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Eine Schule im Boogie-Woogie-Fieber

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Axel Zwingenberger produzierte Boogie-Woogie-Fieber in der Schule Schloss Stein. (Foto: Benekam)

Es gibt ja Konzerterlebnisse, die vergisst man nie. Das sind jene Konzerte, in denen einfach alles passt: Der Musiker zu seinem Instrument, das Instrument zu dem Musikgenre, das Musikgenre in die Lokalität, die Lokalität zu den Zuhörern und eben – ganz wichtig – die Zuhörer zu dem Musiker. So kann der heiß ersehnte, die Herzen zum Glühen bringende Funke auch überspringen. In der 16. Steiner Literatur- und Medienwoche konnten sich die Besucher von Axel Zwingenbergers Boogie-Woogie-Konzert über einen solchen Glücksfall freuen.


Nun ist ja der Boogie Woogie, der im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in den USA entstanden ist, an sich schon eine aufregende und mitreißende Musik, bei der kaum einer die Füße stillhalten kann. Wer schlechte Laune hat, dem vergeht sie bei dem rasenden, an eine Dampflokomotive erinnernden, zwölftaktigen Antidepressivum vom Piano. Das ließ dann in Kombination mit Zwingenbergers gewinnendem Charme sowie seiner unbändigen Musizierfreude die Zuhörer sich in den siebten Himmel des Musikgenusses aufschwingen.

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Bevor der Boogie-Woogie-Botschafter mit voller Kraft in die Tasten hämmerte, nahm er sich einen Moment Zeit, um in der Stille mit den Zuhörern Kontakt aufzunehmen: Ein kurzer Blick, ein leises Lächeln, um dann mit einem »Herzlich-Willkommen-Stein-an-der-Traun-Boogie-Woogie« energiereich sein Konzert zu eröffnen. Im gleichen Augenblick, in dem die rasanten Klavierrhythmen ertönten, sah man in den Gesichtern der Zuhörer förmlich die Sonne aufgehen. Da konnte sich keiner entziehen. Und so blieb das auch. Ob bei »Jump And Jive«, »Boogie In The Barrelhouse« oder Zwingenbergers kleiner Tochter gewidmeten Nummer »Little Eva Stands« – immer hatte man den Eindruck, dass die Stühle im Konzertsaal »ungemütlich« oder schlicht überflüssig waren. Klatschend, stampfend und vor allem fortwährend lächelnd nahmen die Konzertbesucher aktiv am Boogie Woogie teil.

Zwischen seinen Nummern, die fast alle Eigenkompositionen sind, amüsierte der Hamburger Boogie-Woogie-Meister seine Gäste immer wieder mit Anekdoten aus dem Musiker-Alltag. Zudem hatte er auch immer Wissenswertes und Informatives zu seiner Musik und seiner zweiten Leidenschaft zu erzählen: der Dampflokomotive, der er etliche Kompositionen gewidmet hat. Dem »Honky Tonk Train Blues« hört man fast eine Seelenverwandtschaft an: Rhythmisch nahezu identisch, fühlt man fast das Vibrieren der Dampflokomotive und hört man immer wieder das perfekt musikalisch nachempfundene, pfeifende Laut-Signal heraus, sodass man sich an eine muntere Zugfahrt durch den Wilden Westen der 20er Jahre erinnert fühlt.

Auch »Suitcase Blues« und »Boogie Woogie Stomp« passten sich in dieses Thema ein und ließen vorm inneren Auge Szenen einer ereignisreichen Bahnfahrt entstehen. In »Snow Flake Dance« vertonte Zwingenberger das Naturereignis tanzender, wild umher wirbelnder Schneeflocken ebenso glaubhaft wie in »Wagga Toggos Stopp« die Hörerlebnisse in einer New Yorker Wohnung mit Einfachverglasung: Ein aufregendes Potpourri an Geräuschen einer belebten Großstadt.

Axel Zwingenberger schien förmlich mit seiner Musik zu verschmelzen. Die Hochgeschwindigkeits-Akkorde, mit denen seine Finger über die Tastatur des Flügels rasten, produzierten ekstatische Hörerlebnisse. Das Boogie-Woogie-Event in der Schule Schloss Stein hätte wohl, wenn es nach dem Wunsch der Zuhörer gegangen wäre, bis tief in die Nacht weitergehen können. Gut, dass sich Axel Zwingenberger, wie er eingangs betonte, an diesem Veranstaltungsort sehr wohl fühlte, denn das lässt hoffen, ihn wieder hier erleben zu dürfen. Der so offene und sympathische Musiker erntete einen kräftigen Schlussapplaus und verwöhnte seine Zuhörer mit einer ausgedehnten Boogie-Woogie-Zugabe. Kirsten Benekam

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