»Ein unbeschreibliches Gefühl«: Torwart vom SB Chiemgau Traunstein unterschreibt Profivertrag

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Maximilian Pérez Hintermeier (links) spielt mittlerweile bei den Würzburger Kickers. Der erst 17 Jahre alte Torwart, der noch in der U 19 spielen darf, hat dort jetzt seinen erstenProfivertrag unterschrieben. (Foto: Würzburger Kickers)
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Mit der U 13 des SB Chiemgau feierte Maximilian Pérez Hintermeier (hintere Reihe, 3. von links) gleich mehrere Erfolge. Er denkt gerne an seine Zeit in Traunstein zurück.

Die Arbeit am Nachwuchsleistungszentrum des SB Chiemgau Traunstein trägt weiter Früchte: Mit Maximilian Pérez Hintermeier hat jetzt der erste Spieler, der in Traunstein ausgebildet wurde, einen Profivertrag unterschrieben – und zwar bei den Würzburger Kickers.

»Das ist ein unbeschreibliches Gefühl«, sagt der 17 Jahre alte Torwart im Gespräch mit unserer Sportredaktion. »Ich bin dem Verein und den Verantwortlichen sehr dankbar, dass sie mir dieses Vertrauen entgegenbringen.«

In Würzburg ist man vom 17-Jährigen überzeugt. »Maximilian ist ein junger Torhüter mit großem Potenzial, der sich mit klarem Kopf in den vergangenen Monaten sehr gut präsentiert und eine gute Entwicklung genommen hat. Für seine 17 Jahre bringt er eine sehr gute Physis mit. Er arbeitet hart, ist sehr lernwillig und hat mit Hendrik Bonmann einen sehr guten Mentor, von dem er viel lernen kann«, unterstreicht Marco Langner, Torwarttrainer des FC Würzburger Kickers. »Er ist ein hoffnungsvolles Talent, dem wir den Sprung in den Profifußball zutrauen«, ergänzt Sebastian Schuppan, Vorstand Sport der Würzburger Kickers.

Vor einigen Monaten sah die Situation des Bernhaupteners noch ganz anders aus: Der Nachwuchsspieler war vereinslos. Bis zum Frühjahr 2020 spielte er noch in der Jugend von Union Berlin, doch dann kam die Corona-Pandemie und er entschied sich dazu, vorerst in seine Heimat zurückzukehren. »Ich bin dann vergangenes Jahr ganz normal am CHG zur Schule gegangen«, erzählt er. »Und ich hatte damals nicht viel Hoffnung, dass ich nochmals eine Chance bekommen werde, professionell Fußball spielen zu können.«

Doch es kam anders und nach einem Probetraining in Würzburg hatte Pérez Hintermeier plötzlich wieder einen Verein. Das Nachwuchstalent wechselte noch im Winter an den Dallenberg und verstärkt seitdem dort das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Rothosen. »Das war genial.« Und es sollte noch besser kommen: Anfang Mai saß er bei den Profis in der 2. Bundesliga auf der Bank. »Ein tolles Gefühl«, beschreibt er diesen Moment, der allerdings auch einen bitteren Beigeschmack hatte: Denn ausgerechnet in der Partie gegen den VfL Osnabrück war der Abstieg der Würzburger Kickers nach der1:3-Niederlage in die 3. Liga besiegelt. »Meine persönliche Freude wurde natürlich vom Abstieg getrübt. Das wünsche ich auch keinem so.«

Pérez Hintermeier, der bis zu seinem elften Lebensjahr in Madrid lebte, fing beim TSV Bergen mit dem Fußballspielen an. Über den Torwart-Stützpunkt des Bayerischen Fußballverbands (BFV) in Traunstein kam dann ein Jahr später der Wechsel zum SB Chiemgau zustande – und an diese Zeit hat der junge Torwart die besten Erinnerungen. »Da hat wirklich alles gepasst. Wir sind mit derD-Jugend gleich von der Kreisklasse in die Kreisliga aufgestiegen und haben auch den Sparkassenpokal gewonnen. Das war einfach nur schön.«

Auch das damalige Stützpunkt-Training mit Stefan Kotisch und Ludwig Trifellner prägten den Schlussmann nachhaltig. »Es ist wichtig, dass man als Torwart früh eine gute Ausbildung bekommt. Dann lernt man die Grundtechniken richtig und das ist dasA und O«, ist er überzeugt.

Sein Talent blieb nicht unentdeckt. Maximilian Pérez Hintermeier spielte auch in der Südbayern-Auswahl. Dabei gab's unter anderem Duelle mit den Nachwuchsteams des TSV 1860 München, des FC Bayern München und der SpVgg Unterhaching. Gegen Unterhaching gewann die Auswahl einmal sogar 4:0 und Pérez Hintermeier erledigte seinen Job dabei grandios. »Daraufhin wurde ich von Unterhaching zum Probetraining eingeladen«, erinnert er sich – und danach bekam er ein Angebot, das er auch annahm.

Der Torhüter brach seine Zelte beim SBC ab und spielte in der U 15 (Regionalliga) und in der U 16 (Bayernliga) bei den Unterhachingern. Danach ging's für ihn weiter zu Union Berlin. In der dortigen U 17 sammelte er in der Junioren-Bundesliga weiter Erfahrung, bis die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr dem jungen Fußballer einen Strich durch die Rechnung machte.

Der Kontakt zum SB Chiemgau Traunstein riss all die Jahre übrigens nie ganz ab und so kam es auch, dass sich der Torwart im Herbst 2020 dank der Vermittlung von SBC-Jugendleiter Michael Brandner bei den Traunsteiner Herren fit halten konnte. »Das hat mir natürlich sehr geholfen«, freut er sich.

Beim SB Chiemgau ist man ebenfalls stolz darauf, dass Maximilian Pérez Hintermeier jetzt ein Profi ist. »Er hat bei uns den Grundstein für eine hoffentlich erfolgreiche Karriere gelegt«, betont Michael Brandner. »Man sieht, dass unsere Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum etwas bringt und wir haben noch ein paar heiße Eisen im Feuer.« Brandner drückt dem jungen Torwart jetzt weiterhin fest die Daumen für seinen weiteren Weg. »Er braucht jetzt sicherlich auch ein wenig Geduld, aber er bringt die besten Voraussetzungen mit und er ist ehrgeizig.«

Maximilian Pérez Hintermeier will jetzt also in Würzburg durchstarten. In der neuen Saison wird er den Profikader angehören und fester Bestandteil des Torwartteams sein. Aber er ist auch noch für die U 19 spielberechtigt – und in der Nachwuchsmannschaft will er vor allem eines: Ganz viel Spielpraxis sammeln, denn wegen Corona liegt sein letzter Pflichtspieleinsatz lange zurück. »Ich will endlich wieder spielen«, sagt Perez Hintermeier, der in Kitzingen bei der Firma JF Network auch eine Ausbildung im IT-Bereich angefangen hat. »Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, denn ein zweites Standbein ist sehr wichtig.« SB