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»Eine bretonische Liebe«: Wenn die Romantik baden geht

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"Eine bretonische Liebe"
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Erwan (François Damiens, l) verliebt sich in Anna (Cécile De France). Foto: Arsenal Foto: dpa

Stell’ dir vor, du verliebst dich - und findest erst dann heraus, dass dein Schwarm den gleichen Vater hat wie du! Der Film »Eine bretonische Liebe« schickt seine Darsteller in ein charmantes Verwirrspiel der Gefühle.


Berlin (dpa) - Die Bretagne scheint ein Patent auf kauzige Figuren zu haben. Eine ganze Reihe dieser skurrilen Typen bevölkert auch die belgisch-französische Komödie »Eine bretonische Liebe«.

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Zu den Charakteren des Films zählen etwa ein wortkarger Minenexperte, der auf Autofahrten zwischen Sprengstoffeinsätzen gern »Die Zauberflöte« hört und dessen Tochter, die sich auf einer Kostümparty sturzbetrunken von einem Unbekannten im Zorro-Kostüm schwängern lässt. Nicht zuletzt ist da auch ein charmanter alter Herr, der seinen Hunden Diktatorennamen gibt, weil er gern Despoten wie Pinochet herumkommandiert.

Das schrullige Personal, für das die französische Regisseurin Carine Tardieu eine extrafeine Darstellerriege gewinnen konnte, hat erst das Filmfest von Cannes und dann Frankreichs Kinosäle im Sturm erobert. Wenn man den Erfolg der Bretagne-Krimis hierzulande betrachtet, wird der Film sicher auch in den deutschen Kinos gut ankommen.

Tardieus Komödie stellt einen eigentlich ganz gelassenen Zeitgenossen auf eine harte Probe. Denn der Minenräumer Erwan Gourmelon (François Damiens) erfährt, dass sein Vater (Guy Marchand) eigentlich gar nicht sein Vater ist. Erst verdrängt Erwan die schockierende Nachricht. Doch dann siegt seine Neugier. So engagiert er eine Privatdetektivin, die seinen biologischen Vater ausfindig machen soll.

Erwans Vater entpuppt sich als charmanter, alter Herr (André Wilms) mit einer sehr attraktiven Frau zur Tochter, der Ärztin Anna (Cécile de France), in die sich Erwan eigentlich gerade verlieben wollte. Doch nun hat sie den gleichen Vater wie er! Während Erwan plötzlich zwei Väter und eine hübsche Frau beschwichtigen muss, ist seine schwangere Tochter Juliette die Ruhe selbst. Und das, obwohl sie keine Ahnung hat, wer der Vater ihres ungeborenen Babys sein könnte. Wie soll sich Erwan in diesem Verwirrspiel der Gefühle bloß zurechtfinden?

Die Komödie lebt von ihrem leichtfüßigen Drehbuch, das nur in seltenen Momenten die rührseligen Seiten des Lebens streift. Vielmehr erweist sich die Geschichte als unangestrengt alberne Trickkiste voller Überraschungen, die hier natürlich nicht alle verraten werden sollen.

Dass man in dieser kauzigen Posse den Tiefgang nicht vermisst, ist der Verdienst einer Darstellerriege, die so liebenswert daherkommt, dass man sie gerne einladen würde, ins Nachbarhaus einzuziehen: In der Hauptrolle des Sprengstoffexperten Erwan erobert der belgische Komiker François Damiens nicht nur das Herz der Medizinerin Anna, sondern sicher auch das vieler Zuschauer im Kinosaal. Denn Damiens ist ein Darsteller, der schon komisch wirkt, wenn er schusselig in die Landschaft schaut. Zum Beispiel wenn er hört, dass sein Vater und er kein einziges Gen gemein haben. Oder dass die unfassbar attraktive Frau, für die er schwärmt, plötzlich seine Schwester sein soll.

In der Weihnachtszeit, die von watteweißen Engeln und rundbäuchigen Männern in roten Mänteln bevölkert wird, ist diese Komödie ein wirklich guter Grund für einen Kinobesuch. Schließlich erzählt der Film »Eine bretonische Liebe« eine Geschichte, die so unrealistisch und romantisch ist, dass man sie unbedingt wahrhaben will.

Eine bretonische Liebe, Frankreich/Belgien 2017, 100 Min., FSK ab 0, von Carine Tardieu, mit François Damiens, Cécile de France, André Wilms

Eine bretonische Liebe