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»Eine interessante Spielart der Moderne«

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Das Minetti Quartett aus Wien wird heuer die Konzertreihe eröffnen. (Foto: Irene Zandel)

Türkische »Klassiker« stehen heuer im Mittelpunkt der Traunsteiner Sommerkonzerte, die vom 1. bis 7. September in der Klosterkirche stattfinden.


Was hat es mit diesem außergewöhnlichen Themenschwerpunkt auf sich? Ein kurzer Blick zurück in die türkische Geschichte erhellt, worum es geht. Mustafa Kemal (Beiname Atatürk), Symbolfigur eines starken türkischen Nationalbewusstseins, trieb die Veränderungen in der von ihm 1923 neu gegründeten Republik mit Vehemenz und radikal voran. Im Zusammenhang mit der Orientierung seiner säkularen Politik an westlichen Werten befasste er sich auch mit dem Neuaufbau des türkischen Musiklebens. Atatürk wünschte eine neue, unverkennbar eigenständige Nationalmusik. In ihr sollte das verwurzelte musikalische Erbe seines Landes, d. h. die Charakteristika der türkischen Volksmusik (einstimmige Tänze und Lieder), bewahrt und gleichzeitig mit der Mehrstimmigkeit der westlichen Musikkultur verbunden werden.

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Zwischen 1923 und 1932 erhielten Stipendiaten die Möglichkeit, im westlichen Ausland (Wien, Paris, Prag) Komposition zu studieren. Die Nominierten, die unter dem Namen »Die türkischen Fünf« in die Musikgeschichte eingegangen sind, kehrten nach der Studienzeit in ihre Heimat zurück. Ihre Namen: Hasan Ferit Alnar, Necil Kazim Akses, Cemal Resit Rey, Ulvi Cemal Erkin und Ahmed Adnan Saygun. Alle entwickelten sich nach ihren Lehrjahren zu gewichtigen, anerkannten Komponisten und Lehrmeistern. Sie haben am Aufbau des türkischen Musiklebens maßgebend mitgewirkt und die nationale Schule entscheidend geprägt. Einige Kammermusikwerke, die unter dem Einfluss der Reformideologie Atatürks bzw. dessen »Vorgabe« einer westöstlichen Verschmelzung in der Musik entstanden sind, werden bei den diesjährigen Traunsteiner Sommerkonzerten aufgeführt.

Zum Thema »Klassiker der Türkei« schreibt der Verlag Schott Music »Es ist Musikern wie dem türkischen Pianisten Fazıl Say zu verdanken, dass im Westen weitgehend unbekannt gebliebene Werke ... inzwischen auch den Weg auf internationale Konzertpodien finden. Das Bewusstsein dafür, dass sich jenseits des mitteleuropäischen Kulturraums eine eigenständige, jedoch nicht minder interessante Spielart der Moderne herausgebildet hat, deren Kenntnis das Bild musikalischer Entwicklungen im 20. Jahrhundert um wichtige Facetten bereichern kann, hat daher auch Einzug ins Verlagsgeschäft gehalten.«

Fazıl Say, der einer Einladung zu den Traunsteiner Sommerkonzerten zum 10. Mal folgt, widmet den Solo-Abend in diesem Jahr ganz seinen musikalischen Vorvätern und demonstriert anhand von Eigenkompositionen, wie er deren Weg auf seine spezielle Weise fortsetzt.

Der Schwerpunkt »Türkei« macht vielleicht stutzig, aber die sieben Konzerte bieten dazu viel Interessantes, Neues, Hörenswertes, Bereicherndes und all das ausgeführt von Musikern auf ganz hohem Niveau. Der Bayerische Rundfunk schneidet die Konzerte am 1. und 2. September mit.

Während der Festwoche zeigt Evelyn Walter Dünstl in der Alten Wache ausgesuchte Exemplare aus ihrer umfassenden Ex Libris-Sammlung. Die Expertin, die 2012 mit ihrer deutschlandweit beachteten Ex Libris-Ausstellung in der Klosterkirche Aufmerksamkeit erlangte, wird sich – in Verbindung zu den Sommerkonzerten – auf Exponate zum Thema Musik beschränken.

Eine Konzertkartenreservierung ist unter Telefon 0861/2099667 möglich. Imke von Keisenberg

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