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»Einen Applaus verdient …«

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Rainhard Fendrich gab sich sympathisch wie eh und je bei seinem Konzert im k1 in Traunreut. (Foto: M. Heel)

Auch wenn er eingangs die Männer, die vielleicht überredet oder gar gezwungen worden seien mitzukommen, ganz besonders herzlich begrüßte, es musste wirklich niemandem leid tun, dass er dieses Konzert besucht hat, ganz im Gegenteil.


Mag ja sein, dass Rainhard Fendrich früher mehr das weibliche Publikum angesprochen hat, vor allem dank seines Schmachtfetzens »Weilsd a Herz hast wia a Bergwerk«, aber diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei. Und geben wir es ruhig zu: Sympathisch, vergnüglich und vielseitig war der in Wien geborene Liedermacher, Schauspieler und Moderator schon immer gewesen, ob mit Gassenhauern wie »Strada del Sole«, amüsant sozialkritischen Songs wie »Tango Korrupti«, oder dem populären Partylied »Macho Macho«.

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Jetzt hat Rainhard Fendrich im ausverkauften Traunreuter k1 sein aktuelles Album und das gleichnamige Programm »Meine Zeit« vorgestellt, am Klavier begleitet von Dieter Kolbeck, und dabei erneut seine Qualitäten als erstklassiger Sänger/Songwriter bewiesen. Aber es waren nicht nur die Lieder, mit denen er überzeugte: Auch als Entertainer (inklusive einer gegen Ende des Konzerts gebotenen Jodeleinlage) nahm er die Besucher sofort für sich ein und erzählte gutgelaunt und mit viel Witz aus seiner nun schon drei Jahrzehnte währenden, höchst erfolgreichen Karriere. Entführte er das Publikum zu den Schauplätzen seiner Kindheit und Jugend, etwa zur Geisterbahn im Wiener Prater, wo er standhaft »dem Tod ins Auge geblickt hatte«, oder auf den Schulhof zu Frieda, »der Göttin der Hofpause«. Schön ironisch auch seine Anmerkungen zur Finanzkrise: »Die ganze Welt hat Schulden – bitte, bei wem?«, verknüpft mit dem Song »Luise«, in dem er das Streben der Menschen nach Geld und Luxus aufs Korn nahm. Oder nach Berühmtheit wie in seinem Lied vom »Partyluder«, dem es vermutlich egal ist, dass Luder in der Jägersprache eine Lockspeise, sprich: stinkendes Stück Fleisch, für das Wild bedeutet.

Der Höhepunkt des Konzerts war für mich aber sein Bekenntnis zu seiner, zu »My Generation«, ein fetziger, mitreißender und überdies tief persönlicher Song, in dem Fendrich Bilanz zog und glaubwürdig feststellen konnte: »My Generation, die hat sich einen Applaus verdient, war net deppert und net blind.«

Nach der Pause standen dann seine älteren Songs auf dem Programm, neben einigen bereits erwähnten noch Hits wie »Autofriedhof« oder »Blond« und natürlich auch »I am from Austria«, Österreichs heimliche Bundeshymne. Und wie bei jedem Konzert erinnerte Fendrich an seinen 2007 leider viel zu früh verstorbenen Freund und Austria-3-Sängerkollegen Georg Danzer, den »uneingeschränkten König des Wiener Chansons«, dessen »Lass mi amoi no d'Sunn aufgeh' segn« wohl jedem Besucher unter die Haut ging.

Und was für eine wunderschöne Ballade das Lied vom »Herz wia a Bergwerk« eigentlich ist, wenn es bedächtig und zurückhaltend, nur von sparsamen Klavier- und Gitarrenklängen getragen interpretiert wird, das durften wir nach weit über zwei Stunden feinster Unterhaltung als allerletzte Zugabe auch noch miterleben. Wolfgang Schweiger