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Eindrucksvolle Uraufführungen von Weyerer

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Sebastian Weyerer dirigiert bei der Uraufführung seines »Alleluja« den Gemeindegesang. (Foto: Mergenthal)

Pulsierende Musik an einem denkwürdigen Ort, in der Klosterkirche Frauenwörth mit dem Grab der seligen Irmengard, bot der Ludwig-Thoma-Chor Prien unter Leitung von Sebastian Weyerer in der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach«. In den geschichts-trächtigen Mauern aus dem 11. Jahrhundert, die auf karolingischen Fundamenten ruhen, erklang zwischen den heimeligen Barockaltären in reizvollem Wechsel prachtvolle klassische und zeitgenössische Kirchenmusik, darunter zwei Uraufführungen von Werken des Chorleiters.


Mit dem Konzert ehrte der vom Instrumentalensemble Chiemsee begleitete Chor Georg Augustin Holler anlässlich seines 200. Todestags. So bildete dessen »Missa ex D« für Soli, Chor, Orgel und Orchester den Höhepunkt und zugleich Schlusspunkt des Konzerts. Der zu Unrecht fast vergessene Holler wurde 1744 in der Oberpfalz als Sohn eines Schmieds geboren. In der Münchner Frauenkirche heiratete er 1769 eine Müllerstochter aus Wessobrunn und war ab 1773 als »Stadtmusikant« (»Stadtpfeifer«) für das öffentliche Musikleben verantwortlich.

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Er könnte einer jener fünf Stadtmusikanten gewesen sein, die Wolfgang Amadeus Mozart 1777 im Gasthof »Zum schwarzen Adler« in der Kaufinger Straße hörte. »Sie spiellten gar nicht übel zusammen«, schrieb Mozart danach an seinen Vater. Später lehrte Holler an der Herzoglich Marianischen Landesakademie und an der Militär-Akademie. Schlicht und volksnah komponierte er zahlreiche weltliche und geistliche Werke, von denen dank dem »Müllner Peter« (1766 bis 1843) viele erhalten blieben. Ohne Erich Liebisch aus Asten würden sie jedoch noch heute in den Archiven schlummern.

Warmer Hörnerklang verlieh dem Kyrie der Messe eine mystische Note. Der mitreißend und engagiert agierende Chor in gut ausgewogenem Stimmgruppenverhältnis beeindruckte in Phrasierung, Sprache und Intonation. Energisch stieß er das im Stakkato hingesetzte »E-lei-i-son« heraus. Die virtuosen, musikantischen, jubelnden Geigen im Gloria waren eine Freude.

Abwechslung in die, an Nuancen und Farben reiche, Messe brachten auch die arienähnlichen Soli, zum Beispiel das anmutig dargebotene Sopran-Solo voller Koloraturen von Irmingard Schütz »Quoniam tu solus sanctus« oder das herrlich erzählerische »Et incarnatus est« von Tenor Richard Eschlbeck im Credo, das nach der Fuge »Et unam sanctam catholicam« ein fetziges »Amen« bot. Wie Monika Wallner-Grutsch (Alt) und Klaus Reiter (Bass) kamen auch die Sopranistin und der Tenor aus dem vorwiegend mit ehemaligen Mitgliedern des Ludwig-Thoma-Gymnasiums besetzten Chor und sangen auch bei den zackigen Tutti mit.

Das Konzert war mit viel Gespür liturgieähnlich durchinszeniert. So begann es mit dem gregorianischen Pfingsthymnus, das die links und rechts vom Hochaltar einander gegenüber stehenden Gruppen der Frauen und der Männer als Wechselgesang darboten, um sich danach im Altarraum zu vereinen. Eine perfekte Einleitung zur Uraufführung von »Veni Creator Spiritus« des 1941 geborenen Weyerer für sechsstimmigen gemischten Chor a capella, bei dem der Chor noch nicht ganz so sicher wirkte wie bei den übrigen Werken des Abends, bei denen sich sängerische Routine und Beseeltheit wunderbar vereinten.

Zum »Salve Regina« von Holler für Soli, Chor, zwei Hörner und Streicher, zum sechsstimmigen Magnificat von Weyerer und zum Gloria und Sanctus aus Weyerers »Tassilomesse« gaben Markus Kinzelmann und Sabine Obermüller als Sprecher eine informative Hinführung. Dazwischen bot Hollers Konzert für Horn und Streicher in D mit Max Schellenberger am weich und samten geblasenen Horn viele instrumental dichte Momente in einem beschwingten Duktus. In der Tassilo-Messe hinterließ unter anderem die kompositorische Umsetzung des nie enden wollenden »Wallens« des Gottesvolkes im Sanctus einen nachhaltigen Eindruck.

Neben dem Präludium und der Fuge von Pater Placidus Metsch (1700 bis 1778), glockenklar und glasorgelähnlich interpretiert von Organist Hubert Huber, begeisterte außerdem die Uraufführung eines Alleluja mit Versen des Psalm 117 und 148 von Weyerer: Neben dem vier- bis sechsstimmigen Chor, der Orgel und dem Orchester waren – im Kehrvers – auch alle Zuhörer sängerisch einbezogen. Der Abend war sicher einer der Höhepunkte des noch jungen Musiksommers 2015. Veronika Mergenthal