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Eines Kardinals winzige Privatkapelle

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Blick in die restaurierte Kapelle. (Foto: Kriechbaum)

Ein kleiner Altar, davor ein Betschemel, in einer Ecke ein Beichtstuhl – was man halt so brauchte für die private Andacht als Salzburger Fürsterzbischof um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der kleine Andachtsraum in der Salzburger Residenz wurde nun restauriert und ist künftig wieder zugänglich.

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Neue Hausherren brachten neue Geschmäcker mit. Friedrich Fürst von Schwarzenberg kam 1835 – erst 26 Jahre alt – auf den Salzburger Erzbischofsthron. Bald wurde er Kardinal. Anlässlich der Ernennung reiste er nach Rom, und er nutzte die Gelegenheit zu einer Kunstreise weiter nach Süditalien und Sizilien.

Die normannische Gotik hatte es ihm und seinem Begleiter, dem Maler Georg Pezolt, angetan. Und so gab der junge Kardinal bei Pezolt eine Privatkapelle für die Salzburger Residenz in Auftrag. Es fand sich ein ungenutzter kleiner Raum. 1844 war sie fertig. »Der österreichische Historismus steckte damals noch in den Kinderschuhen – dieser kleine Andachtsraum ist kunstgeschichtliche Avantgarde« heißt es in einem Heftchen, das vom Bundesdenkmalamt herausgegeben wurde.

Beim Rundgang durchs DomQuartier kann man das wiedererstandene neugotische Kleinod ab sofort besichtigen. 220 000 Euro hat die Restaurierung gekostet. Kardinal Schwarzenberg wurde dann Erzbischof in Prag. Nach seinem Weggang interessierte die Privatkapelle niemanden mehr, sie wurde wieder zur Rumpelkammer. Schwarzenberg war ja der letzte (und nach der Säkularisation einzige) Kirchenfürst, der in der Residenz wohnen durfte.

Aber das Inventar war noch aufzustöbern. Die Wände wurden übermalt, aber »zu sechzig Prozent ist die neugotische Schablonenmalerei erhalten«, so die Salzburger Landeskonservatorin Eva Hody. Vieles, aber nicht alles konnte rekonstruiert werden: »Auch eine mit Schablonenmalerei ausgestaltete Wand trägt eine Handschrift«, erklärt Hody. Deshalb sind die Fehlstellen kenntlich geblieben, ebenso wie jene am Fenster, das es den Kunsthistorikern besonders angetan hat. Die Scheiben sind zwar nur zu einem guten Drittel erhalten, aber diese Fragmente sind die frühesten Zeugnisse einer neugotischen Glas-Malkunst, die in der zweiten Jahrhunderthälfte aufblühte. Das Fenster hat auch wichtigen Anteil für die Lichtstimmung im Raum.

»Einer der ersten historistischen Räume in Österreich«, sagt der Diözesankonservator Roland Kerschbaum. Und so viel Neugotik gibt’s ja nicht in der Stadt: der Turm der Franziskanerkirche, Details in der Katharinen-/Mariazeller-Kapelle im Friedhof von St.Peter, das Schloss Anif.

Die nun neu erstandene Schwarzenbergkapelle erinnert auch an andere Kultur-Leistungen dieser »Zwischenepoche«. Kardinal Schwarzenberg war kulturell interessiert und förderte auch die Gründung des Dommusikvereins/Mozarteum und des Kunstvereins (beides 1844). Und sein »Hauskünstler« Georg Pezolt wurde in einer Epoche, in der das Interesse am kunstgeschichtlichen Erbe erwachte, der erste Denkmalschützer Salzburgs. Dabei mag er gelegentlich übers Ziel hinausgeschossen haben: Die Fürstenzimmer der Festung sind ja keine historischen Räume, sondern weitgehend historisierende Erfindung des Malers.

Reinhard Kriechbaum

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