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Der Kleidermarkt des Frauenbunds lag (von links) Elfriede Wimmer, Maria Lemberg und Anni Bock sehr am Herzen. Nach mehr als 50 Jahren schließt die soziale Einrichtung nun ihre Pforten. (Foto: Konnert)

Ende einer sozialen und ehrenamtlichen Einrichtung: Kleidermarkt des Katholischen Frauenbunds beendet Ende Juli seine Tätigkeit

Teisendorf – Nach mehr als 50 Jahren wird der Kleidermarkt des Katholischen Frauenbunds (KDFB) im Pfarrheim Teisendorf seine Pforten schließen. Die Entscheidung, die von Frauenbundfrauen betriebene Einrichtung aufzugeben, ist den ehrenamtlichen Helferinnen nicht leicht gefallen. Dennoch war sie unumgänglich. Zum einen musste der Kleidermarkt wegen Corona rund zwei Jahre geschlossen bleiben – keine Warenannahme und kein Verkauf hatten den Betrieb durcheinandergewirbelt. Zum anderen mussten die meisten Helferinnen inzwischen aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen ihre Tätigkeit beenden. 


Jüngere Frauen, die zweimal wöchentlich die notwendige Zeit für dieses Ehrenamt aufbringen können, sind aufgrund der veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen kaum zu finden. Auch ist die Nachfrage nach günstiger Second-Hand-Bekleidung in Zeiten von Billigangeboten und Online-Shopping stetig gesunken.

Dies war vor einem halben Jahrhundert noch ganz anders. Anfang der 1970er Jahre hat der Pfarrgemeinderat zum ersten Mal einen zweitägigen »Gebrauchtartikelmarkt« im Pfarrheim organisiert. Die Initiatoren und Organisatoren waren Ernst Übelherr, Josef Lamminger und Gertraud Gasser.

Der große Erfolg führte die damalige Pfarrgemeinderätin und Frauenbundvorsitzende Gertraud Gasser zu der Idee, diese »gute Sache« als Kleidermarkt innerhalb des Frauenbunds zur ständigen Einrichtung in Teisendorf zu machen. Die Gemeinde stellte unentgeltlich Räume im alten Verkehrsbüro zur Verfügung, die notwendige Einrichtung und im Winter auch das Heizmaterial mussten die dort ehrenamtlich arbeitenden Frauenbundfrauen selbst organisieren. Danach war der Kleidermarkt zeitweise im Knabenschulhaus, später dann in verschiedenen Räumen des Pfarrheims untergebracht.

Zu den Frauen der ersten Stunde gehörten neben Gertraud Gasser, Rosa Heindel aus Ufering und Lina Ebbinghaus aus Teisendorf. Neben der Arbeiterwohlfahrt in Prien war dies in den 1970ern in weitem Umkreis die einzige Einrichtung dieser Art, mit einem Einzugsgebiet weit über Teisendorf hinaus, weiß KDFB-Ehrenmitglied Gertraud Gasser zu berichten. Die Waren – Gebrauchtkleidung, Schuhe, Bettwäsche und Ähnliches – wurden in Kommission genommen, zehn Prozent des Verkaufspreises wurde einbehalten und für soziale Zwecke gespendet. War die Ware verkauft, bekam der Anbieter sein Geld minus dieser zehn Prozent.

Maria Lemberg, ebenfalls früher Vorsitzende und heute Ehrenmitglied des KDFB, hat ebenso viele Jahre beim Kleidermarkt mitgearbeitet. Es hat ihr, wie auch den etwa 20 Frauen im Kleidermarktteam, nicht nur viel Arbeit, sondern auch viel Freude gemacht. Auch Elfriede Wimmer, die über 40 Jahre mit Begeisterung dabei war und jetzt die Einrichtung federführend abwickeln soll, fällt es sichtlich schwer, an das Ende auch nur zu denken.

Der Kleidermarkt war bis vor zwei Jahren an zwei Tagen pro Woche geöffnet. Auch Sonderverkäufe wie Braut- und Kommunionkleider oder Trachtenbekleidung wurden in der Anfangszeit organisiert, die sehr gut angenommen wurden.

Natürlich konnte nicht alles verkauft werden. Die nach einer bestimmten Zeit nicht verkauften und nicht zurückgenommenen Waren wurden ebenso wir der erwirtschaftete Gewinn für soziale Zwecke gespendet. Bis heute wurde beispielsweise die Sozialstation der Teisendorferin Rosalie Gruber in Rumänien mit Sachspenden unterstützt. Auch in Not geratenen Menschen aus der Gemeinde und der Region wurde geholfen.

Jetzt aber soll ein Schlussstrich gezogen werden. Noch ist der Kleidermarkt jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr sowie jeden ersten Samstag im Monat von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Neue Ware wird aber nicht mehr angenommen. Zudem sollen alle Waren, die schon vor Beginn der Corona-Zeit abgegeben wurden, bis spätestens Ende Juli abgeholt werden.

Anderenfalls wird sie für gute Zwecke gespendet. Wer zu den Öffnungszeiten verhindert ist, kann bei Elfriede Wimmer unter Telefon 08666/7644 einen Termin vereinbaren. Der letzte offizielle Verkaufstag steht noch nicht endgültig fest.

Bis die letzten Waren zurückgegeben oder als Spenden verpackt sowie die Räume geleert sind, wird es noch einige Wochen dauern. Der Verkauf wird während der Abwicklungszeit noch weiter gehen, versichert Elfriede Wimmer. Es ist eben doch nicht einfach, etwas zu beenden, das über ein halbes Jahrhundert vielen Teisendorfer Frauenbundfrauen eine Herzensangelegenheit war.

kon