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Eine neue Visitenkarte für die Stadt Traunstein

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Eine neue Visitenkarte für Traunstein entsteht derzeit an der Salinenstraße. Durch den offenen Zentralbereich wird der Blick auf die barocken Salinengebäude an der Franz-von-Kohlbrenner-Straße freigegeben. (Foto-Animation: Otto Huber)

Traunstein – Über den aktuellen Stand der Baustelle »Salinenpark in der Au« informierte Bauleiter Helmut Mühlbacher alle Interessierten beim Monatsstammtisch des Traunsteiner Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen im Gasthaus Sailer-Keller. Nach einer rund eineinhalbjährigen Planungszeit wurde Anfang des Jahres mit den Abbrucharbeiten der Turnhallen begonnen.


Der alte Baumbestand soll weitgehend erhalten bleiben. Einige Bäume müssten allerdings noch auf ihre Standfestigkeit überprüft werden, so Mühlbacher. Im zentralen Bereich soll eine große Wiese entstehen und somit der Blick auf die barocken Salinenhäuser freigegeben werden. Die Wege laufen auf das Brunnhaus an der Franz-von-Kohlbrenner-Straße zu, vor dem der Nachbau eines sechs Meter hohen Wasserrads einer Reiffenstuelpumpe aufgestellt wird, mit denen die Sole vor rund 400 Jahren von Reichenhall nach Traunstein gepumpt wurde. Daneben wird eine Reichenbachpumpe aus dem 19. Jahrhundert aufgebaut.

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Der Gehsteig an der Salinenstraße wird in den Park verlegt. Dafür wird entlang der Salinenstraße, die etwas verbreitert wird, ein Radweg gebaut. Aus der Runde wurde angeregt, auf der Salinenstraße entlang des Parks eine Tempo-30-Zone einzurichten. Bauleiter Mühlbacher sagte, dafür müssten verkehrsrechtliche Voraussetzungen vorliegen.

Durch die Entfernung der Hecken beidseitig der Salinenstraße wird die Verbindung zum Rupertistadel auf der gegenüberliegenden Seite der Straße geöffnet. Am Rupertistadel sei die alte Soleleitung angekommen und von dort die Sole zum Brunnhaus weitergeleitet worden, sagte der Bauleiter. Zu einer Frage nach der Pflege meinte Mühlbacher, der Salinenpark werde so konzipiert, dass er, außer gelegentlichem Rasenmähen, nicht gepflegt werden müsse.

Im östlichen Bereich wird ein Apotheker- oder Kräutergarten geschaffen. Darüber berichtete Apotheker Lorenz Fakler. Der Kräutergarten wird vom Homöopatiehaus Traunstein und einigen Traunsteiner Apotheken betrieben. Angelegt wird ein System aus Wegen und Heckenkabinetten. Dazwischen werden Pflanzflächen für verschiedene Heilpflanzen mit gleichen Lebensraumbedingungen eingerichtet. Fakler erklärte, man wolle nicht nur einen solchen Garten anlegen, sondern auch das Wissen über die Kräuter an die Menschen weitergeben und die Bevölkerung bei der Entwicklung einbinden, besonders auch die Schulen.

Es solle ein echter Bürgergarten mit rund 120 Pflanzenarten entstehen, bei dem besonders die Nachbarschaft von der Au eingebunden werden solle, damit sie auch ein Auge auf »ihren« Garten werfe. Die Bürger dürften dann auch die Pflanzen ernten. Die Kosten für die Pflanzen und deren Pflege übernehmen die Apotheker und Homöopathen. Geplant ist, einen Förderverein zu gründen, da die Pflegekosten rund 100 Euro pro Woche betragen.

Der Vorsitzende des Fördervereins »Alt-Traunstein«, Richard Kraft, ging kurz auf die Entstehungsgeschichte des Salinenparks ein. Durch den Abriss der Franz-Eyrich-Halle mit Nebenhallen habe es der Förderverein mit einer Spende von einer Million Euro an die Stadt ermöglicht, das Gelände des Turnvereins für 600 000 Euro zu erwerben, den Weg für den Salinenpark freizumachen und dadurch den Blick auf die Salinenhäuser freizugeben.

Otto Huber vom Förderverein »Alt-Traunstein« wies auf das 400. Jubiläum »Soleleitung Reichenhall-Traunstein« im kommenden Jahr hin und rief zugleich in Erinnerung, wie wichtig die Saline für die Stadtgeschichte Traunsteins gewesen sei. Den Salinenpark nannte er »eine neue Visitenkarte für Traunstein«.

Durch den Salinenpark sei die Idee eines Freiluftmuseums entstanden. Man habe die Idee von Anton Graßler aus den 1980er Jahren aufgegriffen und die Rekonstruktion einer Solehebemaschine von Hans und Simon Reiffenstuel aus dem 17. Jahrhundert in Auftrag gegeben. Von der Firma Infraserve habe die Stadt eine Wassersäulenpumpe von Georg-Friedrich von Reichenbach aus dem 19. Jahrhundert sowie einige salinarische Gegenstände geschenkt bekommen.

Im Albertistock wird eine Ausstellung über die Saline gezeigt. Zu sehen ist unter anderem ein Abriss der Salzgeschichte, der Arbeitsplatz eines Brunnwarts, die Technik der Soleleitung sowie Filme über die Soleleitung. Die Ausstellung sei aber nur über angemeldete Führungen zugänglich, sagte Huber. Bjr