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Einsatzleiter nach tödlichem Geisterfahrer-Unfall auf A8 im Interview

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Geisterfahrerunfall auf A8 fordert Toten – zwischen Grabenstätt und Bergen
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Ein 85-jähriger Geisterfahrer aus dem Landkreis Traunstein krachte am Mittwochnachmittag auf der A8 mit seinem Fiat Panda (im Bild) frontal mit zwei entgegenkommenden Autos zusammen. Der Senior verstarb noch an der Unfallstelle, fünf weitere Personen wurden schwer verletzt. Foto: FDL/Lamminger

Grabenstätt – Bei einem schweren Unfall mit einem Geisterfahrer auf der Autobahn 8 zwischen Bergen und Grabenstätt kam am Mittwochnachmittag ein 85-jähriger Autofahrer ums Leben, fünf weitere Personen wurden schwer verletzt. Die A8 war bis in die Abendstunden gesperrt.

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Update, Donnerstag, 15.48 Uhr:

Der Einsatzleiter der Polizei, Thomas Dangl, erklärt gegenüber der Presseagentur FDLnews, wie man nach der Meldung über den Geisterfahrer auf der A8 vorgegangen ist. Nachdem der Falschfahrer an der Anschlussstelle Grabenstätt in falscher Richtung aufgefahren war, kam es schon fast zum ersten Zusammenstoß – ein Tesla-Fahrer konnte jedoch noch rechtzeitig ausweichen und steuerte sein Fahrzeug in die Mittelleitplanke.

Erst rund zwei Kilometer weiter kam es dann zur ersten, seitlichen Kollision mit einem BMW und dem zweiten, frontalen Zusammenstoß mit einem VW Caddy. Dabei wurde der Geisterfahrer aus seinem Wagen geschleudert und tödlich verletzt.

Doch wie gehen die Einsatzkräfte eigentlich im Falle einer Geisterfahrermeldung vor, um derartige Unglücke zu vermeiden? Zuerst wird die Falschfahrermeldung über den Verkehrsfunk gesteuert, erklärt Dankl – entsprechende Meldungen kennen wir aus dem Radio und Navigationsanwendungen. Umgehend danach sperrt die Polizei mit ihren Dienstwägen die Anschlussstellen in der Umgebung ab, um zu verhindern, dass weitere Fahrzeuge auf die Autobahn auffahren.

Anschließend wird in Richtung des Falschfahrers eine sogenannte "Drosselfahrt" durchgeführt, um den Geisterfahrer vom nachfolgenden Verkehr zu trennen. So werden die Autofahrer rechtzeitig gewarnt und der Verkehr ohne größere Gefahren zum Stillstand gebracht.

"Natürlich muss man einen kühlen Kopf bewahren, um das Ganze zu strukturieren und die Streifen einzuteilen", so der Einsatzleiter auf die abschließende Frage, was einem Polizisten in einer derartigen Gefahrensituation durch den Kopf geht. "Gleichzeitig hofft man, dass es nur eine Fehlmeldung war."

Autofahrer, die eine Geisterfahrermeldung im Radio hören oder über ihr Navigationsgerät mitbekommen, sollten langsam und weit rechts fahren und den vorausfahrenden (Gegen-)Verkehr immer gut im Blick halten. Auf keinen Fall sollte überholt werden.


 

Update, Donnerstagmorgen: Polizeibericht

Wie die Polizei mitteilt, fuhr der 85-jährige Fiat-Fahrer gegen 14 Uhr an der Anschlussstelle Grabenstätt als Geisterfahrer auf die Richtungsfahrbahn München der A8 auf. Im Bereich der Anschlussstelle konnte der Fahrer eines Teslas nur durch Ausweichen in die Mittelleitplanke einen Frontalzusammenstoß vermeiden.

Nach etwa zwei Kilometern Falschfahrt kollidierte der Fiat-Lenker seitlich mit einem BMW und gleich darauf frontal mit einem VW Caddy, in dem sich vier Frauen befanden.

Beim Aufprall wurde der 85-jährige Fahrer aus dem Gemeindegebiet Vachendorf aus seinem Fahrzeug geschleudert und verstarb noch am Unfallort. Der 52-jährige BMW-Fahrer aus München wurde mittelschwer verletzt. Die vier Damen aus dem Raum München im VW Caddy wurden alle schwer verletzt und mussten mit dem Rettungsdienst in umliegende Krankenhäuser gebracht werden.

An den beteiligen Fahrzeugen entstand Sachschaden von über 50.000 Euro. Die Autobahn musste in Fahrtrichtung München für etwa fünf Stunden gesperrt werden. Eine örtliche Umleitung war eingerichtet. Auch in Richtung Salzburg wa die linke Spur teils gesperrt – es kam in beiden Richtungen zu kilometerlangen Staus. 

Am Unfallort waren zwei Notarzteinsatzfahrzeuge des BRKs, ein Rettungshubschrauber mit Notarzt, ein Sanitätseinsatzleiter mit Unterstützungsgruppe, ein Einsatzleiter Rettungsdienst, zwei Fahrzeuge der SEG und vier Rettungswägen.

Die Feuerwehren aus Bergen, Holzhausen, Siegsdorf und Grabenstätt waren mit insgesamt 49 Einsatzkräften vor Ort. Die Autobahnmeisterei Siegsdorf übernahm die Absperrung des Streckenabschnitts sowie die Absicherung und Umleitung des Verkehrs.

Zur Aufklärung der Unfallursache wurde von der Staatsanwaltschaft Traustein ein Gutachter beauftragt. Außerdem wurden die beteiligten Fahrzeuge sichergestellt.

Zeugen, die das Einfahren des Geisterfahrers auf die Autobahn bemerkt haben, sollen sich bitte umgehend bei der Verkehrspolizei Traunstein unter Telefon 08662/66820 melden.

Update, Mittwoch, 17.18 Uhr:

Der 85-jährige Falschfahrer aus dem Gemeindegebiet Vachendorf war laut Informationen der Polizei mit seinem Fiat Panda um kurz nach 14 Uhr zwischen den Anschlussstellen Bergen und Grabenstätt in falscher Richtung auf die Autobahn Salzburg–München gefahren.

Noch ausweichen konnte der Fahrer eines BMW aus dem Raum München; er prallte jedoch an die Mittelleitplanke. Der Fahrer des BMWs wurde schwer verletzt. Der Fahrer eines weiteren entgegenkommenden VW Caddy, ebenfalls aus dem Raum München, stieß mit seinem Wagen mit dem des 85-Jährigen frontal zusammen. Dabei kam der Falschfahrer ums Leben, die vier Insassen im VW wurden schwer verletzt. Sie schweben nach Angaben der Polizei nicht in Lebensgefahr.

Vor der Unfallstelle bildete sich ein zehn Kilometer langer Rückstau. Die Autobahn in Fahrtrichtung München muss für die Unfallaufnahme und die Bergungsarbeiten vermutlich noch bis in die Abendstunden gesperrt werden. Die Staatsanwaltschaft ordnete ein unfallanalytisches Gutachten an. Im Einsatz waren am Unfallort ein Rettungs- sowie ein Polizeihubschrauber.

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Foto: FDL/Lamminger

Update, 16.58 Uhr:

Gegen 14 Uhr wurde der Einsatzzentrale in Rosenheim ein Geisterfahrer auf der A8 zwischen Grabenstätt und Bergen gemeldet. Kurze Zeit später gingen einige Notrufe über mehrere Unfälle in diesem Bereich ein.

Der Falschfahrer war laut erster Einschätzung der Einsatzkräfte an der Anschlussstelle Grabenstätt auf die Richtungsfahrbahn München in Richtung Salzburg verkehrt aufgefahren. Wenig später kollidierte er frontal mit einem VW Caddy aus dem Raum München. Zudem krachte er auch noch in einen BMW, ebenfalls mit Münchner Kennzeichen.

Der Unfallverursacher verstarb noch an der Unfallstelle. Insgesamt wurden fünf weitere Personen schwer verletzt. Die Autobahn wird in Richtung München noch für mehrere Stunden gesperrt bleiben, da noch ein Staatsanwalt und ein Gutachter an die Unfallstelle kommen. red/FDL

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Foto: FDL/Lamminger

Update, 16 Uhr:

Laut ersten Informationen der Einsatzkräfte von der Unfallstelle soll bei dem schweren Zusammenstoß eine Person ums Leben gekommen sein; mehrere weitere Insassen erlitten schwere Verletzungen. Neben einem Falschfahrer sind zwei weitere Fahrzeuge an dem Unfall beteiligt.

Der Geisterfahrer war bei Grabenstätt in falscher Richtung auf die Autobahn aufgefahren und mit zwei entgegenkommenden Autos kollidiert.

Die A8 bleibt zwischen Bergen und Grabenstätt bis auf weiteres gesperrt. Es könnte noch mehrere Stunden dauern, bis die Strecke wieder freigegeben wird.

Erstmeldung, 14.20 Uhr:

Zu einem schweren Unfall mit einem Falschfahrer kam es heute Nachmittag auf der Autobahn 8 zwischen den Anschlussstellen Bergen und Grabenstätt. Laut Informationen der Polizei soll ein Falschfahrer beteiligt sein.

Der Unfall passierte gegen 14.15 Uhr in Fahrtrichtung München. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd unserer Redaktion mitteilt, soll ein Geisterfahrer in den Unfall verwickelt sein.

Die Richtungsfahrbahn München der Autobahn ist derzeit komplett gesperrt. Eine Umleitung wird aktuell eingerichtet – Verkehrsteilnehmern wird die U12 empfohlen. Autofahrer sollten unbedingt darauf achten, eine Rettungsgasse für die Einsatzfahrzeuge freizuhalten. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sind vor Ort. Die Verkehrspolizei Traunstein wird später Details zu dem Unglück bekannt geben.

Weitere Informationen und Bilder von der Unfallstelle folgen.

red