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»Eine verflixte Alpensinfonie«

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Der thüringische Pianist und Musikkabarettist Felix Reuter und der Volksmusikant Hermann Huber an Ziach und Klarinette zogen ihr Publikum mit einer musikalischen Bergwanderung in ihren Bann. (Foto: Müller)

»Eine verflixte Alpensinfonie – so haben Sie Alpenmusik noch nie gehört!« – mit dieser Neugier erregenden Worten hatte die Theater-Strickerei Grabenstätt das Musikkabarett-Programm des thüringischen Musikkomödianten und klassischen Pianisten Felix Reuter aus Weimar und des oberbayerischen Volksmusikanten und zweifachen Ziach-Weltmeisters Hermann Huber aus Ainring im Vorfeld beworben – und damit nicht zu viel versprochen.


Über 50 Besucher hatten sich zum »Auswärtsspiel« im Schlossökonomiesaal eingefunden und wurden dort zwei Stunden lang nach allen Regeln der Kunst unterhalten.

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Aus den vielfältigen Erlebnissen einer gemeinsamen Bergwanderung auf den Schlenken bei Salzburg, die beim Grabenstätt-Konzert in der Fantasie kurzerhand auf die Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen ausgedehnt wurde, entstand letztlich die »verflixte Alpensinfonie« mit verblüffenden musikalischen Wendungen zwischen Klassik, Jazz, Musette und Volksmusik – mal sinnlich, mal im Geschwindigkeitsrausch, aber niemals ohne Witz und Humor.

Gemeinsam mit ihrem Publikum erarbeiteten sich Klaviervirtuose Reuter und Ziachspieler und Klarinettist Huber die Erkenntnisse, dass man den Enzian nicht nur trinken, sondern auch musizieren und eine Forelle nicht nur essen, sondern die von Franz Schubert auch aufführen kann. Einem Schwan kann man von Peter Tschaikowsky lauschen oder ihn eben füttern. Reuter demonstrierte dies lautmalerisch mit allerlei Klangbeispielen, mal im Stehen, mal im Sitzen, alles kein Problem, denn er und seine Tasten zogen sich so magisch an, dass er nebenbei auch noch mit dem Publikum und seinem Kollegen plauderte und scherzte.

Dass in der Musik genauso abgeschrieben wird wie anderswo auch, bewies er am Beispiel des Orchesterstücks »Bolero«.

Beim Wandern über die malerischen Almwiesen »pflückten« die beiden Ausnahmemusiker und Improvisationskünstler – mal im Duo, mal als Solisten – diverse Blumen und auch eine besondere »kleine Blume« (Jazzstandard »Petite fleur«). Dabei entstand ein prächtiger musikalischer Blumenstrauß.

Die Musiker gaben klangvoll die gemeinsam erlebte Abendstimmung (unter anderem »Eine kleine Nachtmusik« von Mozart), ein Gewitter (Schubert), den folgenden Regenbogen (»Over the Rainbow«), den Mondschein (Beethovens Mondscheinsonate), das Morgengrauen (Edvard Griegs Morgenstimmung) und den Abstieg wieder, bei dem sie mit dem Sinatra-Klassiker »My Way« auf das Erlebte zurückblickten.

Für eine sympathische Sennerin hatte Huber das Lied »Pour ma cherie Andrea« komponiert. Beide Künstler waren stets bereit, vermeintliche Grenzen zu überwinden und neue Klangwelten zu entdecken und zu kreieren. Ein Glücksfall, dass sich Gegensätze anziehen. Auch die Besucher sahen dies so und genossen noch einen Blues und eine Huber-Interpretation des Joe-Cocker-Songs »You can leave your hat on« als tolle Zugaben.

Im Februar 2018 hatten sich die beiden Vollblutmusiker bei der Kleinkunst-Show »Salzbrettl« in Freilassing kennengelernt und im folgenden August standen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne und begeisterten mit musikalisch-komödiantischen Höchstleistungen. Markus Müller

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