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Einsame Spitze auf 24 Saiten

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Das Machado Quartett mit virtuoser Gitarrenmusik im Isinger Saal mit (von links) Ingo Veit, Stefanie Kobras, Bernhard Prüflinger und Perry Schack. (Foto: Benekam)

»Zum Saisonabschluss ein volles Haus, was will man mehr?«, sagte sich das Team des Vereins KulturGut Ising. Nach einer erfolgreichen, fünften Spielzeit freute man sich über die zahlreichen Besucher, die sich das Konzert mit dem Machado Quartett im Isinger Saal nicht entgehen lassen wollten.


Wer an gewöhnliche Akustikgitarrenmusik denkt, der assoziiert dieses Instrument als Song- oder Liedbegleiter. Was die vier Gitarrenvirtuosen im Isinger Saal boten, sprengte die Grenze des Vorstellbaren und zeigte, dass die Gitarre weitaus mehr zu bieten hat. Visuell macht ja so eine Gitarre mit ihrem Spieler im Vergleich zu manch anderem Instrument nicht gerade viel her: der Gitarrist sitzt, wirkt eher introvertiert, bewegt sich wenig und klampft auf seinen sechs Saiten, schlägt sie an oder zupft. Aber akustisch lässt sich da, wie die erstaunten Zuhörer beim Konzert der vier Saitenvirtuosen Stefanie Kobras, Bernd Prüflinger, Ingo Veit und Perry Schack erleben durften, das Klangspektrum gehörig erweitern.

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Die ersten Töne, die erklangen, erinnerten an das Geräusch eines tropfenden Wasserhahns, ein Plätschern von Wasser, welches in Tempo und Lautstärke langsam anschwoll, wie Wolken, die sich auftürmen, um sich schließlich in einen Gewitterregen zu ergießen. Dieses Klangerlebnis stammt aus der Feder von Gaspar Sanz und trägt den Titel »Canarios«. Mit einem großen Sprung zurück ins 16. Jahrhundert bekamen die Zuhörer im Anschluss drei variationsreiche Stücke von Henry Purcell, Michael Praetorius und Thomas Morley zu hören.

Auch zwei Werke Astor Piazzollas, einem argentinischen Bandoneon-Spieler und Komponisten, stellten sich umarrangiert (Bernd Prüflinger) nicht nur als gitarrentauglich, sondern gar als echte Offenbarung heraus. Piazzollas »Libertango« ist viel gespielt, oft von großen Sinfonischen Orchestern, ein Werk von umwerfender Schönheit. Dem Machado Quartett gelang ein respektables Arrangement auf 24 Saiten, das sich hören lassen konnte und von den Konzertbesuchern mit großem Applaus bedacht wurde.

Auch in Sachen Eigenkompositionen besticht das Quartett, wie man in dem Stück »Insomnia« oder »Tickin’« (beide von Bernhard Prüflinger) hören konnte. Zu »Tickin’« wurde den Zuhörern eine schöne Einleitung vorausgeschickt: in dem Werk geht es um die Zeit oder vielmehr um die Anschauung, dass Zeit nur eine Methode ist, um Veränderung messbar zu machen und Musik die Kunst ist, die ihre Wirkung mit der Wiederholung erzielt. Der philosophische Inhalt dieser Worte spiegelte sich tatsächlich in wunderbarer Gitarrenmusik wider: das Klopfen der Finger auf dem Gitarrencorpus klang wie ein Metronom, dessen Rhythmus bald von gezupften Akkorden übernommen wurde.

Damit’s auch was zu lachen gab, überraschten die vier Gitarrenvirtuosen mit einer Art gitarristischer Pantomime: Zu Leo Brouwers »Danza Caracteristika« wurde synchron mit Blicken eine lästige Fliege verfolgt und am Ende des Stückes mit stampfendem Fuß eliminiert. Mit umarrangierten Werken aus der Klassischen Musik von Telemann und Haydn bewiesen die »Machados« ihre musikalische Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit.

Am Konzertende waren die Fingerkuppen offenbar, trotz intensiven Einsatzes, immer noch nicht wund: Zu drei Zugaben ließen sich die Musiker hinreißen. nach einem Flamenco und der Beatles-Nummer »All you need is love« wurden die Zuhörer dann von beiden Seiten angespielt. Zwei »Machados« setzten sich in die letzte Reihe ins Publikum, die anderen blieben auf der Bühne sitzen. So lauschte man einem echohaft gespielten Landler und fühlte sich von den schönen Gitarrenakkorden umschmeichelt. Heftiger Applaus begleitete das Quartett in den verdienten Feierabend. Kirsten Benekam