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Einer, der die richtigen Fragen stellt

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Reicht die Luft? Die NUTS-Bühne wurde zum Banktresor für den Kabarettisten Claus von Wagner. (Foto: B. Heigl)

Der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS die Treue zu halten ist nicht schwer, denn der Charme der Kleinkunstbühne, wo die Künstler einem so nah sind, als wären sie gute, alte Bekannte auf Besuch im eigenen Wohnzimmer, geriert für beide Seiten einen hohen Wohlfühlfaktor. Trotzdem ist es natürlich besonders toll, wenn ein Künstler wie der Kabarettist Claus von Wagner, trotz seiner Popularität, dem NUTS die Treue hält.


Auch Wagner hält die Theaterfabrik für ein ganz besonderes Kleinod, das es zu unterstützen gilt, denn in der Zeit vor seiner Fernsehkarriere mit der Satiresendung »Die Anstalt« hat die Kulturfabrik NUTS den damals noch unbekannten Künstler unterstützt, sein Potential erkannt und ihm die Bühne zur Verfügung gestellt. Mit seinem Programm »Theorie des feinen Menschen« ist er nun schon zum zweiten Mal in Traunstein gewesen, wieder vor ausverkauftem Haus. Es handelt sich um Systemkritik vom Feinsten, weil Wagner sich die richtigen Fragen stellt. Sein pointierter Galgenhumor ist zudem Garant dafür, dass Herz und Hirn der Zuschauer gleichermaßen Futter bekommen. Es ist herrlich, wie er sich auf dem Tisch windet, weil er glaubt, keine Luft mehr zu bekommen, als ihm am Telefon von einem Mitarbeiter der Bank erklärt wird, der Ventilator sei ausgefallen und man könne ihn aus dem Banktresorraum, in dem er aus Versehen eingeschlossen wurde, – er sichtet dort die Unterlagen seines gerade verstorbenen Vaters – erst am nächsten Morgen befreien.

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Dabei stößt Wagner auf merkwürdige Codewörter des Finanzjongleurs, der sein Vater war, und andere Seltsamkeiten wie den kryptischen E-Mail-Verkehr mit einem großen Finanzhai, der vor Zynismus nur so strotzt, und die hässliche Fratze des Turbokapitalismus offenbart. Und die Fragen, die sich ihm daraufhin stellen, wer sein Vater denn eigentlich wirklich war, sind mehr als unbequem.

Ja, was ist das überhaupt für eine Theorie, die »Theorie der feinen Menschen«, um das sich Claus von Wagners Stück ja eigentlich dreht? Seine Wut, mit der er diese knifflige Frage fast schon schäumend beantwortet, kann sich hören lassen, und lautete in etwa so (In etwa deswegen, weil der Notizblock der Berichterstatterin verloren gegangen ist): »Man spendet größere Beträge, wenn man gerade Lust hat, und gibt das dann als hehre Hilfsbereitschaft aus, während man weiterhin im großen Stil die Arbeitnehmer und die sozial Schwachen ausbeutet. Feudalherrschaft im 21. Jahrhundert? Keine Würde für das gemeine Volk, nur Almosen!« Barbara Heigl