempel beantragte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, eine Bewährung aber könne er nicht mehr vertreten. Anders sah das Rechtsanwältin Sandra Hofmeister. »Es war ein emotionaler Beziehungsstreit, bei dem beide alkoholisiert waren«, erklärte die Verteidigerin. Weil der Hergang nicht mehr eindeutig zu klären sei, sei ihr Mandant hier freizusprechen. Die Autofahrt sei eine Kurzschlusshandlung gewesen.

»Er hat sein Leben im Griff und ist auf einem guten Weg«, argumentierte Hofmeister, »es wäre keinem geholfen, ihn jetzt herauszunehmen«, weshalb eine dreimonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

»Es tut mir wirklich leid und ich bereue das sehr. Es wird nicht mehr vorkommen«, versicherte der 40-Jährige. Doch auch Christopher Lang hatte keinen Zweifel am Augenzeugen. »Da war keinerlei Belastungseifer.« Der Blick auf die Vorgeschichte ließ den Richter den Kopf schütteln: »Während Sie in der Berufung um Bewährung kämpfen, fahren Sie wieder.« Lang kommentierte ebenso die Körperverletzung und die Bedrohung: »Einschlägiger geht es kaum.«

Der Strafrichter urteilte auf vier Monate – ohne Bewährung. Mit ein Grund: »Ich habe Sorge, hier ein Bewährungsgerüst aufzubauen, das irgendwann zusammenfällt.« Unabhängig davon droht dem Hausmeister ein Widerruf der Bewährung auf die 20-monatige Strafe.

Hannes Höfer