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Eine Tante zum Verlieben

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Fritz (links) und Tscharley sehen mit Missvergnügen zu, wie ihre beiden Mädels Gefallen an der falschen Tante finden. (Foto: Heel)

Das Stück des britischen Autors Brandon Thomas »Charleys Tante«, 1892 uraufgeführt, zählt bis heute zu den beliebtesten Bühnenwerken und wurde hierzulande vor allem durch die Verfilmungen mit Heinz Rühmann (1956) und Peter Alexander (1963) bekannt. Einen großen Erfolg hatte jetzt auch das Tegernseer Volkstheater mit seiner Aufführung der bayerischen Fassung »Tscharley's Tante« im voll besetzten Studiotheater des Traunreuter k1.


Die Zuschauer wurden dabei in das Schwabing der 60er Jahre entführt, wo sich Fritz von Hohberg (Felix Holzapfel) und Tscharley Müller (Florian Bauer) eine Studentenbude teilen. Die beiden sind gerade frisch verliebt, haben sie doch kürzlich zwei ganz reizende Mädels, Karin (Anja Raich) und Lotte (Claudia Loy), kennengelernt. Die zwei wissen aber (noch) nichts davon und ihre Abreise in den Schwarzwald steht kurz bevor. Was sollen sie nur tun?

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Sie einfach in ihre WG einzuladen, das trauen sich die beiden Studenten nicht. So kommt die Nachricht, dass Tscharleys (steinreiche) Tante Donna Lucia aus Brasilien ihren Neffen besuchen kommt, genau richtig. Sie beschließen, Karin und Lotte zum gemeinsamen Essen mit der Tante einzuladen. Doch die beiden haben kaum zugesagt, da platzt der Vater von Fritz (Oli Männer), ein Kapitän zur See, zur Tür herein und gesteht seinem Sohn, dass er pleite ist. Was Fritz recht schnell auf eine Idee bringt: Könnte der Papi mit der Tante, die nicht nur Multimillionärin ist, sondern passenderweise auch noch verwitwet, vielleicht anbandeln?

Nur dumm, dass die Tante im letzten Augenblick wieder absagt. In ihrer Not überreden Fritz und Tscharley ihren Nachbarn Werner (Andreas Kern), einen Künstler und Laienschauspieler, in die Rolle der Tante zu schlüpfen. Das führt natürlich zu allerhand Komplikationen. Nicht nur, dass die beiden Mädels Gefallen an der falschen Tante finden, was die – sehr zum Missfallen der beiden verliebten Studenten – auch kräftig ausnutzt, auch der Kapitän macht der Tante Avancen.

Und dann kreuzt auch noch Karins Onkel Gottfried Ackermann (Hanno Sollacher) auf, der gerade von einer schweren Bergtour am Nockherberg zurückgekehrt ist und zunächst auf Anstand, Zucht und Ordnung pocht, bevor auch er den Reizen der falschen Donna Lucia verfällt und sie seine »Lotosblume« nennt. Natürlich taucht zu guter Letzt auch noch die echte Tante (Barbara Kutzer) auf, die, wie sich herausstellt, mit Werner (als Mann) auf geheimnisvolle Weise verbunden ist.

Von Andreas Kern flott inszeniert und vom achtköpfigen Ensemble sehr lebhaft gespielt, war somit beste Unterhaltung geboten, zumal auch die Rollen stimmig besetzt waren – allen voran mit Andreas Kern, der so gekonnt wie verschmitzt zwischen Mann und Frau hin und her wechselte und wahre Lachsalven auslöste, wenn er mit wallender Perücke und glänzendem Kostüm über die Bühne stolperte. Wolfgang Schweiger