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Eine Institution schließt

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Silvia Tica (Gesang), Hans Kraller (Schlagzeug) und Peter Lechner (Saxofon) waren die Gäste, die mit dem »Booze Club« spielten – und sich vom »Tres« verabschiedeten. (Foto: Heigl)

Den Blues hatten an diesem Abend wohl alle, die gekommen waren, um das letzte Rock-Konzert in ihrem Refugium, der CafeBar »Tres«, zu erleben. Trotz der ausgelassenen Stimmung, an der die Mitglieder der Booze-Band nicht unschuldig waren, stand der baldige Verlust der wunderschönen Location, in der Chefin Andrea und ihr pfiffiges Team die Gäste mit ausgesuchter Rock-Musik live und aus der Konserve verwöhnte, fast schon greifbar im Raum.


Hier haben sich Musikfreunde getroffen – ein Ort, den »Musikverrückte« aufsuchten, um gemeinsam wunderbare Nächte zu erleben. Sie ließen sich den Kopf verdrehen, wenn Bands wie »Extra Dry«, »The Rakets«, »The Hurricanes«, »Faendrix« oder »Orange Club« ihr Bestes gaben.

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Nun müssen sich die Musikfreunde von diesem Ort verabschieden – eine mögliche Alternative ist nicht in Sicht. Im »Tres« bestanden bei manchem Auftritt die Zuhörer zu einem Drittel aus anderen Bands. Das übrige Publikum war entweder tanzwütig oder entspannt-gesellig und genoss das wunderbare Ambiente, das die Wirtin Andrea beim Umbau geschaffen hatte.

Sie schuf Neues, führte aber gleichzeitig eine Tradition weiter, die der allseits beliebte Wirt, der »Rappelhans« einst mit seinem »Stamperl« dem nachfolgenden »Rinner« und zum Schluss mit dem wohl gelungensten seiner Projekte, dem »Tres«, ins Rollen gebracht hatte – damit setzte er Maßstäbe musikalischer Art und im Wesen der Kneipenkultur.

Seine Nachfolgerin Andrea hat ihren Gästen auch unvergessliche Stunden und eine zweite Heimat geschaffen. Nachdem Hans Rappel am 31. März 2010 den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren hatte, musste sie in die großen Fußstapfen des legendären Hans steigen, bei dem sie zuvor in der Küche die Tapas bereitet hatte.

Die wunderbaren fünf Jahre mit Andrea als Wirtin sind nun vorbei. Sie ist nicht im Schatten vom »Rappelhans« geblieben – und hinterlässt nun eine große Lücke. Eine Institution schließt, eine Legende verabschiedet sich. Als die Musiker vom »Booze Club« Bob Dylans »Knockin' on heaven's door« anstimmen, ist es ein Wunder, dass nicht alle losheulen. Einer der wunderbarsten Plätze, an dem sich Alt und Jung im Geiste der Rockmusik traf – zu Grabe getragen.

Gerne werden sich die Besucher erinnern, wie es war, wenn die Luft fast schon brannte, so heiß war es, umfallen konnte bei den Konzerten in der drangvollen Enge niemand. Cooler Groove und großartige Gitarrensolis, Saxofonhöhepunkte, Trompetenkunststücke, Keybordüberraschungen, Schlagzeugausflüge und charismatische Vocalisten mit tollen Stimmen wie an diesem letzten Abend weckten immer wieder die Begeisterung beim Publikum.

Mit einer bewegenden Rede an das Publikum und an ihre Chefin gedachte Sandra, eine der dienstältesten Barfrauen in der langen Geschichte dieses Treffpunkts, der Geschichte des »Tres«, dessen Spirit hoffentlich weiter lebt, und der sich vielleicht woanders neu formieren wird. Wir sind, wer wir sind, und tragen das »Tres« in unseren Herzen weiterhin herum. Der Rest findet sich. Vielleicht. Barbara Heigl

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