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»Ein Wintersportler wird im Sommer geformt«

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Toni Palzer, hier beim Weltcup in Mondolè, kann auf eine sehr gute Saison mit konstanten Leistungen zurückblicken. (Foto: Seebacher)

Toni Palzer kann diesen Winter auf eine besonders gute Saison zurückblicken. Nach zahlreichen Siegen und Podestplätzen will er sich nun erst einmal zuhause erholen, ehe es in die Sommerwettkämpfe geht.


Was war Ihr Erfolgsrezept für diese außergewöhnlich gute Saison?

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Toni Palzer: Ich hatte schon 50 Gletschertage bevor ich zu Hause trainieren konnte. Und natürlich bin ich auch mit einer super Form aus dem Sommer in den Winter gestartet. Am wichtigsten war aber, dass ich nie krank oder im Übertraining war.

Ich denke, ein Grund bei den Wettkämpfen war, dass ich im Aufstieg noch besser geworden bin. Deshalb musste ich in den Abfahrten nicht mehr ganz so viel riskieren, um eine Top-Platzierung zu erreichen. Ich weiß aber auch, dass extrem viel Glück dazugehört, um eine Saison gesund zu überstehen.

Beim ersten Weltcup in Andorra waren Sie noch nicht so in die Gänge gekommen, wie viele das erwartet hatten. Woran lag es?

Palzer: Für mich ist es ganz wichtig, dass ich über den ganzen Winter eine konstante Leistung bringen kann. Und der Winter ist sehr lange. Ein guter Weltcup im Januar bringt mir nix, wenn ich die restliche Saison über dann platt bin. Zum Ende der Saison war ich in einer ausgezeichneten Form und konnte noch einmal richtig viele Weltcup-Punkte sammeln.

Sie hatten unglaublich viele Erfolge und sportliche Höhepunkte in den letzten Monaten. Was war das herausragende Ereignis?

Palzer: Es waren so viele tolle Momente, aber das Beste war wohl der dritte Platz bei der Europameisterschaft im Individual. In der Königsdisziplin eine Medaille zu holen und das an einem Traumtag, ist schon was Unvergessliches.

Nach all den Erfolgen gab es aber auch – bereits nach wenigen Minuten – eine ziemlich bittere Niederlage bei der Tour du Rutor im Aostatal Anfang April. Was war da los?

Palzer: Zusammen mit Matheo (Anm. d. Red.: Matheo Jaquemond, derzeit bester französischer Skibergsteiger) wollte ich um den Sieg mitlaufen. Ich war in einer super Form und total motiviert. Es war schon brutal hart zu akzeptieren, dass Matheo bereits nach wenigen hundert Höhenmetern so starke Schmerzen an der Ferse hatte, dass wir aufhören mussten. Aber aus Niederlagen lernt man und ich bin mir sicher dass ich in zwei Jahren wieder eine neue Chance bekomme.

Wie fällt Ihr Fazit jetzt am Ende der Saison aus?

Palzer: Insgesamt bin ich unglaublich zufrieden mit meiner Saison. Es war die mit Abstand beste Saison meines Lebens. Ich habe gezeigt, dass ich in allen Disziplinen mit den Weltbesten um den Sieg laufen kann. Diese Saison war ich unverletzt und nicht krank, also ich konnte alles aus meinem Körper rausholen und die Weltcups wirklich genießen.

Welche Ziele haben Sie sich für die neue Saison gesetzt?

Palzer: Mein großes Ziel ist es, irgendwann den Gesamtweltcup zu gewinnen. Nächstes Jahr starte ich wieder einen Versuch. Aber nächstes Jahr gibt es ja auch wieder eine Weltmeisterschaft in Italien. Da wäre es schon super, wenn ich eine Medaille holen würde. Verändern werde ich nicht wirklich viel, was mein Training und meine Vorbereitung angeht. Ich habe mich die letzten Jahre mit meiner Leistung immer gesteigert. So kann es weitergehen.

Sie wollten dieses Jahr Ende April unbedingt die legendäre Patrouille des Galciers in der Schweiz gewinnen. Wie konnte dieser Traum platzen?

Palzer: Ich finde es unglaublich schade, dass sich mein Team aufgelöst hat. Zusammen mit Kilian (Anm. d. red.: Kilian Jornet, Spanien, derzeit weltbester Skibergsteiger) und Matheo wollte ich Bestzeit bei der Patrouill des Glaciers laufen. Wenn du das schaffst, ist dir ein Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher.

Kilian hat abgesagt, weil er zum Mount Everest fliegt um dort einen neuen Rekord aufzustellen. Und Matheo möchte seine Fersenverletzung auskurieren. 2018 bin ich dann aber garantiert am Start. Das muss man als Skibergsteiger schon mal erlebt haben.

Wie sehen Ihre Planungen für die nächsten Wochen aus? Haben Sie schon Wettkämpfe im Sommer geplant?

Palzer: Ich trainiere noch bis zum 23. April und dann mach ich erst mal zwei Wochen Pause. Wirkliche Ziele für den Sommer habe ich noch nicht. Ich möchte den Glocknerkönig (Radrennen) fahren und beim Dolomitenmann in Lienz wieder aufs Podium laufen. Alle anderen Wettkämpfe mache ich dann nach Lust und Laune. Im Vordergrund steht für mich eindeutig die Vorbereitung auf den Winter. Ein Wintersportler wird im Sommer geformt.

Nach einer langen Saison gibt es bestimmt einige Dinge auf die man sich extrem freut. Was ist das bei Ihnen?

Palzer: Am meisten freue ich mich jetzt auf meine Familie, auf meine Freundin Camilla und alle Freunde. Ich möchte einfach mal abschalten und die freie Zeit genießen – am liebsten daheim am Hochschwarzeck.

Dass Sie unglaublich viel und hart trainieren, wissen die Meisten. Aber Ihre Konkurrenten trainieren auch viel. Was macht bei Ihnen den Unterschied aus?

Palzer: Den größten Anteil an den ganzen Erfolgen in den letzten Monaten haben meine Eltern und meine Freundin. Sie unterstützen mich, wo es nur geht und schauen immer, dass es mir gut geht. Für mich ist mein Zuhause das beste Trainingslager! Wie bei jedem anderen Profisportler stehen auch bei mir viele Sponsoren dahinter, ohne die so eine Leistung nicht möglich wäre. Johannes Schmid