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Einmalige Musik

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Symbolbild Foto: Bad Reichenhaller Philharmonie

»Diese Musik ist so großartig, so einmalig«, sagte Christian Simonis in seiner Moderation zu den Auszügen aus dem »Zigeunerbaron« von Johann Strauss beim Bad Reichenhaller Strauss-Festival. Unwiderstehlich bezaubern die Wiener Klänge stets aufs Neue.


Unter Simonis' Leitung gaben sich die Bad Reichenhaller Philharmoniker als spritziges, Funken sprühendes Walzer- und Operettenorchester. Da pulsierte echtes Wiener Blut in der Ouvertüre zum »Zigeunerbaron«, in Carl Michael Ziehrers Walzer »Samt und Seide« oder in dessen mit pfiffigen Piccolo-Obertönen ausgestatteten Ouvertüre zur Operette »Die Landstreicher« sowie beim verzögerten Dreivierteltakt im richtigen Moment.

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Als charmante Novitäten überraschten der »Abschiedswalzer« von Constanze Geiger, bei der das Horn sehr schön mit einer variierten Posthornmelodie herausragte, und die Polka »Schlau, schlau« von Johann Strauss III, flott gespielt mit dem rechten Pfiff der Piccoloflöte. Constanze Geiger (1835 bis 1914) war eine gefeierte frühreife Pianistin, Komponistin, Sängerin und Schauspielerin. Mit 13 Jahren schrieb sie 1848 den Walzer, dessen Klavierfassung Professor Norbert Linke 2014 für Orchester instrumentierte. Der dritte Johann Strauss war der Sohn von Eduard Strauss, dem jüngeren Bruder des ruhmreichen zweiten Johann. Der Wiener Komponist Carl Michael Ziehrer wurde hier mit seinen Melodienfolgen zu seinem 175. Geburtstag gewürdigt. Trotz der Übermacht der »Sträusse« hat er sich 40 Jahre lang als erfolgreicher Komponist gehalten und wurde schließlich der letzte k.+k. Hofball-Musikdirektor von Kaiser Franz Josef, der meinte, Ziehrers Musik wärme ein altes Herz. Ziehrer repräsentiert bis heute, ebenso wie die Sträusse, das wienerische Flair.

Wiener Blut pulsiert auch in den Adern von Wolfgang Dosch. Der Tenor, Schauspieler, Regisseur und Professor ist ein Original voll sprühenden Temperaments. Mit umwerfender Bühnenpräsenz und komödiantischer Mimik und Gestik servierte er seine Couplets solistisch wie im Ensemble mit unnachahmlich spritzigem Witz und Feuer: Köstlich in Ziehrers »So dünn, dünn war die Leopoldin« oder im Duett »Ich bin der Prodekan« aus »Der Vogelhändler« von Carl Zeller, der als k.+k. Ministerialrat nebenberuflich komponierte.

»Als flotter Geist« im Auftrittslied des Barinkay und im Duett »Wer uns getraut« aus dem »Zigeunerbaron« gefiel der Koreaner Wonjong Lee mit schönem Tenor und guter Präsentation. Eine reizende »Christel von der Post« gab Hanyul Jeung in charmant beweglicher Darstellung und hübscher Stimme mit Höhenglanz. Jeung, in Korea und Wien ausgebildet, geht 2018/19 zum Masterstudium nach Berlin. Dorit Machatsch sammelte optisch Punkte, aber ihr klang-armer Sopran war leider »dünn wie die Leopoldin«. Vor allem als Saffi, die eine tragfähig aufblühende Opernstimme erfordert, war sie fehlbesetzt.

Der lyrische Wiener Bariton Michael Weiland fügte sich unauffällig ins Ensemble. Bariton Alois Walchshofer ist zwar auftritts- und operettenerfahren, weiß aber offenbar nicht, wann es stimmlich Zeit ist, der Bühne ade zu sagen. Das große Lob für einen insgesamt fabelhaften Wiener Konzertabend gehörte vor allem Christian Simonis, Wolfgang Dosch und den Bad Reichenhaller Philharmonikern. Elisabeth Aumiller