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Elektro-Wende oder Diesel-Rehabilitation?

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Alles Auto: Bürgermeister Franz Rasp (M.) und Händler-Legende Bernd Buchwinkler im Gespräch mit einer Besucherin. (Fotos: Spranger)
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Bunter BMW: Die Raritäten-Ecke kam bei den Besuchern besonders gut an.
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Show-Cars in der Sonne: 15 Marken waren bei der Ausstellung vertreten.
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Muskelkraft und Körperbeherrschung statt PS und Elektronik: Stefan Eberharter zeigte sein Mountainbike-Können.

Berchtesgaden – Von einem Wandel in der Autobranche war bei der Berchtesgadener Automobil-Ausstellung am Wochenende auf den ersten Blick nichts zu spüren. Wunderschöne große Fahrzeuge, viele von ihnen ab 50 000 Euro aufwärts, buhlten um die Gunst der Besucher im AlpenCongress. 70 Modelle von 15 Automarken und ein attraktives Rahmenprogramm waren geboten. Seit 1973 findet die Schau alle zwei Jahre in Berchtesgaden statt.


Bürgermeister Franz Rasp freute sich über das Miteinander aller Autohäuser im inneren Landkreis und diese besondere Leistungsschau im Herzen von Berchtesgaden. Dabei bietet der großzügig renovierte Alpencongress mit großer Tiefgarage im Zentrum die besten Voraussetzungen. »Die Zeit für eine radikale Wende in der Autoindustrie ist noch nicht reif«, glaubt Rasp. »Die Stromnetze wären in einer Großstadt völlig überfordert, wenn der Anteil an Elektroautos innerhalb eines Jahres auf 50 Prozent klettern würde«, ist sich der Bürgermeister sicher. So hat die Marktgemeinde im Bauhof ein erstes E-Auto für Kurzstrecken im Einsatz, »und es wird bei den Mitarbeitern immer beliebter«, so Franz Rasp.

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Vernetzung des Verkehrs

Für Berchtesgaden sei die intelligente Nutzung und Vernetzung des Verkehrs zukunftsweisend, also ein gutes Zusammenspiel von Auto, Bahn, Bus, Rufbus und Taxi. »Experten sagen, dass es künftig nicht mehr darum gehe, ein Auto zu besitzen, sondern es zu nutzen«, so der Bürgermeister.

Ein Beleg dieses Umdenkens sehe er in den seit neun Jahren fahrenden Gratis-Gäste-Bussen in Verbindung mit den Park-&-Ride-Parkplätzen. »Im Sommer ist er immer voll, ja geradezu überfüllt in Richtung Salzburg, sodass wir zusätzliche Busse einsetzen müssen.«

Bei der Berchtesgadener Automobil-Ausstellung fällt der hohe Anteil der SUV auf. »Am liebsten mit Allrad«, sind sich viele Aussteller einig. Der Anteil liege bei manchen Modellen bei bis zu 70 Prozent. Hinter den Kulissen aber arbeiten immer mehr Hersteller an bezahlbaren und leistungsfähigen Elektroautos. »Ab 2020 kommen sie und das nach und nach für alle Modelle«, bestätigten einige Händler auf Nachfrage. Viele aber setzen auf Hybridantriebe, also auf einen konventionellen Benzinmotor mit einem Elektroantrieb, die sich gegenseitig ergänzen und so zu einer merkbaren Kraftstoffersparnis beitragen. »In Berlin etwa fahren heute 60 Prozent aller Taxis mit Hybrid und wir sind seit 20 Jahren damit erfolgreich auf dem Markt«, freute sich ein Händler.

Selbst bei dem weltweit größten Autohersteller in bester deutscher Tradition steht aktuell wieder ein SUV im Vordergrund, auch wenn es ihm auf den ersten Blick nicht gleich anzusehen ist. Natürlich gibt es dieses Modell auch mit einem Allrad-Antrieb. »Ob nun E-Autos oder Hybridantrieb, generell verbrauchen alle modernen Fahrzeuge heute rund 40 Prozent weniger Energie als noch von 20 Jahren.

Dabei ist das Gewicht deutlich gestiegen, signifikant wird das allein schon an den schweren, großen Reifen«, bekräftigte der Händler und bringt damit auch seinen Zweifel an der aufgeheizten öffentlichen Diskussion um Fahrverbote zum Ausdruck. »Es kann nicht sein, dass ein Familienvater, der ein älteres Modell fährt und wirtschaftlich haushalten muss, quasi kriminalisiert wird, weil er nicht das neueste und sauberste Auto fährt.«

Eindrucksvolle Leistungsschau

Es waren zwei sonnige Tage und eine eindrucksvolle Leistungsschau der Autohändler in Berchtesgaden bei gutem Besuch. Auch das Publikum orientiert sich neu, nicht zuletzt wegen der vielen Schlagzeilen und Umbrüche, denen sich die Branche heute mehr denn je ausgesetzt sieht. Aktuell aber scheint sich die Lage langsam zu beruhigen.

Sehenswert waren die Automobil-Raritäten mit Schmuckstücken aus der Vergangenheit, Informationen zum Roßfeldrennen, Sicherheit im Verkehr durch die aktive Mitarbeit der Deutschen Verkehrswacht und ein großes Rahmenprogramm für Kinder mit Schminken, Bauklötze-Areal und Kasperltheater.

Dass die Freude am Fahren auch ganz ohne PS, Benzin und Elektroantrieb auskommen kann, zeigte der Vizeweltmeister von 2015, Stefan Eberharter, im Mountainbike-Trail mit einer akrobatischen Leistungsschau und perfekter Beherrschung von Bike, Bewegung und Körper.

Folgende Autohäuser waren im AlpenCongress dabei: Moderegger (BMW), Brandner (Opel), Angerer (Ford), Höfler (Fiat), Eppich (Toyota), Czech (Peugeot), Stockklausner (Subaru), Eppich (Seat), Sauder (Suzuki), Buchwinkler (VW, Audi, Skoda) und Benischke (Renault, Dacia, Nissan). Gerd Spranger