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»Eisschnelllauf ist die beste Altersprophylaxe«

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Das passt zusammen: Günter Traub und Inzell. Der Sportler, hier im Ortszentrum von Inzell, findet hier die optimalen Trainingsbedingungen vor. (Foto: Mergenthal)

Günter Traub, der in der aktuellen Saison noch etliche Erfolge und Weltrekorde in seiner Altersklasse erlief, feiert am heutigen Mittwoch seinen 80. Geburtstag. »Eisschnelllauf ist die beste Altersprophylaxe«, betont das Ehrenmitglied des DEC Inzell. Seine bahnbrechenden Erfindungen und Methoden holten den Eisschnelllaufsport in Deutschland Anfang der 60er Jahre aus dem Dornröschenschlaf.


Zwischen 1956 und 1969 war er 39-maliger Deutscher Meister im Eis- und Rollschnelllauf. Er erlief in dieser Zeit 42 Deutsche Rekorde, 15 Weltrekorde und vier Weltmeistertitel. »Ohne Inzell, mit seinen einmaligen bioklimatischen Trainings-Voraussetzungen, hätte ich die damaligen großen internationalen Erfolge auf dem Eis nicht erreichen können«, erklärt er. Seine Augen blitzen, wenn er von seinen Pionier-Ideen erzählt, wie dem von ihm entwickelten Gleitbrett für ein effektives, ganzjähriges Eisschnelllauf-Imitationstraining. Seine extrem schlanke, athletische Figur kommentiert der gebürtige Schweinfurter scherzhaft: »Das ist wie beim Auto: Du brauchst einen guten Motor und eine leichte Karosserie.«

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Im Herbst 1959 hatte sich Traub über das Bundesinnenministerium zur Grundausbildung beim Gebirgsjägerbataillon 231 in Bad Reichenhall einziehen lassen, um fürs Training möglichst nahe bei Inzell und dem Frillensee sein zu können. Er »vernetzte« die Bundeswehr-Befehlshaber mit dem damaligen Inzeller Gemeindesekretär (und späteren Bürgermeister) Ludwig Schwabl sowie Bürgermeister Fries. Viele der Reichenhaller Gebirgsjäger halfen beim Schneeräumen am Frillensee mit. Durch seine sportliche Bekanntheit holte Traub auch viele wichtige Medienleute nach Inzell.

Vor allem revolutionierte er die Trainingsmethoden. Er übte nicht nur einmal täglich am Frillensee wie alle anderen Deutschen, sondern an drei bis vier Wochentagen zusätzlich am Nachmittag, teils sogar in der Nacht, was ihm den Spitznamen »Mondscheinläufer« eintrug. Er ließ sein Training sportmedizinisch begleiten und wissenschaftlich steuern, und er setzte ein Pulsmessgerät für das Intervalltraining ein. Seine Muskeln pflegte er durch Physiotherapie und Saunabesuche – beides damals noch unüblich – und fuhr die 90 Kilometer in die Salzburger Paracelsus-Sauna, die einzige weit und breit, öfter mit dem Rennrad.

1965 erhielt er als erster deutscher Eisschnellläufer die höchste verliehene sportliche Auszeichnung in Deutschland, das »Silberne Lorbeerblatt«. Nach der Ausbildung zum Diplom-Sportlehrer betreute Traub die Olympia-Eisschnelllauf-Teams in den USA (1969 bis 1970) und in Italien (1970 bis 1972). Die Rennanzüge aus dem Skiabfahrtssport brachte Traub durch das erfolgreiche Coaching des Schweizer Alters-Eisschnellläufers Franz Krienbühl in den Eisschnelllaufsport. Von einem schweren Trainingsunfall in den USA mit 23 Knochenbrüchen 1970 genas er durch ein selbst gestaltetes Reha-Training.

»Wir müssen nicht nur das Auto tunen, sondern auch den Menschen« – unter diesem Motto machte Günter Traub seit 1972 mit selbst entwickelten Methoden Autorennfahrer wie Jackie Stewart, Niki Lauda, Hans-Joachim Stuck oder Michael Schuhmacher psychisch und körperlich fit. Pionier war Traub auch mit seinem alpinen Höhentraining in St. Moritz mit Teilnehmern wie König Juan Carlos, Herbert von Karajan oder Niki de Saint Phalle.

»Meine Idee war, das auch dem Ottonormalverbraucher zugänglich zu machen. Jetzt mach ich’s für mich selber und schau, was man in diesem Alter noch erreichen kann.« Als 1998 die Klappschlittschuhe aufkamen, reizte es ihn, diese auszuprobieren, und er feierte mit 60 Jahren als Senioren-Weltmeister sein Comeback. Dreimal wurde er Masters-Weltmeister. 2002 lief er mit 63 Jahren die 5000 Meter in 7:51 Minuten, eine Sekunde schneller als 1964 in Innsbruck bei den Olympischen Winterspielen.

Eine Prostata-Operation zwang ihn zu einer langen Pause, bis 2011 der Neuanfang gelang. Nach weiteren gesundheitlichen Rückschlägen genießt er heuer seine gute Form. »Ich trainiere und laufe nicht nur fürs persönliche Ego, sondern vor allem aus wissenschaftlichem Interesse«, betont er. »Was lässt sich mit richtigem Training und entsprechend disziplinierter Lebensführung mit gesunder Ernährung, Entspannung, Meditation, angepasstem Ausdauer- und Imitationstraining in meinem Alter von 80 Jahren noch erzielen?« Gerade die hochkomplexe Sportart Eisschnelllauf, die Koordination, Beweglichkeit und Flexibilität, Balance und Geschicklichkeit erfordert, sei durch das Training dieser Faktoren eine hervorragende Altersprophylaxe.

»Durch meine Krankheiten und Unfälle weiß ich, wie mies man sich fühlen kann, wenn man sich nicht bewegen, nicht trainieren kann.« Der Sport sei sein Lebenselixier: »Ich fühle mich viel jünger, geistig bist du reger.« Die Vergleichbarkeit der Leistungen bei den Masters reizt ihn. Für ihn ist der Erfolg nicht primär, aber laufen möchte Traub, solange es seine Gesundheit erlaubt. Veronika Mergenthal

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