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Eine musikalische Siegsdorfer Besonderheit

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Als Meister an den Klaviertasten erwies sich Michael Alf einmal mehr bei seinem Konzert in Siegsdorf. (Foto: Kewitsch)

Es gab einmal einen Rezensenten, der sprach vom »Tiger an den Tasten«, was in der Folge dazu führte, dass der damit angesprochene Pianist sich prompt ein Jackett mit Tiger-Revers zulegte. Ich behaupte, es gibt keine klavierspielenden Tiger, aber es gibt eine andere Gattung: den seltenen hochmusikalischen »12-Finger-Alf«.


Michael Alf eröffnete sein tolles Konzert im Siegsdorfer Festsaal passend zum Ort mit dem temporeichen »St.-Josephs-Boogie«. Charmant plaudernd zwischen den eigenen Songs kündigte er jeden individuell und augenzwinkernd an. Er erinnerte an Dave Brubeck (dieses Mal ist es nicht »Take five«) und steuerte bereits im ersten Set schon fast den Höhepunkt an, als er in einer Mischung aus »Mozart & Alf« den »Alla turca stomp« zum Besten gab.

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Zitat: »Die linke Hand ist der Mozart, die rechte Hand bin ich.« Unglaublich. Meisterlich. Mozart käme aus seinem Grab gesprungen und würde freudenvoll mittanzen. Bisweilen nutzte Michael Alf sein Mikrofon auch für den Gesang, in erster Linie freute er sich aber auch über den Besuch der Nachbarn, die ihn »sonst nur im Bademantel sehen und an diesem Abend endlich einmal in Arbeitskleidung«. Diese legte er sodann gleich ab, wurden die Takte noch eine Spur schneller, dynamischer, treibender. Der »Mozart« für Eilige war kaum verklungen, da gab er einer eigenen Interpretation von »Kiss« den Raum und zeigte, dass auch Popnummern zu einem Boogie- und Blues-lastigen Konzertprogramm passen.Einerlei ob »Sheik of Araby« oder das tolle »Puttin on the riz«: Es blieb allen Anwesenden ein Rätsel, wie die »12 Finger« scheinbar mühelos über die Tasten glitten, das Tempo und die Melodie sauber und akkurat jeweils von der rechten und linken Gehirnhälfte verarbeitet wurden und somit alles einen Sinn ergab. Eine Melodie sowieso, ein musikalisches Schmankerl in jedem Fall.

Auch von der ältesten Nummer des Abends »Jada« aus dem Jahre 1918, von der Michael Alf nie genau weiß, wie sie gerade wird, weil sie doch von der Improvisation lebt, konnte man nichts anderes berichten. Die Zuhörer erlebten Klavierspiel auf höchstem Niveau. Der »Speedy Boogie«, eine Eigenkomposition, abermals ohne Sakko gespielt, leitete das Ende des Abends ein, bevor es mit »Tico Tico« nochmals fulminant wurde. Das Publikum sang und klatschte und gegen Ende des Abends war deutliches »Stompen« aller Füße zu verspüren. Alles in allem: ein rundes stimmiges Konzert. Der Tiger an den Tasten ist nicht nur zoologisch ebenso so einzigartig wie der »12-Finger-Alf« als Siegsdorfer Besonderheit gelten darf. Udo Kewitsch