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Chiemgauer Musikfrühling: Duo Gansch/Breinschmid brillierte beim Jazzkonzert im k1

Elektrisierende Virtuosität und Wiener Schmäh

In eine faszinierend neue Welt des Duospiels entführte das Duo Gansch/Breinschmid mit Trompete und Kontrabass im Traunreuter k1 im Rahmen des Chiemgauer Musikfrühlings. In erfreulicher und erfrischender Weise setzten sie das Motto des Abends um: »Jazz it!« brachte eine konfliktfreie Integration von Wagner, Johann Strauß, Wienerlied, Schlager, Operettenseligkeit und Popmusik mit innovativem Jazz, mit sensationellen Improvisationen.

Die Musiker Georg Breinschmid und Thomas Gansch bei einer ihrer weitgespannten Improvisationen im Traunreuter k1. (Foto: Kaiser)

Georg Breinschmid wurde 1973 in Amstetten geboren, Thomas Gansch kam 1975 in St. Pölten auf die Welt und wuchs in Melk auf. Beide stammen also aus der tiefsten Provinz Niederösterreichs – vielleicht ist das mit ein Grund für ihr »weites musikalisches Gewissen«. Beide studierten an der Wiener Musikhochschule, Breinschmid klassischen Kontrabass, Gansch das Fach Trompete, und zwar seit seinem 15. Lebensjahr. Nach Tätigkeit bei den Wiener Symphonikern, dem Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester und den Wiener Philharmonikern befreite sich Breinschmid zum freiberuflichen Jazzmusiker und Komponisten mit Vorliebe zur Wiener Musiktradition aller Richtungen bis hin zu Balkanregionen; Gansch verbündete sich mit Kommilitonen zum Blasmusikensemble Mnozil Brass, dessen musikalischer Leiter und Moderator er bis heute ist.

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»Unter Donner und Lee« hieß ihre erste Nummer, auf die sie sich nach längerem verbalen Geplänkel einigten, eine frappierende Mischung aus Charlie Parkers »Donna Lee« und Johann Strauß´ Polka (»Sie wissen eh schon«). Von der (Un-)Verfügbarkeit der Liebe handelte »Geilomat«, mit »4/5« hörten wir »das schönste Stück des Abends«, das zärtlich intensiv und liebevoll begann und in heißen, glühend heißen Improvisationen endete. Plötzlich hielt der Trompeter ein Schild mit »Fuck the Fis« hoch, weil er »Fis« für einen depperten Ton hält; doch der Bassist erklärte ihm, dass man aus dem Bratpfannenhersteller Fissler ja auch den Landvogt Gessler machen könnte. »Sie müssen entschuldigen, wenn wir viel Blödsinn reden – aber wir sind halt so!« Es gab überhaupt viel zum Lachen und Schmunzeln, aber einige schwache, plattfüßige Kalauer waren schon auch dabei.

»Jabistdudenndeppert« brachte eine verrückte Stilmischung mit viel bla, bla, bla. »I suach Noten, ohne dass i was, wos ma spuin« (Gansch) – daraus ergab sich ein »Spontan-Reggae«. Geradezu beängstigend war die »Alltagsgeschichte« vom Herbert Schnitzler und seiner Gedächtnis-Amnesie, bis ihm doch die vier Wärter »as Gwand olegn«. Die »Musette pour Elisabeth« beschwor »die goldene Zeit der Seefestspiele am Chiem«, verbunden mit einer liebevoll-bissigen Rothenberger/Heesters-Parodie – da saß jede Geste und Pointe. Singen können sie also auch!

Das Beste aber waren ihre Jazz-Improvisationen irgendwo nahe am Bebop und Free Jazz, langphrasig und intensiv ausgespielt, modulationsfreudig und ausdrucksstark, völlig losgelöst von dem übrigen Entertainment. So, faszinierend weitergedacht, endete auch »Low an Green« – wenn das Richard Wagner gehört hätte!

Von der »Blauen Donau« bis hin zu »Cent Boy med. Love« und »Lady Madonna« war für die beiden Vollblutmusikanten kein problematischer Weg. Sie versuchten auch, dem »Tod« seinen Schrecken in einer »volkstümlichen Fassung« zu nehmen – Thomas Gansch setzte dazu »sein Schlagergesicht« auf und intonierte: »Er dawischt an jedn, de Gscheitn und de Blädn«.

Mindestens dreimal »hörten sie auf«, und irgendwo bei diesen Abschiedsstücken gerieten sie auch an den »Florentiner Marsch«, dessen Trio auch in ihrer Fassung zum Dahinschmelzen schön klang. Engelbert Kaiser