weather-image
27°

Eine Schulung zum »Wiener Klang«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Jungmusiker unter der Leitung von Christoph Koncz wurden bei ihrem Sommerkonzert in Bad Reichenhall vom Publikum gefeiert. (Foto: Aumiller)

Von den Plakaten zur Ankündigung des Sommerkonzerts des Internationalen Orchesterinstituts Attergau (IOIA) grüßte noch das Konterfei des Wiener Staatsoperntenors Herbert Lippert. Aber der Sängerstar musste seinen Auftritt krankheitsbedingt absagen, wie die Konzertbesucher im Theater Bad Reichenhall erfuhren. Das blieb jedoch der einzige Wermutstropfen des beschwingten Konzerts in bunter Programmfolge.


Christoph Koncz, Stimmführer der 2. Violinen der Wiener Philharmoniker, stand in Bad Reichenhall am Pult. Er zeigte sich als vielversprechende, eminente Dirigierbegabung, wie er voll freudiger Emphase mit sicherer Aufmerksamkeit, Partiturkenntnis und modellierendem Gestaltungswillen den Orchesterapparat souverän in Angriff nahm und auch im Griff hatte.

Anzeige

Seine Begeisterung für die Sache schwappte nicht nur auf die Musiker über, sondern ebenso auf die Zuhörer. Als Geiger hat Koncz sein Instrument stets verfügbar, aber angehende Dirigenten haben es weit schwerer, am Pult eines Orchesters Erfahrung zu sammeln. So stellt diese Konstellation eine ergiebige Komponente sowohl für die Musiker als auch für den Dirigenten dar und das Publikum kam obendrein in den Genuss.

Das gemischte Programm gab den Jungmusikern viele Möglichkeiten, unterschiedliche Anforderungen zu meistern und auch die spezifischen Charakteristiken im Wiener Repertoire-Alltag praktisch zu erproben. Mit dem Vorspiel zum 3. Akt von Richard Wagners »Lohengrin« war sogleich seriöser Breitbandklang angesagt und alle orchestralen »Muskeln« wurden beansprucht. Gegenstück dazu war die zarte Pizzicato-Polka der Strauß-Brüder, welche die Streicher mit konzentrierter Aufmerksamkeit gefällig servierten.

Johann Strauß hatte dann mit der Fledermaus-Ouvertüre das Sagen und Josef Strauß war mit den Walzern »Die Libelle« und »Sphärenklänge« sowie mit der Polka »Ohne Sorgen« präsent. Beim Walzerrhythmus legte Koncz natürlich besonderen Wert auf die berühmte Wiener Taktverzögerung, die zwar noch ein wenig akademisch geriet, aber von den Musikern hoch konzentriert mitvollzogen wurde.

Koncz punktete bei allen Stücken bereits mit großer Erfahrung, erlebt er sie doch unter den prominentesten Dirigenten selbst in der Orchesterpraxis mit – davon brachte er vieles in sein Dirigat mit ein. Das war nicht zu übersehen und zu überhören. Die mit rasantem Elan musizierte Fledermaus-Ouvertüre heizte die gute Laune im Auditorium kräftig an. Die ätherischen Flügel der Libelle hatten noch ein wenig Erdenschwere, setzten aber schließlich zum schwebenden Flug an. Die Sphärenklänge ließen fantasievolle Imagination zu. »Ohne Sorgen« ging es ins Finale vor der Pause und der Neujahrskonzert-Brauch, dass die Musiker ihr Spiel mit einem kleinen Lachchor garnieren, durfte natürlich nicht fehlen.

In Carl-Maria von Webers Freischütz-Ouvertüre zeigten die Musiker viele unterschiedliche Stimmungsfarben und qualitätsvolle Soloeinsätze. Zur großen Aufgabe wurde die Beethoven-Symphonie Nr. 5 in c-Moll, die die Jungmusiker hervorragend meisterten – sie versetzten das Publikum in Begeisterung. Für dieses schöne Orchesterprojekt geizte das Auditorium nicht mit Applaus. Es war ein lohnender Abend für die Musikliebhaber im Reichenhaller Theater, denn die Zuhörer wurden Zeuge einer Gruppe von durchwegs hoch talentierten Nachwuchsmusikern, die sich überzeugend profilierten, einzig die Hörner hielten auf dem Niveau der übrigen Bläser nicht mit. Elisabeth Aumiller