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Einmal Hölle und zurück

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Geschafft: Rad-Ikone Rainer Popp beendete zum zehnten Mal das brutal schwere »Race across the Alps« mit Start und Ziel in Nauders über 540 Kilometer und 14 000 Höhenmeter. (Foto: privat)

Der Ausdauersportler Rainer Popp aus Schönau am Königssee saß bereits eine Woche nach seinem Parforce-Ritt beim Kriterium von Graz zum Großglockner beim nächsten Radklassiker wieder im Sattel – dem »Race across the Alps«. Das härteste Eintages-Radrennen der Welt über 540 Kilometer und unglaubliche 14 000 Höhenmeter im tirolerischen Nauders fand bereits zum 17. Mal statt.


Bei diesem Kletterinferno über elf Berge kannte Popp nur ein Ziel: nach dem Salzburger Paul Lindner als zweiter Fahrer der Geschichte das »RATA« zehnmal zu bezwingen. Der Rad-Oldie wusste sehr wohl, dass die Regenerationszeit vom letzten schweren Rennen zum Glockner zu kurz war. Dementsprechend vorsichtig agierte Popp in der Anfangsphase, wo gleich das Stilfser Joch anstand. Danach folgten der Gavia Pass, Aprica und der berüchtigte Mortirolo.

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Zwar gab es dieses Jahr keinen Regen und Unwetter, aber dafür große Hitze. Im Raum um Tirano zeigte das Thermometer um Mitternacht noch über 30 Grad. Nach 220 Kilometern musste der 57-Jährige seinem großen Rennen vor Wochenfrist Tribut zollen und bekam ernsthafte Schwierigkeiten. Bestens unterstützt und verpflegt von seinem langjährigen Betreuer Peter Birgmann sowie erstmalig Toni Schuster quälte sich das Marathon-Urgestein den 33 Kilometer langen Anstieg über den Bernina Pass und des Weiteren hinauf zum Albula sowie nach Davos zum Flüela. Popp kam regelrecht auf dem Zahnfleisch daher, doch aufgeben wollte er auf keinen Fall. Nach dem Ofenpass wartete zunächst der Umbrail und danach noch einmal der Aufstieg zum Stilfser Joch. Popps langjähriger Straßengefährte Paul Lindner war wie viele andere schon ausgeschieden. Der »Pauli« stürzte in einem unbeleuchteten Tunnel, kam dabei aber glimpflich davon. Mit den wirklich allerletzten Reserven kämpfte sich Rainer Popp ein zweites Mal zum Stilfser Joch auf 2 752 Meter Seehöhe, dem höchsten Punkt dieses Wahnsinnsrennens.

Starker Ausflugverkehr auf der engen Abfahrt forderten noch einmal höchste Konzentration, bevor vor den Fahrern als elfter und letzter Anstieg der Reschenpass zurück ins Ziel nach Nauders lag.

Nach 29:38 Stunden wurde der sichtlich gezeichnete Athlet wie alle anderen Helden der Landstraße im Festzelt von Nauders gebührend empfangen und gefeiert. Mit dem 16. Platz im Gesamtklassement war Popp zufrieden, denn wie zumeist war er wieder einmal der Älteste im Feld. Innerhalb einer Woche saß Oldie Popp über 50 Stunden ohne Schlaf auf seinem Velo. Dabei bezwang der Bergspezialist über 23 000 Höhenmeter, was etwa 23 Auffahrten zum Roßfeld entspricht. In den nächsten Tagen steht für Rainer Popp erst einmal Regeneration auf dem Programm, bevor die Vorbereitungen für das »Race around Austria« beginnen. Großartiger Sieger des »Race across the Alps« wurde wie schon im Vorjahr der deutsche Robert Petzold, aktueller Weltrekordhalter über 24 Stunden. cw