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Eine Welle der Hilfsbereitschaft – Familie verlor bei Brand ihr Hab und Gut

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Wo früher das 390 Jahre alte Bauernhaus stand, sind nur noch Schutt und verkohltes Holz zu sehen. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Eine überwältigende Hilfsbereitschaft erfuhren die Eheleute Erwin und Gerlinde Elfinger aus Rückstetten, die bei einem Brand ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Ihr denkmalgeschütztes, 390 Jahre altes Bauernhaus war bei dem Brand in der Nacht zum 5. August ein Raub der Flammen geworden.


Brandursache war ein technischer Defekt. Die Familie steht heute buchstäblich mit leeren Händen vor den Trümmern ihres Zuhauses. Erwin und Gerlinde Elfinger lebten mit den beiden Söhnen, 30 und 35 Jahre alt, in dem Bauernhaus, dem Elternhaus von Gerlinde. Vor einigen Jahren war das Haus renoviert und um einen Anbau erweitert worden.

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In einem Gespräch mit unserer Zeitung zeigten sich die Eheleute überaus dankbar für die überwältigende Hilfsbereitschaft, die sie gleich nach dem Unglück erfahren durften und die immer noch anhält. »Die Unterstützung von den Nachbarn und Verwandten, Freunden, Bekannten und sogar uns weniger bekannten Menschen, die alle auf ihre Art selbstlos geholfen haben, hat uns überwältigt und es uns leichter gemacht, den ersten Schock zu verarbeiten und weiterzumachen«, so die Eheleute übereinstimmend. Erwin Elfinger betonte darüber hinaus: »Bitte erwähnen Sie zu allererst Axel und Willy, die uns aufgeweckt und uns damit das Leben gerettet haben.« »Aber auch allen anderen, die uns zum Essen einladen, uns gleich ein Dach über dem Kopf angeboten haben, uns mit tausend kleinen Gesten und Dingen täglich helfen, wollen wir Vergelt's Gott sagen«, ergänzt Gerlinde.

Eine Helferin hatte unmittelbar nach dem Unglück eine WhatsApp Gruppe eingerichtet, über die sich die Helfer absprechen und die Hilfe koordinieren. »So wurden wir schnell mit vielen Dingen des Alltags versorgt«, so Erwin, der auch seinem Nachbarn Georg Grabner sehr dankbar ist: Dieser sei ihm als Landrat schnell und unbürokratisch bei den amtlichen Schritten behilflich gewesen. Auch seitens der Gemeinde habe man jede Unterstützung erhalten, sodass bereits wieder ein bisschen Hoffnung für die Zukunft aufgekeimt ist. Und die Feuerwehr wolle man auf keinen Fall vergessen. Sie sei sehr schnell da gewesen und habe hochprofessionell gearbeitet. Das alte Holzhaus, zusätzlich ausgetrocknet von der Hitze der letzten Wochen, habe aber wie Zunder gebrannt.

Als Brandursache habe man einen technischen Defekt an einem Kabel, auch begünstigt durch das heiße Wetter, ausgemacht, erklärt Erwin Elfinger. Eine Stichflamme an der Außenwand habe schnell auf eine ausgefahrene Marquise übergegriffen, dann die Holzhütte, das Gartenhaus und den Anbau in Brand gesetzt. »Es ging alles so schnell. Kurz danach stand der gesamte Dachstuhl in Flammen. Geweckt durch die Schreie der Nachbarn konnten mein Mann und ich uns noch durch das Schlafzimmerfenster in Sicherheit bringen, retten konnten wir gar nichts«, berichtet Ehefrau Gerlinde. Die Söhne waren zu diesem Zeitpunkt nicht zuhause.

Im brennenden Haus zurückgeblieben war die Chihuahua-Hündin Luna. Vier Stunden hatte sie unter den brennenden Trümmern ausgeharrt, gegen 4 Uhr früh sah die Feuerwehr sie davonhuschen. Die Suche nach dem Hund blieb zunächst erfolglos, erst drei Tage später wurde Luna an der Straße nach Waging von einer Autofahrerin gesehen und heimgebracht.

Die Familie Elfinger ist im alten Bauernhaus ihrer Nachbarn, der Familie Leitenbacher, in Blickweite ihres ehemaligen Heims untergekommen. »Wir haben in kürzester Zeit sechs Angebote zum Wohnen auf unbestimmte Zeit bekommen«, erzählt Erwin. »Das hat uns sehr berührt. Wir haben uns für dieses Haus entschieden, weil wir hier fast daheim sind.« Der erste Schock ist überwunden, die Pläne für den Wiederaufbau nehmen Gestalt an, Hilfe bei der Abwicklung der Aufräumarbeiten und dem Neubau ist zugesichert. Ein Hauch von Optimismus ist im Gespräch zu spüren. Und trotzdem ist für Familie Elfinger alles anders wie vorher. »Es sind die kleinen, persönlichen Dinge, die uns fehlen, jeden Tag fällt uns was anderes ein,« meint Gerlinde. Von der Weihnachtskrippe sei nur das Christkind gefunden worden, die Blechspielzeugsammlung sei komplett weg, auch Erwins Ehering liege irgendwo unter Schutt und Asche.

Und es sind die kleinen Dinge, die man gar nicht mehr beachtet hat und über die man sich plötzlich riesig freut, wie das Jugendfoto von Gerlindes vor vier Jahren verstorbener Mutter, das unversehrt vor der Haustür lag. kon