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Eine Komödie voller Lebensweisheiten

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Wie jedes Jahr treffen sich George (Heiner Lauterbach) und Doris (Dominique Lorenz) – und das bereits seit 25 Jahren. (Foto: Heel)

Einmal im Jahr treffen sich George und Doris, um das fortzuführen, was vor 25  Jahren mit einer spontanen Bettgeschichte begonnen hat. Immer am gleichen Tag und am selben Ort, einem Hotelzimmer irgendwo in Kalifornien. Der Haken dabei: Beide waren damals bereits (glücklich) verheiratet. Nur eben nicht miteinander. Und dabei ist es auch geblieben. Entsprechend lautet das Motto ihrer Beziehung: »Nächstes Jahr, gleiche Zeit.« Dazwischen keine Ansprüche, keine Telefonate, keine Briefe. Doch nun, quasi zum »Jubiläum«, ist plötzlich alles anders: George fühlt sich einsam, nachdem seine Frau gestorben ist, und bittet Doris, ihn zu heiraten.


So beginnt die Komödie »Jahre später, gleiche Zeit«, die im gut besuchten Saal des Traunreuter k1 aufgeführt wurde, basierend auf einer Vorlage des kanadischen Autors Bernard Slade und produziert von der »Komödie im Bayerischen Hof München«. Mit Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz hochkarätig besetzt und von Heidelinde Weis straff inszeniert, sind dabei die Karten jedes Mal völlig neu gemischt, wenn sich der Vorhang öffnet – zu den Rendezvous der Jahre 1976, 1980, 1981, 1986, 1992 und 1993, angezeigt durch einen Wandkalender.

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Natürlich lehnt Doris erst einmal ab. Ihr Mann Harry ist herzkrank, die noch minderjährige Tochter drogenabhängig. Da kommt eine Scheidung nicht in Frage. Vier Jahre später sieht die Sache ganz anders aus: Die Tochter unterzieht sich endlich einer Entziehungskur und Harry hat eine Geliebte. Denn er macht etwas, so Doris, was er sonst nie gemacht habe: »Er lächelt, wenn er schläft.« Nur Pech für sie, dass sich George inzwischen in eine junge Hippie-Astrologin verliebt hat, die auch schon schwanger von ihm ist. Doris gibt notgedrungen ihren Segen dazu, auch wenn ihr Urteil lautet: »Ein Flittchen als Mutter und ein geisteskranker Vater.«

Ein Jahr später rückt George, verlassen von seiner Geliebten, mit einem Baby zu ihrem Treffen an und erwidert auf Doris’ Kompliment, dass er gut aussehe: »Man ist entweder jung, reif oder gutaussehend.« Geplagt von Haar-, Hör- und Jobverlust sowie nachlassender Manneskraft, schlägt er sich als alleinerziehender Vater dennoch weiter wacker durchs Leben, unterstützt von Doris, die trotz schwerer Krankheit inzwischen eine erfolgreiche Fernsehköchin geworden ist und mit einem Schlüsselroman auf Basis ihrer jährlich gelebten Liebesgeschichte sogar zur Bestseller-Autorin. Und nachdem Harry, der begriffen hat, dass die Handlung des Romans keineswegs frei erfunden war, mit seiner Geliebten in die Südsee durchgebrannt ist, steht einem Happy End nichts mehr im Weg.

Was bleibt, ist eine blendend gespielte, äußerst kurzweilige Boulevardkomödie, in der Lauterbach sogar als Sänger und Pianist glänzt, und die mit ihrem so warmherzigen wie unbestechlichen Blick auf die Tücken des Alters voller Lebensweisheiten steckt. Aber auch voller Hoffnung, wenn die beiden langjährig Verliebten trotz aller Gebrechen einen Neuanfang wagen. Oder wie Doris es formuliert: »Wir heiraten, um uns zu pflegen – aber nicht nur.« Wolfgang Schweiger

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