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Um die Vorteile der kleinen Wasserkraftwerke zur CO2-freien Stromerzeugung sowie die Betriebsabläufe ging es beim Infotag in Ruhpolding. Wie hier im E-Werk an der Geier-Säge konnte man sich über die Leistungsfähigkeit der Turbinen informieren. (Foto Schick)

Eine Lanze für die kleinen Wasserkraftwerke gebrochen

Ruhpolding – Eine Lanze für ihre sogenannten kleinen Wasserkraftwerke und den damit CO2-frei produzierten Strom brachen die Ruhpoldinger Betreiber bei ihrem erstmals durchgeführten Info-Tag.


Stellvertretend für alle 14 relevanten Anlagen im Gemeindegebiet hatten drei ihre Tore geöffnet: Die Werke Gastager-Schwaig und Seehuber-Garnreiter, die jeweils mit Traunwasser gespeist werden, sowie das Werk Hallweger-Geiern an der Urschlauer Ache. Auslöser für die Aufklär-Aktion ist die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetztes (EEG), wonach ab 2023 kleine Wasserkraftwerke mit einer Leistung bis zu 500 Kilowatt nicht mehr gefördert werden sollen (wir berichteten). Davon wären auch alle Ruhpoldinger E-Werke betroffen.

Um genau dieses umstrittene Vorhaben der Bundesregierung, das zum Aus für viele Kleinbetreiber führen könnte, drehten sich während der Besichtigungsstunden viele Fragen der Bürger. Unter anderem auch darüber, warum ausgerechnet die bewährten Anlagen mit einer Leistung bis 500 Kilowatt, die seit Jahrzehnten mit CO2-freien Strom einen wichtigen Beitrag zur heimischen Energieversorgung leisten, von der bisherigen Förderung abgekoppelt werden sollen. Im Klartext würde dies bedeuten, dass die Betreiber in Zukunft finanziell auf sich alleine gestellt sind, etwa wenn Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz, Fischtreppen, Kleintieraufstiegshilfen, Standsicherheit von Dämmen und Befestigungen und dergleichen anstehen.

Das könnte viele Betreiber zur Aufgabe zwingen, befürchtet der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke (BDW), in dem auch die Ruhpoldinger organisiert sind. Für sie ist dieser Schritt der Bundesregierung nicht nachvollziehbar. Deshalb fordern sie wie ihr Verband nicht nur die Beibehaltung der Einspeisevergütung, sondern gerade in der jetzigen angespannten Lage verbesserte Konditionen, um Modernisierungen zur Effizienzsteigerung ihrer Anlagen voranzutreiben. Dabei sehen sie sich mit Landrat Siegfried Walch auf einer Linie. Der hatte kürzlich einen Masterplan zur Energieversorgung im Landkreis Traunstein angekündigt, zu dem neben Biomasse, Wind, Geothermie und Photovoltaik auch der Ausbau der Wasserkraft gehört, um das Potenzial dieser grundlastfähigen Heimatenergie optimal zu nutzen.

Die Ruhpoldinger Stromerzeuger sind sich zwar im Klaren darüber, dass ihre gesamte Lieferleistung in Höhe von 820 kWh, gemessen an den drei Milliarden Kilowattstunden, die die rund 6500 Betreiber ihrer Zunft pro Jahr deutschlandweit erzeugen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Laut Geschäftsführer Rolf Stibler von der Stromversorgung speisen die Ruhpoldinger doch immerhin jährlich insgesamt 4,5 Millionen kW/h ins örtliche Netz ein; auch in den Nachtstunden. Zum Vergleich: Die 236 PV-Anlagen auf Ruhpoldings Dächern generieren tagsüber 2,3 Millionen kWh pro Jahr. »Dafür produzieren wir die Energie direkt vor Ort und für den Ort«, sagt Hans Hallweger sen., der neben dem Werk an der Geier-Säge noch eine weitere Anlage an der Traun betreibt.

Seine beiden Turbinen versorgen etwa 400 Haushalte mit Strom, der außerdem noch zum Sägewerksbetrieb und zur E-Mobilität genutzt wird. Gegen das Argument, dass Wasserkraft generell »umweltschädlich und nicht ökologisch sanierbar« sei, wehrt sich Herbert Garnreiter. Er führt seit einigen Jahren regelmäßig Schüler der örtlichen Grund- und Mittelschule durch sein E-Werk am Miesenbacher Kanal, um die junge Generation für die Gewinnung regenerativer Ressourcen zu begeistern und zu sensibilisieren. Dazu tragen spielerische Gummienten-Rallyes ebenso bei wie ernstere Themen rund um Umwelt- und Tierschutz, wobei zugleich Vorurteile abgebaut werden können. »Hier sehen die Kinder direkt vor Ort, dass wir keine Häcksel-Maschinen betreiben, die reihenweise für tote Fische sorgen«.

Im Gegenteil: In Ruhpolding funktioniere die Zusammenarbeit der Wasserkraftbetreiber und der Fischerei sehr gut. »Und dass es uns um Umweltschutz geht, indem wir den Müll fachgerecht entsorgen, der täglich an den Rechen hängenbleibt«, betont Garnreiter. Er findet Aktionen wie den Infotag als ideale Möglichkeit, um aufzuzeigen, wie wichtig saubere Energie ist. Eine Befürchtung, die alle Stromkunden in nächster Zeit umtreibt, können allerdings auch die heimischen Wasserkraftbetreiber nicht ausräumen: Der Strompreis wird angesichts der derzeitigen Lage weiterhin steigen.

ls